„Die Huffington Post kommt nach Deutschland“ oder „Mehr Drama, bitte“

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

The Huffington Post ist eine US-amerikanische Onlinezeitung, die in Form eines Polit-Weblogs erscheint. Sie wurde von Arianna Huffington, Kenneth Lerer und Jonah Peretti gegründet und ging am 9. Mai 2005 als Nachrichten- und Nachrichtenkommentarplattform online. Die Huffington Post vereint Internetlinks zu verschiedensten Nachrichtenquellen und -kolumnisten und bietet daneben eigene Berichte und Kommentare. Im Februar 2011 gab AOL bekannt, die Zeitung für 315 Mio US-$ übernommen zu haben. Arianna Huffington wurde Präsidentin und Chefredakteurin der neu gegründeten Huffington Post Media Group.[1] 2012 erhielt die Huffington Post als erste kommerzielle Onlinezeitung einen Pulitzer-Preis.[2]

So die Wikipedia.

So begrüßte die HuffPo derzeit noch ihre Besucher
So begrüßte die HuffPo derzeit noch ihre Besucher

Prolog

Die Huffington Post wird nach Deutschland kommen, das war schon seit Ende 2011 bekannt. Bald ist es soweit, am 10. Oktober 2013 soll die deutsche Ausgabe online gehen. Dann wird aus dieser zurzeit ziemlich nach Web 0.9 aussehenden Homepage (siehe Bild) DAS Medienereignis des Jahres – so sehen es die einen. Die anderen verkünden eher die Wiederkehr des Anti-Christen. Doch der Reihe nach.

1. Akt

Wie in jedem guten Drama muss zunächst der Konflikt herausgearbeitet werden. Die Kurzversion: Die Huffington Post hat Blogger angeschrieben und gefragt, ob sie Interesse hätten, kostenlos für die HuffPo (so die offizielle(?) Abkürzung) zu schreiben. Auftritt des Helden:

Begeisterung, Zustimmung. Endlich zeigt es mal jemand den bösen Amerikanern.

2. Akt

Es zeigt sich, dass der Konflikt nicht so einfach ist, denn statt Geld bietet die HuffPo etwas ganz anderes, das in Zeiten des medialen Dauerfeuers immer wichtiger wird: Aufmerksamkeit! Darüber haben sich andere einige gute Gedanken gemacht.

Alles also halb so wild. Wie jeder Shitstorm, der es in sich hat, sind bald auch journalistische Medien dabei, ihn auszuwerten. Vorbildlich gelöst hat das t3n, das zig bekannte Blogger und Mediengrößen dazu befragt hat.

3. Akt

Der Konflikt bekommt jetzt eine dramatische Wendung, denn nun ist es nicht mehr die große, böse, amerikanische HuffPo, die als Angriffsfläche dient, sondern ihr deutscher Stellvertreter Sebastian Matthes, der jetzt durch alle Blogs und relevanten Medienredaktionen gereicht wird, um zu erklären, dass alles gar nicht so schlimm ist.

So musste er ohne Bezahlung („die Geister die ich rief“) in Lousy Pennies seine Absichten erklären und war zu Gast im Medienmagazin Was mit Medien. Er erklärt dabei nochmal den Sinn und Zweck und beschwört die enorme Reichweite, die die HuffPo liefern wird und so helfen kann, einen kleinen Blogger zu einem großen Star aufzubauen. Der Vorteil von Sebastian Matthes: Er macht das ziemlich sympatisch und überzeugend und gewinnt so das Publikum für sich.

4. Akt

Der muss noch geschrieben werden – nach dem 10.10.!

Meine Meinung

Nach den ganzen Fremdmeinungen nun meine eigene Meinung: Es wird – wie so oft bei uns – im Vorfeld alles niedergemacht oder in den Himmel gelobt. Ohne zu wissen, wie es nachher in der Realität aussieht. Das gilt für neue iPhones genauso wie für die HuffPo. Es ist ein Angebot für jedermann. Die HuffPo richtet sich nicht speziell an Journalisten und nicht speziell an Blogger. Jeder der will kann für den Laden schreiben. Also überlassen wir doch auch jedem einzelnen die Entscheidung.

Natürlich ist es für jeden, der mit seinen Texten seinen Lebensunterhalt verdient, der blanke Hohn, wenn ein großer Medienkonzern um kostenlose Inhalte bettelt. Aber jeder freie Journalist ist auch Unternehmer. Und Unternehmer müssen auf sich aufmerksam machen. Sei es durch Werbung, eine Homepage, einen guten Blog, ein Xing-Profil, Netzwerken oder eben Texte, die gelesen werden. Wenn die HuffPo es schafft, eine so starke Reichweite zu erzielen, dass ein kostenlos gelieferter Text mir soviel Aufmerksamkeit bringt, dass sich daraus wieder ein Auftrag für mich ableitet – sehr gern. Aber bevor nicht klar ist, ob diese Reichweite wirklich zu Stande kommt, denke ich nicht darüber nach, für die HuffPo zu schreiben. Noch nicht.

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