Arbeiten in der Büro-WG

Bettina Blaß

Von 

Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Wer kümmert sich in der Bürogemeinschaft ums schmutzige Geschirr?
Wer kümmert sich in der Bürogemeinschaft ums schmutzige Geschirr?

Als Freiberufler alleine zuhause arbeiten, das kann auf Dauer ziemlich öde werden. Gemeinsam mit anderen kann man sich dagegen über seine Arbeit austauschen, einen Kaffee trinken, Spaß bei der Arbeit haben. Allerdings hat auch eine Bürogemeinschaft ihre Schattenseiten. Wer sich dafür interessiert, sollte Pro und Kontra kennen, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Es ist schon einige Jahre her, dass ich in einer Bürogemeinschaft gearbeitet habe: 2005 mietete ich zusammen mit einem Suchmaschinenoptimierer und einem Grafikdesigner ein Großraumbüro in einem ziemlich hässlichen Haus in nicht bester Lage in Köln-Nippes. Der Suchmaschinenoptimierer und ich waren früher Kollegen, und der Grafikdesigner hatte ebenfalls einmal mit dem SEO-Mann zusammen gearbeitet. Um eines vorweg zu nehmen: Wir mögen uns noch immer und treffen uns regelmäßig einmal im Vierteljahr.

Wir schlossen mit dem Vermieter einen Gewerbemietvertrag. Das ist etwas anderes als ein Wohnraummietvertrag, denn eigentlich gibt es dafür keine gesetzlichen Regelungen. Der Vermieter kam uns sehr entgegen, denn er schloss drei einzelne Verträge mit uns: Offiziell mietete jeder genau ein Drittel des großen Raumes. Vorteil: Sollte einer ausziehen, konnten die anderen bleiben. Nachteil: Sie müssten sich um einen Nachmieter kümmern.

Wir durften mit dem Büro alles machen – aber der Vermieter stellte klar, dass er sich an keinen Verschönerungsmaßnahmen beteiligen würde. So haben wir auf eigene Kosten Laminat über den üsseligen, alten PVC gelegt. Wir haben die Wände gestrichen und die Heizkörper. Außerdem brauchten wir einige Möbel: Einen Tisch und Stühle für den Besprechungsraum, einen kleineren Tisch mit Hockern für die schnelle Abstimmungsrunde, Telefone, großformatige Bilderrahmen für die riesigen Wände. Einen Kaffeeautomaten. Und Pflanzen haben wir gekauft, damit es etwas grüner im Büro wurde. Heißt: Zu Beginn wurde es teuer. Davon abgesehen hat jeder seinen alten Schreibtisch mitgebracht, seine Regale, seinen Stuhl, alte Tassen und Teller.

Nicht jeder fühlt sich verantwortlich

Uns war klar, dass keiner die Küche und die Toilette regelmäßig putzen wollte, also haben wir uns um einen Putzdienst bemüht. Jemanden zu finden, der das offiziell und nicht schwarz macht, ist leider nicht einfach. Die Dame, die wir schließlich fanden, kam alle zwei Wochen – manchmal aber auch grundlos nicht. „Alle zwei Wochen“ bedeutet jedoch, dass zwischendurch jemand die Spülmaschine anstellen, ein- und ausräumen muss. Und ganz abgesehen davon sollte man sich regelmäßig um Toilettenpapier kümmern. Das ging alles so lange relativ gut, bis einer der Kollegen Mitarbeiter einstellte. Dadurch wurde es erstens enger, zweitens waren da nun Menschen, die sich nicht zuständig fühlten für Sauberkeit im Büro. Verständlich – es ist ja nur ihr Arbeitsplatz. Für die beiden anderen Mieter war das natürlich doof, denn sie räumten nun den Dreck der Mitarbeiter weg. Muss man nicht haben. Die ganze Situation erinnerte mich stark an meine WG-Zeiten während des Studiums. Das waren tolle Zeiten, aber irgendwann ist gut.

Hinzu kam unser Telekommunikationsproblem: Wir hatten ein Paket, das nur drei Leitungen hatte, um nach draußen zu telefonieren. Sprachen also die beiden anderen Mieter und einer der Mitarbeiter, konnte ich über das Festnetz nicht das Interview führen, das für eine bestimmte Uhrzeit abgesprochen war. Mit dem Handy zu telefonieren war damals noch recht teuer – und die Verbindung war oft nicht gut. Ich musste also meine Interviewtermine mit Vorlauf ankündigen. Eine unbequeme Situation. Eine Aufstockung der Leitung kam nicht in Frage, weil wir nicht wussten, wie es weitergehen sollte mit der Bürogemeinschaft.

