Meine erste Steuererklärung als Selbstständiger

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Bald ist es wieder soweit: am 31. Mai muss die Steuererklärung abgegeben sein. Die ultimative Challenge für jeden Steuerzahler – hier ein bisschen Aufklärung und Rat, auch wenn das Thema für einen Blogbeitrag viel zu komplex ist.

Ich bin quasi ein Ergebnis des deutschen Steuerrechts und mit ihm aufgewachsen. Denn meine Eltern haben sich während ihrer Ausbildung im Finanzamt kennengelernt, heute arbeiten beide in der Steuerberatung. Vermutlich habe ich dadurch keine Berührungsängste beim Thema Steuern und Steuererklärung.

Natürlich zahle auch ich ungern Steuern, aber es gehört halt dazu. Weil gerade um diese Jahreszeit das Thema wieder besonders in den Vordergrund rückt, habe ich mal eine Art Anleitung gemacht, wie man sich der Fertigstellung der eigenen Steuererklärung nähern kann. Mir ist bewusst, dass das Thema viel zu komplex ist, um es in einem Blogbeitrag abschließend zu beschreiben. Deshalb gilt: Dieser Beitrag stellt keine Steuerberatung dar.

Man erstellt immer eine Steuererklärung für das Vorjahr. Im Jahr 2015 also für 2014. Wer in Deutschland als Selbstständiger tätig ist, muss seine Einkommensteuererklärung bis zum 31. Mai abgeben. Wer einen Steuerberater beauftragt (mehr dazu später) hat, hat mehr Zeit, nämlich bis zum 31. Dezember. Wenn man eine dieser Fristen nicht einhalten kann, besteht die Möglichkeit, beim Finanzamt eine Fristverlängerung zu beantragen. Doch dafür muss man mit dem Finanzamt schriftlich in Kontakt treten. Die Taktik „Kopf in den Sand“ führt nicht zum Ziel.

Wie sortiere ich meine Belege?

Es geht nichts über gute Vorbereitung. Dazu gehört, dass man seine Buchhaltung im Griff hat. Wer nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällt, muss meistens mehrmals im Jahr (monatlich oder quartalsweise) eine Umsatzsteuervoranmeldung machen. Im Idealfall sind die Belege für meine selbstständige Tätigkeit als freier Journalist schon sortiert und ich muss nur noch meinen Gewinn zum Jahresende ausrechnen. Stark vereinfacht: Einnahmen minus Ausgaben.

Wer noch nicht sortiert hat, sollte damit jetzt anfangen. Je nach Füllmenge der Belegekiste kann dafür schon mal ein sonniger Frühlingstag draufgehen. Ich empfehle folgende Grobsortierung: Privates von Beruflichem trennen. Der Kassenzettel vom Wocheneinkauf im Supermarkt kommt in den Müll, die Fahrkarte zum Interviewtermin wird abgeheftet. Alle Schreiben von Banken, Versicherungen usw., die in den letzten Wochen gekommen sind, in denen Werte für 2014 aufgeführt sind, separat ablegen. Zu denen kommen wir später.

Sind alle Belege für meine selbstständige Tätigkeit da? Dann einmal sauber abheften, chronologisch für das ganze Jahr.

Stolperfallen

Es gibt einige Kosten, die besondere Aufmerksamkeit verlangen. Dazu gehören zum Beispiel ein Auto im Betriebsvermögen (bzw. die Entscheidung, ob es sich überhaupt lohnt, es ins Betriebsvermögen aufzunehmen), Arbeitszimmer und Eigenanteile bei der Telefonnutzung und noch viele mehr.

Weil gerade bei Journalisten diese Stolperfallen immer wieder auftauchen, empfiehlt sich ein Blick in einschlägige Literatur wie das DJV Handbuch, die Freienbibel oder der Gang zum Steuerberater (siehe unten).

Die Steuererklärung

Wer nur selbstständig gearbeitet hat, muss „nur“ den Mantelbogen und die Anlage S ausfüllen. In den Mantelbogen kommen die persönlichen Daten und die privaten Versicherungen. In die Anlage S werden die Daten des Unternehmens (zum Beispiel der Gewinn) eingetragen. Für die Anlage S habe ich hier gute Erläuterungen gefunden.

Ist alles fertig, muss das Ganze zum Finanzamt. Das muss online mit einer Elster-fähigen Software erfolgen.

Brauche ich einen Steuerberater?

Ein Steuerberater sagt vermutlich ja. Natürlich kostet ein Steuerberater Geld, er rechnet nach der Steuerberatergebührenverordnung ab. Der Preis ist davon abhängig, welche Dienstleistung der Steuerberater letztlich erbringt. Wenn ich meine Buchhaltung komplett selber mache und er nur die Steuererklärung, ist es günstiger, als wenn ich ihm einen Schuhkarton mit Belegen auf den Tisch stelle und sage „Machen Sie mal“. Nach einer kurzen Erhebung im Kollegenkreis muss man mit einem mittleren dreistelligen Eurobetrag rechnen.

Leider gibt es gute und weniger gute Steuerberater, der Unterschied lässt sich nicht am Preis festmachen. Ein guter Steuerberater nimmt sich ähnlich wie ein guter Arzt die Zeit, die Situation seines Mandanten komplett zu erfassen und fertigt ihn nicht nach Schema F in wenigen Minuten ab.

Wenn der Steuerbescheid da ist

Finanzbeamte sind auch nur Menschen, die Fehler machen können. Ebenso kann es vorkommen, dass der Finanzbeamte anderer Meinung ist, was das Absetzen bestimmter Kosten angeht. Wenn der Steuerbescheid da ist, hat man vier Wochen Zeit ihn zu prüfen. Ist irgendetwas nicht korrekt, kann man Einspruch einlegen. Das sollte schriftlich erfolgen. Im Einspruch legt man dar, warum man der Meinung ist, dass die Berechnung falsch ist.
Wer einen Steuerberater hat, sollte diesem schnellstmöglich den Bescheid schicken, damit dieser ihn prüfen kann, sofern das Finanzamt den Bescheid nicht gleich an ihn geschickt hat.

Nach vier Wochen wird der Bescheid rechtskräftig und die Steuern werden fällig. Eine Erstattung wird in der Regel schon zeitgleich mit dem Bescheid ausgezahlt. Wer nachzahlen muss, hat hoffentlich genug auf die Seite gelegt. Wie man das machen kann, erkläre ich auch im Beitrag Sparen für die Steuer.

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