Multimediales Storytelling: Was können die verschiedenen Programme?

Bettina Blaß

Von 

Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

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Es ist im Onlinejournalismus ein großes Thema: multimediales Storytelling, also die gekonnte Verknüpfung von Text, Bild, Video und Audio – gegebenenfalls mit einigen onlinespezifischen Darstellungsformen. Das Problem ist nur: Wer als Freier solche Projekte umsetzen möchte, muss sich häufig mit teurer und komplizierter Software auseinandersetzen.

Nur, um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe nichts dagegen, dass Software Geld kostet, im Gegenteil. Die Leute, die Zeit in diese Software investieren, sollen auch entsprechend entlohnt werden. Allerdings ist es für den Freiberufler eine Hemmschwelle mehr, sich damit auseinanderzusetzen. Ist die Software dann noch kompliziert zu bedienen, macht es wenig Sinn, sich damit auseinanderzusetzen. Ich teste mich selbst noch durch die verschiedenen Möglichkeiten, einige Sachen habe ich aber schon ausprobiert – oder gleich sein lassen:

    • Pageflow: Die Software, die der WDR zur Verfügung gestellt hat, soll toll sein. Ich werde sie trotzdem nicht testen: Mindestens 69 Euro monatlich für eine Geschichte ist es mir nicht wert. Selbst hosten kommt für mich nicht in Frage, nachdem ich auf t3n etwas über die technischen Anforderungen gelesen habe: Ich kann das ganz einfach nicht.
    • Aesop Story Engine ist ein WordPress-Plugin. Ich nutze es in der Zwischenzeit in allen meinen Blogs, habe aber noch nicht den großen Wurf damit gemacht. Das mag auch daran liegen, dass Aesop nicht fehlerfrei läuft. Seit dem gestrigen Update kann man aber zumindest ganz hübsche Bildergalerien bauen.
  • Storyteller ermöglicht die Kombination von Text, Hintergrundbild und Video auf Folien. Ich gebe es offen zu: Ohne Timos Hilfe hätte ich es nicht zum Laufen gebracht. Hat man es aber einmal aufgesetzt, stellt man fest, dass es eigentlich ganz einfach geht. Ich warte noch auf den richtigen Anlass um daraus eine Geschichte zu produzieren.
  • Storehouse ist war eine App für Apple-Geräte, die Text, Bild und Video kombiniert. Das geht unfassbar einfach. Ich habe neulich abends an der Hotelbar etwas über Dresden am iPhone gemacht. Nicht nur das Storehouse-Ergebnis ist eine iPhone-Produktion, sondern alles: Die Bilder habe ich mit dem Smartphone gemacht und dort bearbeitet, das Video habe ich damit gemacht und geschnitten, den Text über das Smartphone geschrieben. Das ist zumindest nicht schlecht.
  • ThingLink ist ebenfalls eine App, kann aber auch webbasiert benutzt werden, um Text, Audio, Video und Bild zu kombinieren. Das geht meines Erachtens am Tablet oder Smartphone einfacher als am Rechner.
  • Google Web Designer ist eigentlich gedacht, um Anzeigen in HTML5 zu produzieren. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht auch anderes damit erstellen könnte – nämlich eben ein multimediales Special. Ich habe es noch nicht ausprobiert, mir sieht es zu technisch aus.
  • Keynote, das Apple-Pendant zu Power Point, und iPhoto, das Apple-Bildbearbeitungsprogramm, ermöglichen es, Inhalte als HTML-Dateien abzuspeichern. Somit kann man sie natürlich über FTP ins Netz laden und ansteuern. Ich habe aus Neugierde eine HTML-Datei mit Bildern aus Berlin gemacht. Nachteil: Die Datei passt sich nicht an die mobilen Geräte an. Und leider exportiert Keynote auf dem Tablet noch nicht in HTML – sonst wäre das eine gute Möglichkeit für den Einsatz als Mobile Reporter.

Ich bin gespannt, welche Möglichkeiten uns in den kommenden Monaten noch für multimediales Storytelling begegnen werden. Welche Programme nutzt Ihr? Vervollständigt die Übersicht gerne in den Kommentaren.

12 Kommentare zu “Multimediales Storytelling: Was können die verschiedenen Programme?

  1. Pageflow soll übrigens in Kürze *deutlich* günstiger werden, hieß es auf der DJV-Tagung „Besser online“ in Berlin. Dann lohnt vielleicht doch mal ein genauerer Blick darauf.

  2. Pageflow ist kostenlos, jeder kann es sich herunterladen. Bloß: Nicht jeder kriegt es in Gang. Ich zum Beispiel nicht. Und ich habe auch niemanden gefunden, der es für mich in Bewegung bringt. Die Bezahl-Varianten sind schlicht inakzeptabel.
    Ich danke dir für den Tipp mit dem WordPress-Plugin. Das sieht doch richtig gut aus, ich freu mich auf die Arbeit damit!
    Lg von iNKe

  3. Vielen dank für diese nützliche Auflistung und den Vergleich der untrschiedlichen Tools. Ich persönlich arbeite sehr gern mit Aesop und noch lieber mit Pageflow. Und ich denke, es liegt hier ein gründliches Missverständnis vor, warum beispielsweise Atavist oder Pageflow (in der gehosteten Variante) Geld kosten:

    Es geht doch speziell um die Kosten, die durch den Traffic entstehen. Eine eigene Webseite zu hosten kostet doch auch eine Gebühr.

