Leserfrage: Wie werde ich als freier Journalist erfolgreich?

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Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Wieder erreichte uns eine Leserfrage. Diesmal von einer 16-jährigen Schülerin, die gerne Journalistin werden will und dabei selbstständig arbeiten möchte. Doch lest selbst.

Guten Tag Herr Stoppacher,
mein Name ist Lisa S. (Name bekannt), ich bin 16 Jahre alt und werde nächstes Jahr die FOS besuchen, um mein Abitur nach zu holen. Danach plane ich ein Studium im Bereich „English Studies“ um eine darauffolgende Ausbildung als Journalistin zu machen. Da es mir jedoch sehr schwer fällt dauerhaft, unter der Gebundenheit eines Unternehmens zu arbeiten möchte ich mich selbstständig machen. Ich wende mich damit an Sie, da ich ihren Beitrag auf Ihrem Blog gelesen habe. Er war, im Gegensatz zu allem Anderen was ich zu diesem Thema gelesen habe, endlich einmal informierend und aufschlussreich. Ich befinde mich schon seit Längerem auf der Suche nach Informationen und Abläufen, dieses Berufes und bin dennoch nicht wirklich fündig geworden. Mich beschäftigt hauptsächlich die Tatsache, dass die meisten Seiten schreiben, dass dieser Beruf ein nicht all zu hohes Gehalt mit sich bringt und dass man vor allem als freiberuflicher Journalist ein schweres Leben hat. Da ich diesen Beruf aber dennoch sehr interessant finde und gerne erlernen möchte, wollte ich Sie fragen, wie Sie es geschafft haben als erfolgreicher, freiberuflicher Journalist zu arbeiten. Besonders würde mich interessieren, was sie von meinem Studienwunsch und der darauffolgenden Ausbildung halten, bzw. ob Sie der Meinung sind, dass das in dieser Kombination möglich ist.
Ich bedanke mich schon im Vorraus für Ihr Interesse.
Mit freundlichen Grüßen
Lisa S.

Ich musste einige Zeit überlegen und auch für mich erstmal ein paar Sachen definieren, bevor ich ihr geantwortet habe:

Als freier Journalist erfolgreich sein – das ist möglich

Liebe Lisa,

wie versprochen noch die Antwort zur Ihrer Mail.

Zunächst einmal haben „die Anderen“ leider recht: Das Gehalt beziehungsweise das Einkommen ist vergleichsweise nicht besonders hoch. Mit der gleichen Qualifikation (in der Regel ein Hochschulstudium, oft dazu ein Volontariat und viele Jahre Berufserfahrung) lässt sich in anderen Branchen mehr verdienen. Selbst im Journalismus gibt es große Unterschiede. Ein freier Mitarbeiter einer lokalen Tageszeitung verdient vermutlich die Hälfte dessen, was ein freier Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verdient. Das bindende Element: Langfristige Sicherheit gibt es für keinen von den beiden mehr. Insofern können Sie mit der Wahl der Medien, für die Sie arbeiten wollen, das Einkommen schon mal ein Stück weit beeinflussen.

Konkret: Finger weg von Tageszeitungen als Karriereperspektive – sie bieten einfach keine. Es mag Ausnahmen geben und gerade am Anfang einer journalistischen Laufbahn kann man bei ihnen wunderbar lernen, wie Journalismus „gemacht“ wird. Wenn man vom Journalismus leben möchte, muss man sich andere Auftraggeber suchen.

Wie kann man als freier Journalist erfolgreich werden?

Da stellt sich zunächst die Frage, wie Erfolg definiert wird. Ich denke, Erfolg bedeutet für jeden etwas anderes. Wenn Erfolg für mich bedeuten würde einen Porsche zu fahren, würde ich mich nicht als erfolgreich bezeichnen. Früher dachte ich, erfolgreiche Journalisten schreiben für die namhaften Topmedien wie den Spiegel oder die Süddeutsche Zeitung. Heute weiß ich, dass die Bedingungen dort auch nicht immer die besten sind.

