Meine erste Steuererklärung als Selbstständiger

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Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Bald ist es wieder soweit: am 31. Mai muss die Steuererklärung abgegeben sein. Die ultimative Challenge für jeden Steuerzahler und erst recht für Freiberufler – hier ein bisschen Aufklärung und Rat. Ab nächstem Jahr (2019) darf man übrigens ein bisschen mehr Zeit lassen, dann gilt der 31. Juli.

Ich bin quasi ein Ergebnis des deutschen Steuerrechts und mit ihm aufgewachsen. Denn meine Eltern haben sich während ihrer Ausbildung im Finanzamt kennengelernt, heute arbeiten beide in der Steuerberatung. Vermutlich habe ich dadurch keine Berührungsängste beim Thema Steuern und Steuererklärung.

Natürlich zahle auch ich ungern Steuern, aber es gehört halt dazu. Weil gerade um diese Jahreszeit das Thema wieder besonders in den Vordergrund rückt, habe ich mal eine Art Anleitung gemacht, wie man sich der Fertigstellung der eigenen Steuererklärung nähern kann. Mir ist bewusst, dass das Thema viel zu komplex ist, um es in einem Blogbeitrag abschließend zu beschreiben. Deshalb gilt: Dieser Beitrag stellt keine Steuerberatung dar.

Man erstellt immer eine Steuererklärung für einen sog. Veranlagungszeitraum, der vom 1.1. bis zum 31.12. dauert, also genau ein Jahr. Meistens macht man die Steuererklärung für das Vorjahr. Im Jahr 2018 also für 2017. Wer in Deutschland als Selbstständiger tätig ist, muss seine Einkommensteuererklärung bis zum 31. Mai abgeben*. Wer einen Steuerberater beauftragt (mehr dazu später) hat, hat mehr Zeit, nämlich bis zum 31. Dezember. Wenn man eine dieser Fristen nicht einhalten kann, besteht die Möglichkeit, beim Finanzamt eine Fristverlängerung zu beantragen. Doch dafür muss man mit dem Finanzamt schriftlich in Kontakt treten. Die Taktik „Kopf in den Sand“ führt nicht zum Ziel.

*Immer mal wieder ist von einer Änderung dieser Frist die Rede. Die gibt es tatsächlich, tritt aber erst für den Veranlagungszeitraum 2018 in Kraft. Also kann man sich 2019 für die 2018er Erklärung mehr Zeit lassen, nämlich bis zum 31. Juli 2019.

Wie sortiere ich meine Belege?

Es geht nichts über gute Vorbereitung. Dazu gehört, dass man seine Buchhaltung im Griff hat. Wer nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällt, muss meistens mehrmals im Jahr (monatlich oder quartalsweise) eine Umsatzsteuervoranmeldung machen. Im Idealfall sind die Belege für meine selbstständige Tätigkeit als freier Journalist schon sortiert und ich muss nur noch meinen Gewinn zum Jahresende ausrechnen. Stark vereinfacht: Einnahmen minus Ausgaben.

Wer noch nicht sortiert hat, sollte damit jetzt anfangen. Je nach Füllmenge der Belegekiste kann dafür schon mal ein sonniger Frühlingstag draufgehen. Übrigens fordern Finanzämter mittlerweile, dass die Buchhaltung immer nachvollziehbar sortiert ist. Daher sollte man mittlerweile wesentlich häufiger die Belegekiste durchsehen. Es muss nicht aber nicht jeden Tag sein.

Ich empfehle folgende Grobsortierung: Privates von Beruflichem trennen. Der Kassenzettel vom Wocheneinkauf im Supermarkt kommt in den Müll, die Fahrkarte zum Interviewtermin wird abgeheftet. Alle Schreiben von Banken, Versicherungen usw., die in den letzten Wochen gekommen sind, in denen Werte für 2017 aufgeführt sind, separat ablegen. Zu denen kommen wir später.

Sind alle Belege für meine selbstständige Tätigkeit da? Dann einmal sauber abheften, chronologisch für das ganze Jahr.

Stolperfallen

Es gibt einige Kosten, die besondere Aufmerksamkeit verlangen. Dazu gehören zum Beispiel ein Auto im Betriebsvermögen (bzw. die Entscheidung, ob es sich überhaupt lohnt, es ins Betriebsvermögen aufzunehmen), Arbeitszimmer und Eigenanteile bei der Telefonnutzung und noch viele mehr.

Weil gerade bei Journalisten diese Stolperfallen immer wieder auftauchen, empfiehlt sich ein Blick in einschlägige Literatur wie das DJV Handbuch, die Freienbibel oder der Gang zum Steuerberater (siehe unten).

Die Steuererklärung

Wer nur selbstständig gearbeitet hat, muss „nur“ den Mantelbogen und die Anlagen S und EÜR ausfüllen. In den Mantelbogen kommen die persönlichen Daten und die privaten Versicherungen. In die Anlage S werden die Daten des Unternehmens (zum Beispiel der Gewinn) eingetragen. Für die Anlage S habe ich hier gute Erläuterungen gefunden. Bettina hat ebenfalls ein paar Hinweise aufgeschrieben.

Die Anlage EÜR erfordert eine kleine Aufschlüsselung, wie der Gewinn zustande gekommen ist. Sie ist aber nur Pflicht, wenn die Einnahmen im letzten Jahr höher als 17.500 Euro waren. EÜR ist die Abkürzung für Einnahmenüberschussrechnung.

Ehepaare oder Lebenspartner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft müssen ihre Steuererklärung gemeinsam abgeben. Ist alles fertig, muss das Ganze zum Finanzamt. Das muss online mit einer Elster-fähigen Software erfolgen, außerdem schickt man einen Ausdruck mit Belegen per Post hinterher.

