Audio im Journalismus: Beliebter als je zuvor

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Video killed the radio star… Da war was, zumindest die in den 1980er Jahren und davor Geborenen werden sich daran erinnern. Aber Radio ist nicht totzukriegen oder sagen wir vielmehr Audio. Denn im Augenblick erlebt Audio einen Boom sondergleichen. Während in den letzten Jahren alle großen Sozialen Netzwerke und viele Medien auf Video gesetzt haben, gibt es einen regelrechten Audio-Hype im Journalismus, der sich in vielerlei Gestalt manifestiert.

Alle ARD-Hörfunksendungen in einer App

Die ARD hat die Zeichen der Zeit erkannt. Nun gibt es noch immer kein YouTube für Audio, aber die ARD hat es Ende 2017 geschafft, eine neue App zu veröffentlichen, die einen Großteil der Hörfunksendungen der ARD-Sender zum bequemen Wann-auch-immer-Anhören anbietet. Die ARD Audiothek gibt es für iPhones und Android-Geräte.

Podcasts für jedermann

Podcasts sind nichts Neues. Ich habe im Studium (das war 2006!) schon mal etwas zu Podcasts gemacht, aber anscheinend haben sie jahrelang ein Nischendasein gefristet. Und auch im Jahr 2018 sind Podcasts noch nicht Mainstream, aber vielleicht auf einem guten Weg: In der ARD/ZDF-Onlinestudie 2017 gaben immerhin 13,1% der Befragten an, dass sie zumindest selten Podcasts hören. Hört sich wenig an, aber umgerechnet auf die Bevölkerung sind das immerhin mehr als 9 Millionen Menschen in Deutschland. Die Zahlen und ein paar weitere gute Gründe fürs Podcasten hat Benjamin O’Daniel zusammengestellt. Und hier gibt es noch eine weitere Studie.

Hinzu kommt, dass Podcasts mittlerweile kinderleicht zu produzieren sind, zumindest von der technischen Seite her. Hirnschmalz für ein gutes Konzept muss man trotzdem aufwenden. So zeigt zum Beispiel die Rheinische Post gleich mit mehreren Podcasts, dass sie nicht nur Print kann.

Eine App, mit der man in Windeseile einen Podcast produzieren kann, ist beispielsweise Anchor (erhältlich sowohl für iPhone als auch für Android-Geräte).

Schon mit dem im Smartphone integrierten Mikro kann man einen Podcast machen, dessen Qualität für den „Hausgebrauch“ vollkommen ausreichend ist. Zum Beweis habe ich mal die ersten beiden Absätze dieses Beitrags eingesprochen. Außer der Zeit zum Vorlesen hat es habe ich maximal noch eine Minute Zeit in das Speichern und Veröffentlichen investiert. Hört selbst (ich bin kein professioneller Sprecher, es geht hier nur um die Demonstration des Aufwands). Eine sehr ausführliche Anleitung zu den Funktionen von Anchor gibt es (auf Englisch) bei TechCrunch. Mit Anchor ist es auch möglich, Beiträge zu bauen oder andere in den Podcast einzuladen.

Ansonsten bieten sich auch jede Menge andere Apps und Programme an. Und mit externen Mikrofonen lässt sich die Qualität der Aufnahmen auch noch ein bisschen hochschrauben.

Wie konnte das passieren?

Woher auf einmal dieser Hype, wo doch die letzten Jahre vor allem Videos gefragt waren? Bei mir selber habe ich daran gemerkt, dass ich wieder Podcasts höre, seit ich wieder ein Auto habe. Denn Hörbücher habe ich nie gemocht, aber beim Pendeln in Bus und Bahn immer mit dem Kindle gelesen. Das ist beim Autofahren nicht ganz so sinnvoll, also höre ich Podcasts.

Weiterhin könnte eine Ursache sein, dass in immer mehr Haushalten nun so kleine schwarze Dose steht, die auf Zuruf Geschichten erzählt, die Nachrichten vorliest. Bettina sieht dabei jedoch noch Verbesserungsbedarf.

Weitere Gründe gibt es in diesem spannenden Interview mit Norbert Bolz bei Meedia.

Und es gibt noch einen guten Grund bzw. eine gute Gelegenheit für Podcasts:

https://twitter.com/danielakinkel/status/967365911949824000

Fazit

Podcasts können neue Zielgruppen erschließen und erhöhen auch die eigene Sichtbarkeit. Gemessen am geringen Aufwand für die Produktion lohnt sich das Ausprobieren. Und wenn man seine eigene Stimme nicht mag: das ist ganz normal. Aufgenommen hört sich die Stimme immer anders an, als wenn man sich selbst beim Sprechen hört.

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Ein Kommentar zu “Audio im Journalismus: Beliebter als je zuvor

  1. Vielen Dank! Wieder einmal ein wirklich interessanter Beitrag! Ich selber bin in der Redaktion des DFJV Podcast tätig und muss sagen, es stimmt. Es war nie so einfach einen Podcast zu produzieren wie heute.

    Und das Radio? Dank Smartphone und Co. ist Audio wirklich mobil geworden. Mein Vater war Grieche. War das ein Affentheater Radio aus seiner Heimat zu hören. Es gab bis in die 90er Jahre den Auslandshörfunk der ARD oder die Kurzwelle. Da saß man dann und hörte irgendwo im tiefen Rauschen die „Stimme Griechenlands“. Heute? Auf dem Smartphone eine App und mit ihr alle griechischen Radiosender, in bester Qualität, überall und wann immer man es gerade möchte!

    Multimedia verändert die Welt, das macht auch vor Journalismus keinen Halt.

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