Magazingründung: Ich bin von meiner Idee überzeugt!

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Felicia Mutterer hat mit Straight ihr eigenes Magazin gegründet.

Seit Sommer gibt es mit Straight ein neues Magazin in Deutschland. „Für Frauen, die Frauen lieben“ ist der Slogan. Gegründet wurde es ebenfalls von einer Frau, die Frauen liebt. Die Herausgeberin und Chefredakteurin Felicia Mutterer hat nach dem Abitur in der Sportredaktion der Badischen Zeitung hospitiert. Anschließend ist sie zum SWR gegangen, hat dort nach dem Studium volontiert und danach in erster Linie Sportberichterstattung gemacht. Später ging es für sie nach Berlin und zum rbb. Wir sprachen mit ihr über die Gründung ihres eigenen Magazins.

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Worum geht es genau bei Straight?
In Straight geht es um die Vielfalt lesbischen Lebens. Neben den Geschichten aus dem Alltag frauenliebender Frauen und Paare, liegt ein Schwerpunkt auf Sexualität. Darüber hinaus gibt es Einblicke in die Community, Fashion und Beautystrecken, nebst Mode- und Reisetipps. Es ist schlicht ein Frauen-Magazin für Frauen, die Frauen lieben.

Hast Du für Dein eigenes Magazin gezielt nach einer Marktlücke für eine Selbstständigkeit gesucht und es dann entwickelt oder hattest Du Deine Idee und dann festgestellt, das gibt es so noch nicht, das mache ich jetzt selbst?
Ich fand die Themen, die ich jetzt in Straight umsetze, immer sehr unterrepräsentiert in den Medien. Das habe ich über Jahre beobachtet und auch die Idee des Magazins war bei mir immer präsent. Wenn ich mich zu diesen Themen informieren wollte, habe ich nichts gefunden. Auch die Ansprache in den Szenemedien hat mir nicht gereicht. Und in den Publikumsmedien werden lesbische Frauen als sehr einheitliche Gruppe dargestellt. Das sind sie natürlich genauso wenig, wie alle weißen heterosexuellen Männer in gut bezahlten Jobs automatisch CDU wählen.  Deshalb möchte ich die Vielfalt lesbischen Lebens abbilden.
Ich habe mir gedacht, wenn gut gemachte hochwertige Serien funktionieren, die Lesbischsein thematisieren wie zum Beispiel L-Word, warum nicht auch ein journalistisches Produkt.

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Straight will die Vielfalt lesbischen Lebens abbilden.

Wie hast Du Deine Idee dann umgesetzt?
Es gab mehrere Anläufe über die letzten Jahre hinweg. Ich habe die Idee von Straight immer wieder mal mit Leuten durchgesprochen. Dann traf ich damit auf eine alte Schulfreundin von mir, Nadine Lambertz, und ihren Partner Andreas Pietsch. Die beiden sind kreative Allroundgenies und bekannt als Barrikadestudio. Ihnen hat die Idee gefallen und wir haben losgelegt. Wir haben uns dann für eine gedruckte Zeitschrift mit hochwertigem Papier und toller Optik entschieden, weil Special Interest unserer Meinung nach in Deutschland immer noch ein guter Markt für Zeitschriften ist.
Nach und nach sind weitere Leute zum Team dazu gekommen. Mir war es wichtig, dass wir ein möglichst vielseitiges Team haben, um alles selbst stemmen zu können und nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Wir haben unser eigenes Marketing, können unsere Social Media-Auftritte selber machen.

Wie lange war die Vorbereitungszeit für das erste Heft?
Unser Grafik Designer Andreas Pietsch hatte schon viel Erfahrung im Magazindesign, das zumindest war ein Selbstläufer. Anfang Mai begann die richtige Arbeit an der Heftproduktion und auch am Business selbst mit Gründungsorganisation, Businessplan usw. Im Kopf arbeite ich aber schon seit Jahren daran… Da ich viele der Themen schon ewig begleite und Kontakte zu passenden Autoren hatte, ging die Umsetzung dann letztlich recht schnell.

Wie finanzierst Du die Gründung?
Straight ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich bin von der Idee überzeugt und möchte nicht einfach nur ein weiteres Magazin, sondern DAS Magazin machen, das die Gesellschaft weiterbringt. Deshalb habe ich selbst Geld in das Projekt investiert.

Crowdfunding ist zurzeit sehr beliebt bei ähnlichen Projekten. War das keine Alternative, um vielleicht ein kleineres finanzielles Risiko einzugehen?
Wir haben das überlegt, aber gerade am Anfang des Projekts gibt es so viele Details, die einen in Anspruch nehmen. Crowdfunding kann man nicht nebenbei laufen lassen, das benötigt ebenfalls jede Menge Arbeit und wir haben uns jetzt zunächst auf das Projekt selbst konzentriert.

Macht man so ein Magazin nebenbei und arbeitet fürs Geld noch woanders oder ist das ein Vollzeitjob?
Erst habe ich es nebenbei gemacht,  nun widme ich mich ganz Straight. Wir bekommen glücklicherweise so viele Anfragen, dass mich das Magazin komplett in Anspruch nimmt.

Kann einen denn ein neues Magazin ernähren?
Wenn man gründet, muss man bereit sein, selbst finanziell mal zurückzustecken. Im Augenblick ernährt Straight noch niemanden, aber dafür sind wir mit umso mehr Leidenschaft dabei. Die Anzeigen der zweiten Ausgabe decken in jedem Fall schon die Kosten. Unser Team ist sehr gut aufgestellt, mit viel Professionalität dabei und ich bin sicher, wir schaffen ein erfolgreiches Magazin.

straight-definitionStraight als Titel ist nun eigentlich das Gegenteil eines passenden Titels, weil das Wort in der Regel für Heterosexualität steht…
Natürlich soll der Titel ein bisschen provozieren. Aber ich denke, die Welt verträgt das. Es geht mir schließlich nicht nur um ein Magazin von Lesben für andere Lesben. Ich möchte das Thema Homosexualität auch dahin tragen, wo Inakzeptanz bis hin zu Homophobie herrscht. Außerdem steht das Wort Straight auch für Offenheit und Ehrlichkeit, so wie das Magazin ist.

Die zweite Ausgabe von Straight erscheint bundesweit am 28.10.15. Hier können Verkaufsstellen gesucht und das Heft online bestellt werden.

Zum Start des ersten Heftes von Straight Ende Juli gingen diese zwei Videos online, die Bundeskanzlerin Angela Merkel von einer bisher „unbekannten“ Seite zeigte. Sie gingen weltweit viral und in vielen Medien wurde darüber berichtet.

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