Brauche ich einen Steuerberater?

Ein Steuerberater sagt vermutlich ja. Natürlich kostet ein Steuerberater Geld, er rechnet nach der Steuerberatergebührenverordnung ab. Der Preis ist davon abhängig, welche Dienstleistung der Steuerberater letztlich erbringt. Wenn ich meine Buchhaltung komplett selber mache und er nur die Steuererklärung, ist es günstiger, als wenn ich ihm einen Schuhkarton mit Belegen auf den Tisch stelle und sage „Machen Sie mal“. Nach einer kurzen Erhebung im Kollegenkreis muss man mit einem mittleren dreistelligen Eurobetrag rechnen.

Leider gibt es gute und weniger gute Steuerberater, der Unterschied lässt sich nicht am Preis festmachen. Ein guter Steuerberater nimmt sich ähnlich wie ein guter Arzt die Zeit, die Situation seines Mandanten komplett zu erfassen und fertigt ihn nicht nach Schema F in wenigen Minuten ab. Statt in den Gelben Seiten zu suchen, würde ich mich auch hier auf Empfehlungen von Kollegen stützen.

Nochmal der Hinweis: Wer einen Steuerberater hat, kann sich mit der Steuererklärung bis zum Jahresende Zeit lassen (und ab 2019 noch länger). Trotzdem mögen es Steuerberater nicht, wenn alle Mandanten kurz vor Weihnachten gleichzeitig mit ihren Belegen auf der Matte stehen.

Wenn der Steuerbescheid da ist

Finanzbeamte sind auch nur Menschen, die Fehler machen können. Ebenso kann es vorkommen, dass der Finanzbeamte anderer Meinung ist, was das Absetzen bestimmter Kosten angeht. Wenn der Steuerbescheid da ist, hat man vier Wochen Zeit ihn zu prüfen. Ist irgendetwas nicht korrekt, kann man Einspruch einlegen. Das sollte schriftlich erfolgen. Im Einspruch legt man dar, warum man der Meinung ist, dass die Berechnung falsch ist.
Wer einen Steuerberater hat, sollte diesem schnellstmöglich den Bescheid schicken, damit dieser ihn prüfen kann, sofern das Finanzamt den Bescheid nicht gleich an ihn geschickt hat.

Nach vier Wochen wird der Bescheid rechtskräftig und die Steuern werden fällig. Eine Erstattung wird in der Regel schon zeitgleich mit dem Bescheid ausgezahlt. Wer nachzahlen muss, hat hoffentlich genug auf die Seite gelegt. Wie man das machen kann, erkläre ich auch im Beitrag Sparen für die Steuer.

Du hast einen Fehler im Text gefunden? Dann sag uns doch bitte Bescheid. Einfach das Wort mit dem Fehler markieren und Strg+Enter drücken. Schon bekommen wir einen Hinweis.

7 Kommentare zu “Meine erste Steuererklärung als Selbstständiger

  1. Meine Steuererklärung als Selbstständiger habe ich ehrlich gesagt noch nie selber gemacht, zum einen hatte ich nicht wirklich Zeit dafür und habe diese lieber in meine Firma gesteckt und zum anderen muss da so viel beachtet werden, dass man als Laie diese Arbeit lieber abgibt. Mir gehts auf jeden Fall besser damit, dass mein Steuerberater in Hamm (…, Link vom Redaktionsteam wegen Verdacht auf versteckte Werbung entfernt) meine Steuererklärung und Co macht und ich nichts damit zu tun habe.

    LG Simon

  2. Hallo,
    ich habe, wie Simon, meinen eigenen Steuerberater. Das Tagesgeschäft ist aufwendig und teilweise übersichtlich. Hätte ich mehr Zeit, würde ich es versuchen selbst zu stemmen, bin aber froh, dass ich alles nur nach Coburg schicken und delegieren kann.

    1. Ich habe die Erfahrungen gemacht dass wenn es der Steuerberater die Steuererklärung macht, das Finanzamt nicht so wirklich hinschaut. Habe die ersten Jahre meiner Selbständigkeit die Steuererklärung selbst gemacht mit einer Freundin die bei einem Steuerberater arbeitet und ich hatte immer Schwierigkeiten mit dem Finanzamt. Nachdem es ein Steuerberater nun für mich macht, gab es nie wieder Probleme!

  3. Eine Freundin ist Steuerberater, sie hilft uns dabei immer. Als Entschädigung gibt es dann ein Steak und einen Whisky. Einige Bekannte können sich den Steuerberater noch nicht leisten, haben aber aufgrund der Selbstständigkeit einiges zu beachten.

  4. Hallo Timo, danke für einen ausführlichen Artikel. Mein Neffe führt seit ein paar Wochen sein Geschäft online, ist Freiberufler. Da die Taktik „Kopf in den Sand“, wie du sagst, zum Ziel nicht führt, sollte er, wie es aus dem Artikel geht, entweder mit einer Steuerberatung in Kontakt treten oder selbständig Einkommensteuererklärung bis zum 31. Mai abgeben. Eine gut durchdachte Empfehlung würde nie stören.

  5. Steuerberater sind immer hilfreich. Sie weisen auch meist darauf hin, wenn sich Fehler eingeschlichen haben oder Dokumente vergessen wurden. Entsprechend der Unternehmensgröße passen Sie auch ihren Umgang mit den Kunden an. Allerdings funktioniert das nur so lange wie der Steuerberater sich auch geschätzt fühlt. Letztlich sollte man nicht vergessen, dass man miteinander arbeitet und nicht gegeneinander.

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