Ein Einbruch und seine Folgen

Besonders heftig hat uns aber getroffen, dass eines Nachts eingebrochen worden war: Der Server war weg – und nein, ich hatte von meinen Internetseiten keine Sicherung offline angelegt. Außerdem waren alle Computer und Laptops meiner Kollegen weg. Mein Gerät war den Dieben wohl nicht gut genug gewesen. Wir hatten zum Glück eine Versicherung abgeschlossen. Die zahlte jedoch erst, nachdem sich der Versicherungsvermittler einschaltete – nach vielen Wochen. Da hatten wir schon längst neues Equipment gekauft.

Die Polizei riet uns, eine Alarmanlage zu installieren. Es sei die Regel, dass die Diebe nach einigen Wochen wieder kämen, da sie genau wüssten, dass jetzt im Büro funkelnagelneue Computer stehen. Wir folgten dem Rat, ließen also für viel Geld eine Alarmanlage installieren und beauftragten einen Wachdienst. Der rief mich prompt einige Wochen später nachts um drei an: Ich müsse ins Büro kommen, es habe einen Einbruchsversuch gegeben. Zum Glück hatte der Dieb sofort kehrt gemacht, nachdem der Alarm anging – aber Ärger und Kosten hatten wir natürlich dadurch trotzdem.

Der Einbruch hatte noch eine andere Folge: Unser großer Büroraum war an den beiden Längsfronten verglast. Wir saßen also an unseren Tischen wie auf dem Präsentierteller. Und da die Haustür immer offen war, da unter uns ein Fitnessstudio war, konnte jeder jederzeit ins Haus und sich in irgendeiner dunklen Ecke verstecken. Ich fühlte mich dort nicht mehr wohl – speziell in den dunklen Jahreszeiten nicht.

Bizarre Störungen aus dem Fitnessstudio

Wie gesagt: Ein weiterer Mieter im Haus war ein Fitnessstudio. Das mietete ein freigewordenes Büro dazu und machte daraus eine Trainingsecke für Boxer. Dort hing auch ein Sandsack an Ketten an metallischen Verstrebungen. Folge: Wir fühlten die Vibrationen, wenn unter uns ein Boxer gegen den Sack schlug. Und wir hörten das Kettenrasseln. Nicht nur das: Wer in einem Fitnessstudio trainiert kennt wahrscheinlich die Geräusche, die viele Sportler von sich geben, wenn sie sich sehr anstrengen. Die hörten wir auch. Und auch unsere Telefonpartner. Wenn man nicht weiß, dass die beschriebene Geräuschkulisse aus einem Fitnessstudio kommt – nun ja, es gab einige Irritationen, wie man sich leicht vorstellen kann.

Eine gute Zeit

Auch wenn es nicht so klingt: Alles in allem war es eine gute Zeit in der Bürogemeinschaft. Ich schätzte den Austausch mit meinen Kollegen, gerade weil sie nicht aus dem Journalismus kamen. Ich ließ sie Texte auf Verständlichkeit gegenlesen, diskutierte Themen mit ihnen, war natürlich auch für sie Ansprechpartner – und wir haben viel gelacht. Einmal haben wir sogar einen Auftrag zu dritt angenommen.

Es war traurig, als einer der beiden seinen Auszug ankündigte. Trotz aller Anstrengungen fanden wir keinen Nachmieter. Da beschloss mein verbleibender Kollege, sich weiter zu vergrößern. Und ich fühlte mich täglich ein bisschen überflüssiger. Außerdem wohnten mein Mann und ich in der Zwischenzeit in einer Wohnung mit einem ungenutzten Zimmer. Was lag näher, als auszuziehen und ein häusliches Arbeitszimmer einzurichten? Dort arbeite ich jetzt – und ich bin sehr zufrieden mit der Situation.

