Leserfrage: Mit 23 zu alt für den Journalismus?

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Manchmal frage ich mich ja, woher eigentlich dieser Altersfetischismus kommt. Mehrere Leser Anfang 20 haben in den letzten Monaten gefragt, ob sie zu alt wären, um noch in den Journalismus zu wechseln. Ich denke mir, Alter ist nur eine Zahl… Hier die Leserfrage von Max:

Kurz zu meiner Person, ich habe im letzten Jahr mein Bachelorstudium der Biologie […] abgeschlossen und danach für mehrere Monate […] in der wissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit an einem Projekt im Bereich der Umweltpolitik gearbeitet. Ab diesem Semester studiere ich Politikwissenschaften und Philosophie […].

Nun zu meinem Anliegen, gerne würde ich die beiden Studienrichtungen als Umwelt/ Wissenschaftsjournalist verbinden. Bis auf ein Praktikum, das ich gerade bei einem freien Radiosender absolviere, habe ich aber leider keine praktischen Erfahrungen auf dem Feld und fühle mich mit 23 ein wenig zu alt um diesen Karriereweg einzuschlagen. Zudem habe ich das Gefühl, ein Zweitstudium könnte zukünftige Arbeitgeber abschrecken. Meine Fragen wären, ob ich tatsächlich zu alt für einen Einstieg in den Journalismus bin und wenn nicht, wie ich diesen am besten gestalten sollte? Wäre es zudem sinnvoll, einen Master in Biologie anzuschließen, oder könnte ich mit einem späteren Master in Umweltpolitik besser Fuß fassen?

Meine Antwort:

Ich würde mir an Deiner Stelle um das „Alter“ keine großen Sorgen machen. Alter ist in der Tat nur eine Zahl. Erstmal ist 23 vergleichsweise jung. Natürlich kann man zielgerichteter vorgehen, wenn man schon mit 18 weiß, dass man Journalist werden will, aber wie viele Leute sind denn früher (vor Bologna) nach gefühlt 27 Semestern Magisterstudium Germanistik in das Berufsleben eingestiegen? Jede Menge.

Ein zweites Studium macht doch die eigene Person interessanter. In einer Bewerbung oder einem Vorstellungsgespräch muss man aber begründen können, warum man diesen Weg eingeschlagen hat. Zum Beispiel um nach einem naturwissenschaftlichen Fachstudium eher etwas „Denkorientiertes“ zu machen, das eine Grundlage für Journalismus bieten kann. Garniert mit weiteren Praktika, Mitarbeit an Hochschulmedien, freier Mitarbeit bei Medien ist das dann alles schlüssig – und selbst wenn nicht: Brüche im Lebenslauf verlieren zunehmend ihr negatives Image und gerade in den Medien sind die Menschen nicht für ihre gradlinigen Lebensläufe bekannt.

Ich hoffe, das hat soweit geholfen. Ansonsten empfehle ich nochmal diesen Beitrag: https://www.fitfuerjournalismus.de/leserfrage-taugt-journalismus-zum-hauptberuf/

Wie denkt über das Thema Alter und Berufseinstieg?

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