So bekommst Du Deine ersten Arbeitsproben

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Eine Bewerbung im Journalismus kommt nicht ohne Arbeitsproben aus. Selbst für viele Praktika werden bereits Arbeitsproben verlangt und wer sich in einer Redaktion als Freier vorstellt, braucht ebenfalls etwas zum Vorzeigen. Am Besten eignen sich dazu Artikel und Beiträge, die bereits veröffentlicht worden sind. Denn dann scheint der Bewerber schon mal irgendwo gezeigt zu haben, was er drauf hat und genießt eventuell einen kleinen Vertrauensvorschuss.

Gerade Berufseinsteigern fehlen häufig Arbeitsproben, eben weil sie noch Einsteiger sind. Doch wo kriegt man nun veröffentlichte Arbeitsproben her?

Reporter für die Lokalzeitung

Der klassische Weg, den wohl die überwiegende Mehrheit der Journalisten gegangen ist, ist die freie Mitarbeit bei einer Lokalzeitung. Hier am Wochenende Termine wahrzunehmen und anschließend über die Jahreshauptversammlung des Karnickelzüchtervereins zu schreiben gehört quasi zur Grundlage jeder journalistischen Vita – Ausnahmen bestätigen die Regel. Sophie Sonnenberger ist sogar der Meinung, dass jede journalistische Karriere bei einer Tageszeitung beginnen sollte.

Ich habe noch als Schüler in der 12. Klasse beim Kölner Stadt-Anzeiger in der Lokalredaktion Euskirchen angefangen und mit dem Schreiben bis ins Studium hinein einen netten Studentenjob gehabt, der Geld ins Portmonee gebracht und mir gleichzeitig die praktischen Grundlagen für den Beruf verschafft hat, die ich im Studium nur theoretisch gelernt habe.

So habe ich zum Beispiel gelernt auf fremde Menschen zuzugehen und dass es für einen Artikel nicht hilfreich ist, sich bei einer Veranstaltung nur in die letzte Reihe zu setzen, ein paar Stichwörter zu notieren und dann wieder zu fahren. Artikel ohne brauchbare Zitate wurden einem ansonsten nämlich schnell um die Ohren gehauen.

Viele andere Grundlagen habe ich dort allerdings nicht gelernt. So hat mir zum Beispiel kein Redakteur gesagt, dass man Kinder nicht ohne Einwilligung der Eltern fotografieren darf.

Für das Honorar, das es damals gab (und meines Wissens in den 15 Jahren bis heute nicht gestiegen ist), würde ich heute nicht mehr arbeiten. Doch neben dem Honorar gab es noch etwas ganz anderes: einen riesigen Stapel veröffentlichter Arbeitsproben.

Bei der Schülerzeitung mitmachen

Anders als die Lokalzeitung sind Schülerzeitungen häufig nur an der eigenen Schule bekannt. Trotzdem kann eine Mitarbeit bei der Schülerzeitung Arbeitsproben liefern und es gibt idealerweise einen Einblick in den gesamten Ablauf des „Blattmachens“. In den Lebensläufen vieler bekannter Journalisten wie zum Beispiel Dieter Kronzucker ist die Schülerzeitung als Station zu finden.

Im Studium spiegelt sich das dann in Hochschulzeitungen und -radios wieder.

Webmagazine sorgen für Arbeitsproben

Es gibt in vielen Journalismusforen und Auftragsbörsen immer wieder Anzeigen, wo Mitstreiter für ein ambitioniertes Online-Projekt gesucht werden, bei dem jedoch bis auf Weiteres keine Honorare gezahlt werden können. Für Freie vielleicht zur Zweitverwertung interessant, für Berufseinsteiger eine gute Gelegenheit, den eigenen Namen ein bisschen bekannter zu machen.

Das eigene Blog

Auch ein eigenes Blog liefert Arbeitsproben. Ein privates Hobbyblog zählt vielleicht weniger, als wenn man bereits seit Jahren ein relevantes Szene- oder Lokalblog betreibt. Das Gleiche gilt für YouTube-Kanäle usw. Übrigens: Wer kein eigenes Blog aufbauen will, kann zum Beispiel bei medium.com veröffentlichen.

Sei ein Eichhörnchen

Bild: Susanne Richter / pixelio.de
Bild: Susanne Richter / pixelio.de

Jede Veröffentlichung sollte gesammelt und archiviert werden. Ok, der Zehnzeiler zur Ankündigung einer Veranstaltung unter dem nur ein kryptisches Kürzel steht vielleicht nicht. Der Veranstaltungsbericht mit zwei oder drei tollen Fotos dagegen schon. Bei einer Bewerbung sollte man nun nicht die ganze Sammlung mitschicken, sondern auswählen, was für die Redaktion sinnvoll sein könnte und vor allem die Artikel zeigen, auf die man besonders stolz ist.

In Anzeigen wird oft präzisiert, zum Beispiel „Drei Arbeitsproben der letzten sechs Monate“ – dann sollte man sich auch daran halten. Grundsätzlich würde ich nichts mitschicken, das älter als ein Jahr ist, es sei denn es war eine besonders gute Geschichte.

Hier gibt es noch ein paar Hinweise zu Arbeitsproben und dem Urheberrecht.

Habt Ihr noch weitere Tipps für Arbeitsproben?

Du hast einen Fehler im Text gefunden? Dann sag uns doch bitte Bescheid. Einfach das Wort mit dem Fehler markieren und Strg+Enter drücken. Schon bekommen wir einen Hinweis.

3 Kommentare zu “So bekommst Du Deine ersten Arbeitsproben

  1. Interessanter und spannender Beitrag. Bei einem Punkt (Webmagazine) kann ich, mit meiner Seite kiwicube, quasi direkt helfen, da ich/wir genau so etwas anbieten und uns immer über kreative Leute freuen. Falls also noch jemand auf der Suche ist…
    Schönen Tag wünscht euch
    Marcus

  2. Kinder darf man übrigens fotografieren, sofern mindestens 5 Menschen darauf zu sehen sind und sie auf einer öffentlichen Veranstaltung fotografiert werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.