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7 Kommentare zu “Arbeiten in der Büro-WG

  1. Ich denke gerade in die andere Richtung: Ich arbeite zuhause und finde das im großen und ganzen ziemlich gut. Allerdings platzt die Kapazität des häuslichen Arbeitszimmers mit steigender Auftragslage so langsam aus den Nähten. Eine Bürogemeinschaft wäre aber aufgrund meiner speziellen Fachausrichtung (ich bin Fachjournalist und Buchautor für Automobilthemen und HiFi-Tests) kaum machbar, da ich zumindest für den zweiten Themenbereich einen akustisch optimierten Raum brauche, der auch in Sachen elektrischer Versorgung von anderen Räumen abgekoppelt ist. Zudem kann es in Testphasen ganz schön laut werden. Das macht bestimmt nicht jeder mit und es erschwert die Suche nach bezahlbarem (!) Büroraum erheblich. Und nun bin ich in einer Zwickmühle. Ich müsste und würde mich gern räumlich erweitern, meine Anforderungen sind aber wohl so speziell, dass es mir zu teuer wäre, ein externes Büro entsprechend allein zu beziehen und so einzurichten, wie ich das brauche. Was ist die Lösung? Die verschiebe ich wohl….;-)

    Gruß,

    Tobias

  2. Hallo ihr Leidgeprüften,
    aktuelle Studien belegen, dass das Interesse am Homeoffice schwindet! Kein Wunder, bedeutet es für Arbeitnehmer doch häufig die schon geschilderte soziale Vereinsamung bei nicht optimalen Arbeitsvoraussetzungen und für Arbeitgeber häufig Probleme bei der Mitbestimmung und der Umsetzung der Arbeitssicherheit. Die Bürogemeinschaft, gerade von Einzelkämpfern häufig als einzige wirtschaftlich tragbare Alternative gesehen, ist genau so wenig jedermenschs Geschmack, wie die Studenten-WG. Viele Bürotätige wollen auch noch sehr viel flexibler sein: Am liebsten möchten sie, je nach Tagesplanung, aus mehreren möglichen Arbeitsorten den passendsten oder angenehmsten wählen – heute hier und morgen dort. Die neue Ökonomie des Teilens – nutzen statt besitzen – hat sich schon bei anderen Produkten bewährt. Warum also nicht auch intelligente und individuell gestaltbare Coworking-Konzepte entwickeln und nutzen. Für Tobias könnte das z. B. bedeuten, unterschiedliche Tätigkeiten auf unterschiedliche Orte zu verteilen: Die Tests zuhause, wo die Technik optimiert ist und die Büroarbeit im Mietoffice, wo er im optimalen Fall sogar bedarfsgerechte Bürodienstleistungen wie Schreib- oder Telefondienst nutzen kann. Ja ich weiß, so einfach geht das nicht mit den besonderen eigenen Anforderungen. Einfach vielleicht nicht, aber wenn man unvoreingenommen und ergebnisoffen um die eine oder andere Ecke herum denkt, dann findet man passende Lösungen, die sich auch zukünftig an veränderte Anforderungen anpassen lassen. Wir nennen das UMDenken.
    Was andere an renommierten Großstadtadressen anbieten, stellen wir Bürotätigen südlich von Hamburg auf dem Lande, und damit in unmittelbarer Nähe zu ihrer Wohnung, zur Verfügung: Mietbüros auf Zeit mit passender Infrastruktur und individuellen Bürodienstleistungen. Und um die Sauberkeit und das dreckige Geschirr kümmert sich auch jemand. So lässt‘s sich gut arbeiten oder mit Kunden treffen. Und für Teilzeitbeschäftigte ist der Zeitgewinn durch den Wegfall der Pendelzeiten an den Arbeitsplatz in der Stadt das Größte.
    Fröhliches UMDenken
    Klaus (www.um-d.de)

  3. Hallo Klaus,
    danke für deinen Beitrag. Natürlich sind Coworking Spaces eine Option. Aber ich bin tatsächlich sehr glücklich in meinem häuslichen Arbeitszimmer. Ich habe zwar einen ganz speziellen Coworking Space im Ausland vor Augen, in den ich mich gerne einmal einige Wochen einbringen möchte. Ansonsten ist meine erste Wahl seit Jahren die Arbeit zuhause. In Köln sagt man: Jeder Jeck is anders.

  4. Hallo, erst einmal finde ich den Beitrag sehr gut. Ich hatte Gott sei Dank noch nie das Problem, dass weder bei mir Zuhause, noch in meinem Büro eingebrochen wurde. Dabei bin ich nicht mehr im eigenen Büro unterwegs, sondern in einem Co-Working-Space. Bietet mir viel mehr Motivation zu Schaffen!

    Kleiner Nachtrag: Home Office habe ich auch schon in Betracht gezogen, jedoch ist dort die Motivation nicht ganz gegeben

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