    Auch finde ich, dass 8,50 € im Monat verhältnismässig günstig ist, um mehrere Seiten zu veröffentlichen. Zudem hat Pageflow einen Support der (in meinem Fall zumindest) bisher immer sehr schnell und kompetent geantwortet hat.

    Und noch eine Anmerkung zu Open Source: OS heisst nicht „umsonst“. Es müssen doch Server und Infrastruktur betrieben werden. Dass normale Menschen wie wir, nicht über die IT Kenntnisse verfügen, ein so komplexes System zu installieren, kann doch kein Grund sein sich zu beschweren?
    Nunja, das ist jedenfalls meine Meinung dazu.

    Beste Grüße
    Bernd

    1. Hallo Bernd,
      danke für deinen Beitrag. Dass gute Technik Geld kostet, ist gar keine Frage. Schließlich steckt da ja auch Arbeitskraft dahinter. Wenn jemand aber bereits mehrere Seiten selbst hostet, und dann einmal Pageflow ausprobieren möchte, sind 8,50 Euro im Monat durchaus zusätzliche Kosten, die sich nicht jeder leisten kann oder will. Ich will das nicht bezahlen. Erstens nicht, weil ich die Pageflow-Specials nicht mag, zweitens nicht, weil ich gar kein Thema habe, das so groß wäre, dass es das wert ist. Und zehn Themen habe ich schon gar nicht. Heißt: ich würde dementsprechend jeden Monat viel Geld bezahlen für Technik, die ich nicht nutze. Nicht besonders sinnvoll.

      Wir benutzen aber beispielsweise ein kostenpflichtiges WordPress-Theme und ich benutze diverse kostenpflichtige Apps. Ich persönlich bin aber grundsätzlich eher ein Freund der Einmalgebühren als der laufenden Kosten, denn die können sich sehr schnell zu einer unüberschaubaren Summe addieren.

      1. Hallo Bettina,
        danke fürs Feedback! Ja, ich kann das gut nachvollziehen. Natürlich ist es für größere Redaktionen auch einfacher, monatliche Gebühren einzukalkulieren, als für Freelancer und oder Blogger. Sie gehen nun allerdings nicht wirklich auf meinen Hinweis zum eigentlichen Grund für die „laufenden“ Kosten ein. Wenn ich selbst eine Domain hoste und dort die Kosten für Traffic und Webspace trage, ist ja klar, dass Einmal-Gebühren z.B. für ein WP-Theme sinnvoll sind. Und ansonsten: Die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden 😉
        Viele Grüße, Bernd

        P:S: Und sorry: Ich habe erst jetzt erfahren, dass Pageflow anfangs in der Beta-Phase wesentlich teurer war. Zum Glück wurden die Preise stark reduziert. Sonst hätte uns dieses Modell wohl auch erst einmal abgeschreckt.

        1. Hallo Bernd,
          ich wüsste auch nicht, was ich dazu noch sagen soll: Ist doch klar, dass der Traffic an sich Kosten verursacht. Sonst würde man ja auch seinem Provider je nach Traffic nicht unterschiedlich viel bezahlen müssen. Wie schon gesagt: Wenn ich sowieso als Blogger Geld an meinen Provider bezahle, muss ich mir überlegen, ob ich noch einen weiteren Dienstleister bezahle. Denn eine eigene Homepage und ein Blog ist für mich zunächst einmal wichtiger als ein multimediales Special.

          Bei Pageflow kann ich für 8,50 Euro im Monat zehn Pageflows hosten. Ich will aber zu Beginn erstmal nur eines hosten. Heißt: 7,65 Euro im Monat oder 91,80 Euro im Jahr nutze ich zunächst einmal gar nicht. Dieses Preissystem finde ich unflexibel. Würde ich einen Euro für ein Pageflow im Monat zahlen, also 12 Euro im Jahr, und 15 Cent mehr als bei der Paketvariante, würde ich mir durchaus überlegen, einen Versuchsballon zu starten.

  4. Storehouse gibt’s mittlerweile nicht mehr. Eine Alternative wäre die App Steller.

    Außerdem nicht fehlen sollten hier Linius (das BR-Pendant zu Pageflow), Atavist und Klynt.

    Und dann kommen demnächst ja noch ne ganze Reihe VR-Plattformen hinzu…

    1. Ja, das passiert schonmal: Der Text ist ja von Oktober 2014. Es sind überhaupt sehr viele Plattformen eingestellt worden, die die Möglichkeit gaben, multimediale Inhalte ziemlich einfach zu ermöglichen: Miki, Glossy, Immersive … Steller (http://wirtschaft-verstehen.de/digitales-hochglanzmagazin-mit-steller/) hält sich schon beeindruckend lang. Linius und Klynt sind kostenpflichtig, Atavist bietet eine kostenlose Version an. Auf die neuen Möglichkeiten von immersive journalism in Kombination mit AR und VR bin ich auch schon gespannt.

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