Für mich bedeutet Erfolg, dass ich Spaß an dem habe, was ich tue. Oder im Umkehrschluss, dass das, was ich beruflich mache und mir den Lebensunterhalt sichert, mir sogar noch Spaß macht. Ich muss mir im Augenblick keine Sorgen um Aufträge machen, was am Anfang meiner Selbstständigkeit noch anders war. Ich kann mir meine materiellen Wünsche erfüllen, ohne dass ich mich dafür an anderer Stelle finanziell einschränken muss. Der nächste Erste, wenn die Miete und viele andere Sachen abgebucht werden, bereitet mir kein Kopfzerbrechen.

Wie ist es dazu gekommen, dass ich als freier Journalist erfolgreich bin?

Da spielen wohl die klassischen Tugenden eine Rolle: Fleiß, Disziplin und Ehrgeiz. Vielleicht sind nicht alle drei gleich wichtig, ein Mindestmaß aber schon.

Fleiß: als freier Journalist wird man in der Regel für sein Produkt bezahlt. Je mehr Produkte wie Texte oder Beiträge ich produziere, desto mehr verdiene ich. Das heißt aber nicht, dass ich bis zum Umfallen arbeite. Habe ich mal, keine schöne Erfahrung. Dennoch kann ich natürlich recht viel arbeiten, wenn ich will. Ich habe (noch) keine Familie, meine Freunde sind beruflich oft in einer ähnlichen Situation, sodass ich Verständnis erwarten kann, wenn es mal wegen viel Arbeit mit der Verabredung nicht klappt.

Disziplin: Für mich ist Disziplin die Grundvoraussetzung, um erfolgreich selbstständig zu arbeiten. Morgens mal sagen „heute kein Schreibtisch“ mache ich nicht, auch wenn das viele von Freiberuflern denken. Natürlich steht es jedem frei, es dennoch zu machen. Ich bin nur in der komfortablen Situation, dass so viel gemacht werden muss, dass ich meine Abgabetermine sonst nicht einhalten könnte.

Zur Disziplin gehören noch weitere Dinge: Es gibt viel mehr oder weniger Unangenehmes, worum ich mich als Freiberufler trotzdem kümmern muss. Buchhaltung, Versicherungen und vor allem Akquise inklusive Selbstmarketing.

Ehrgeiz: Es reicht nicht, immer brav alles zu machen, was von einem verlangt wird. Nicht immer nur abarbeiten, sondern selber agieren. Zum Beispiel mit einem Herzensprojekt, das man ganz intrinsisch motiviert angeht. Fit für Journalismus ist auch so entstanden. In meinem Freiberufler-Alltag heißt das für mich: „Immer noch eine Schippe drauf legen.“ Nicht quantitativ, nicht einfach nur mehr machen, sondern etwas besser, origineller machen oder anbieten, Problemlöser sein.

Und was noch?

Ich arbeite in einer Nische. Als Journalist mit Schwerpunkt Technik scheine ich immer noch ein Exot zu sein und das in einer Welt, in der jeder abhängig von seinem Smartphone zu sein scheint. Regelmäßig bekomme ich Anfragen von Unternehmen, ob ich nicht für sie schreiben kann, weil sie niemanden finden, der über Technik verständlich schreiben kann. Aus BWL-Sicht bediene ich einen Markt mit einem gefragten Produkt, daraus folgert ein höherer Preis.

Technik ist nicht die einzige Nische, die ein gutes Einkommen bietet (und nicht jeder Technikjournalist nutzt diese Nischenposition gleichermaßen). Wichtig ist natürlich auch, dass die Spezialisierung Spaß macht. Mir macht es halt viel Spaß, über technische Zusammenhänge zu schreiben.

