Pro & kontra Journalismusstudium

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Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Ja zum Journalismusstudium
Ja zum Journalismusstudium

Die Frage ist definitiv nicht neu: Soll man Journalismus studieren – ja oder nein? Trotzdem bleibt sie immer aktuell, besonders in Zeiten, in denen immer mehr Studiengänge, die irgendwas mit Medien zu tun haben, angeboten werden. Heiko Kunzmann von Medienpraxis hat jetzt zu einer Blogparade zum Thema aufgerufen, und das ist meine Antwort:

Studium: definitiv ja!

Grundsätzlich finde ich es viel wichtiger, dass ein angehender Journalist studiert hat, als dass er gezielt Journalismus studiert. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Ganz profan: Ich kenne zwei Kollegen, die jünger als ich sind, und die nicht studiert haben. Ihnen wurde in Verlagshäusern eine Gehaltserhöhung beziehungsweise eine Beförderung abgeschlagen mit der Begründung, dass sie nicht studiert hätten.
  2. Das alte Argument gilt noch immer: Man muss ja auch etwas haben, worüber man schreiben kann. Nun habe ich ausgerechnet Geisteswissenschaften studiert, schreibe aber über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Trotzdem bereue ich mein Studium nicht. Immerhin habe ich dort gelernt, strukturiert vorzugehen und Sachverhalte zu analysieren.
  3. Ich höre sehr häufig, dass Kollegen, die Journalismus studiert haben, im Anhang trotzdem noch ein Volontariat machen müssen. Insofern sind sie im Prinzip doppelt ausgebildet. Aber so ist es eben auf dem Markt.

Vorteil eines Journalismus-Studiums

Ich habe nach meinem geisteswissenschaftlichen Studium ein Aufbaustudium Journalismus gemacht. Heute ist dieses Aufbaustudium ein Masterstudiengang. Man kann von der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge denken, was man möchte. Von Vorteil ist auf jeden Fall, dass man nun zwei ganz unterschiedliche Dinge studieren kann. Und ein Master in Journalismus hat je nach Ausbildungsstätte zumindest den Vorteil, dass man eine ganze Menge lernt, oft sogar mehr, als in ein Volontariat passt. Außerdem kann man diese Zeit nutzen, um Kontakte zu knüpfen und als Freier Erfahrung zu sammeln. Und: Durch Praktika in ganz unterschiedlichen Medien kann man in aller Ruhe herausfinden, was einem eher liegt: Text, Video, Audio?

Natürlich bringt solch ein Studium auch mit sich, dass man sich mit Dingen auseinandersetzen muss, die man möglicherweise nicht so mag. Beispiel: Ich habe 14 Jahre lang Onlinejournalismus am Journalistischen Seminar der Johannes Gutenberg Universität in Mainz unterrichtet. In diesen Jahren sind die Inhalte in Online immer mehr geworden, und sie haben sich auch verändert. In den vergangenen Jahren standen natürlich auch Themen wie SEO für Journalisten auf dem Programm oder Social Media und Journalismus. Meine Erfahrung ist allerdings, dass viele junge Kollegen kein Interesse an diesen Themen haben, vor allem dann nicht, wenn sie künftig eher Radio oder TV machen wollen. Ein Teilnehmer sagte mir nach dem letzten Seminar sogar, das sei zwar alles ganz interessant gewesen, aber mit Journalismus habe es rein gar nichts zu tun. Da schmunzle ich natürlich vor mich hin. Und hoffe, dass das Leben ihn nicht gar zu sehr enttäuschen wird.

Mein Fazit: Würde ich nochmals vor der Wahl stehen, würde ich es genau so machen, wie ich es gemacht habe – zwei Studiengänge, davon einer in Journalismus. Auch wenn ich meine Studienfachwahl nie bereut habe, ich würde trotzdem nicht mehr etwas Geisteswissenschaftliches studieren, sondern eher ein Fach mit Wirtschaftsbezug, gerne gekoppelt mit Anglizistik. Aber das ist eine andere Geschichte.

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