Das Bindestrich-Journalismus-Studium

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Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Wir bloggen hier zu zweit, natürlich haben wir ab und zu unterschiedliche Meinungen zu Themen. Deshalb müssen wir uns auch zwei Mal an der Blogparade von Heiko Kunzmann beteiligen. Wobei unsere Meinung gar nicht so unterschiedlich ist, dafür die Herleitung. Zu Bettinas Beitrag geht es hier.

Auch ich höre häufig die Frage – zum Beispiel in unseren Leserfragen –, ob man Journalismus studieren soll, um Journalist zu werden.

Soll oder muss man Journalismus studieren?

Nö. Sobald man etwas „muss“ oder „soll“ wird es sowieso kacke. Die bessere Frage ist: „Willst Du Journalismus studieren?“ bzw. „Will ich Journalismus studieren?“. Dann ist ein Blick in die Studieninhalte wichtig. Wenn ich mich mit denen identifizieren kann und mir sicher bin, dass das die Sachen sind, die ich gerne machen will, dann ran an die Immatrikulationsformulare. Jedoch haben die klassischen Journalismus-Studiengänge in der Regel einen derart strengen Numerus Clausus, dass sich die Möglichkeit gar nicht bietet. Es gibt jedoch ein paar Alternativen.

Bindestrich-Journalismus-Studiengänge

Der Bindestrich ist hier mal ein Platzhalter. Er kann für Technik, Mode, Kultur, Sport, Wirtschaft und ein paar andere Begriffe stehen. Das Grundprinzip so eines Studiengangs ist die journalistische Ausbildung auf der einen Seite und die Aneignung von Wissen in dem jeweiligen Bindestrich-Gebiet.

Nun bin ich befangen. Ich habe selber Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert – und bin bis heute von dem Prinzip überzeugt, weil ich mit dieser Ausbildung immer vorangekommen bin und das Wissen aus den technischen Fächern mir viele berufliche Türen geöffnet hat. Das Studium (zu meiner Zeit noch als Diplomstudiengang) besteht ungefähr zur Hälfte aus Medien- und Journalismus-Fächern. Wir haben gelernt, wie man Nachrichten schreibt, recherchiert, Radiobeiträge macht und Vieles, Vieles mehr. Zusätzlich haben wir gelernt, wie diverse Maschinen funktionieren, wie sich die Festigkeit von Schrauben berechnen lässt, wie ein Laser arbeitet, wie Algorithmen arbeiten und noch vieles mehr. Einen Großteil davon habe ich auch wieder vergessen, aber da ich fast ausschließlich zu technischen Themen arbeite, kommen mir ständig Begriffe unter, die ich aus dem Studium noch kenne – und ich muss nicht jedes Mal nachfragen, was das denn bedeute. So wie ich es bei einigen Kollegen erlebe, die eben nicht vom Fach sind.

Ich weiß, es kann oder will nicht jeder Technikjournalismus studieren. Aber jeder kann (und hier benutze ich doch das Wort) sollte sich Wissen aneignen, von dem man für die journalistische Arbeit zehren kann. Und wenn es nur die Recherchezeit verkürzt, weil man sich die Grundlagen eines Themas eben nicht mehr anlesen muss.

Mein Fazit: Journalismus studieren – ja gerne. Aber unbedingt noch Wissen in einem Thema aneignen oder es weiternutzen, zum Beispiel aus einer vorherigen Ausbildung oder einem anderen Studiengang.

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