PR gehört dazu

Dabei ist es mir auch fast egal, wer mich für meine Texte bezahlt. Es ist einfach so, dass viele Unternehmen höhere Honorare zahlen als klassische Medien. Insofern brauche ich PR-Kunden, um das Einkommen zu erzielen, dass mir ein komfortables Leben ermöglicht. Nein, ich schreibe nicht für jeden. Wenn mir zum Beispiel ein Unternehmen wegen seiner Produkte oder seiner Firmenpolitik nicht sympathisch wäre, würde ich den Auftrag ablehnen.

Ihre Studienwahl um als freie Journalistin erfolgreich zu sein

Wenn Sie das Fach English Studies interessiert, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, es zu studieren. Wichtig ist aber, dass Sie frühzeitig die Weichen Richtung Journalismus stellen. Machen Sie von Anfang an relevante Praktika. Dann merken Sie schnell, für welche Themen und Medien Ihr journalistisches Herz schlägt. Probieren Sie sich aus, dazu ist die Studienzeit da. Vielleicht bewerben Sie sich um ein entsprechendes Stipendium zum Beispiel bei der Konrad Adenauer Stiftung. Bauen Sie sich früh ein Netzwerk aus Journalisten auf und auch wenn Sie es sich vielleicht nicht vorstellen können, versuchen Sie trotzdem zunächst mal festangestellt zu arbeiten. Danach schätzen Sie Ihre Freiheit als Selbstständige nämlich noch mehr ;-)

Noch eine Anmerkung: Lisa war die erste von allen unseren Leser*innenpostschreibern, die sich für eine Antwort bedankt hat!

In eigener Sache

Wir bei Fit für Journalismus freuen uns immer über Eure Fragen. Manchmal ist es aber gar nicht so einfach, sie zu beantworten. Vor allem, wenn wir erst einmal in unserem Netzwerk nach einem Kollegen suchen müssen, der vielleicht eine bessere Antwort kennt. Wir machen Fit für Journalismus nicht, um damit reich zu werden. Aber wir haben natürlich schon Kosten: für den Server, für ein neues Bezahl-Layout, manchmal für Bilder aus Datenbanken. Hinzu kommt natürlich unsere Zeit: Sie knapsen wir uns entweder von der Freizeit ab. Oder wir recherchieren und schreiben eine Antwort während der Arbeitszeit – können dabei aber natürlich nicht für unsere zahlenden Kunden arbeiten. Falls Euch unsere Antworten weiterhelfen, freuen wir uns darüber, wenn Ihr unsere Arbeit unterstützt. Spendet über Paypal einfach den Betrag, den Euch unsere Antwort wert ist. Dann haben wir beide etwas davon.

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7 Kommentare zu “Leserfrage: Wie werde ich als freier Journalist erfolgreich?

  1. Ein wirklich schöner Beitrag, dem ich in allen Punkten voll und ganz zustimmen kann. Besonders schön finde ich die Definition von Erfolg. Ich denke nämlich auch, dass wer Spaß an seiner Arbeit hat, irgendwann automatisch erfolgreich wird.

    Zum Thema Verdienstmöglichkeiten würde ich gerne noch anmerken, dass die journalistische Moderation (vor allem wenn man gerne präsentiert und/oder vor Leuten spricht) beispielsweise auch eine erfolgsversprechende Einkommensquelle sein kann. Evtl. kann man ja zusätzlich zu seiner journalistischen Tätigkeit in seiner Nische Moderationen (auf branchenrelevanten Events und Kongressen) anbieten. Dann kann man zu den regulären Einnahmen noch gutes Geld dazuverdienen.

    Viele Grüße

    Jan Doering vom MODERATORENWERK

  2. Hallo,

    ich hab mal eine Frage zu den möglichen Ausbildungen zum Journalisten. Es scheint ja nicht wirklich wichtig zu sein Journalismus studiert zu haben. Theoretisch kann man ja über verschiedenste Wege in diesen Beruf reinrutschen. Also wie viel mehr bringt einem so ein Studium denn dann. Immerhin sind das ja wieder mindestens drei Jahre in denen man auch praktische Erfahrungen machen könnte. Oder hilft sowas eher um an die guten Stellen in großen Zeitungen zu kommen?
    Und gibt es sehr große Unterschiede zwisechen den Schulen? Ich hatte mich mal bei der Medienakademie WAM erkundigt und wollte da vielleicht das Studium machen. Ist die gut?
    LG
    Maria

    1. Hallo Maria,

      pauschal können wir nicht beantworten, ob die WAM gut oder schlecht ist. Das Journalismus-Studium dort ist sehr stark an Radio und TV ausgerichtet. Wenn Du Dich selbst eher im schreibenden Journalismus siehst, kommt ein anderer Studiengang Deinen Interessen vielleicht näher. Außerdme kostet das Studium an der WAM 575 Euro im Monat.
      Und in der Tat: Journalismus als Fach studiert zu haben ist keine Voraussetzung. Es gibt sehr viele (vermutlich sogar die meisten) Journalisten, die andere Fächer – überwiegend Geisteswissenschaften – studiert haben und erfolgreiche Journalisten geworden sind. Allerdings wird ein Studium von vielen Arbeitgebern gern gesehen und ist für viele Volontariate auch Voraussetzung.
      Wir wünschen Dir viel Erfolg bei Deiner Studienwahl.

    2. Liebe Maria,

      das Studium im Bereich „Journalismus“ ist nicht wirklich hilfreich.
      Besser ein Fachstudium. Oder:
      Ein Volontariat bei einem renommierten Verlag bzw. Fernsehsender. (Meist dafür Abi nötig + ein Studium). Achtung: Nicht jedes Volontariat ist auch eines, der Volontär hat nämlich das Recht auf eine gute Ausbildung und ist nicht nur billige Arbeitskraft.
      Der „Volo“ hilft später als Reputation (vorausgesetzt guter Name) – und man weiß danach wie das intern läuftund kann auch im Bereich PR viel gezielter handeln (was sich andere erst erarbeiten) und mit viel
      mehr Fingerspitzengefühl.
      Falls du gut schreiben kannst, bewirbt dich bei großen Akademien von RTL; Springer, Nannenschule ….
      Soweit mein Tipp,
      ehemals fest in vielen Verlagen, heute frei.

      Und: Überleg dir als Frau auch gut, wie viel Einfluss du möchtest. Verlage sind immer noch sehr männerdominiert. Und spätestens mit Kindern wird die Verdienstmöglichkeit noch schlechter.
      Mit Grüßen

      1. Hallo Janet,

        danke für Deinen Kommentar. Ich würde ein Journalismus-Studium nicht per se abwerten, aber ich stimme Dir insofern zu, dass „nur“ dieses Studium ohne jegliche thematische Ausrichtung/Ergänzung mir nicht unbedingt zielführend erscheint. Jedenfalls nicht, wenn man wie Maria selbstständig sein möchte und keine Expertise in einem gewissen Bereich hat.

  3. Hallo,
    ich komme aus dem TV-Journalismus (Musikfernsehen) und habe dann auf PR umgesattelt. Neben meinem PR-Fernstudium beginne ich mit meiner Selbständigkeit als Texterin und möchte eine Webseite mit Blog starten, die dann sozusagen meine „Online-Bewerbungsmappe“ werden soll. meine letzten Texte sind einige Jahre her, da ich 3 Jahre in Elternzeit war.Jetzt endlich zu meiner Frage:
    Ich kenne bisher nur die Situation, im Redaktionsteam Themen zu entwickeln oder in Auftrag zu bearbeiten. Als Freiberufler muss ich mir noch meine Sporen mit aktuellen Beiträgen sozusagen verdienen. Wie komme ich an spannende Themen und interessante Protagonisten? Reicht es aus, in Web2.0-Gruppen und Foren im eigenen Themengebiet unterwegs zu sein? Oder habe ich ein „Brett vor dem Kopf“ und es gibt noch viele andere Möglichkeiten?
    Vielen herzlichen dank vorab!
    Vielen Dank vorab!

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