Freie Journalisten: Auf der Suche nach den richtigen Themen

Bettina Blaß

Von 

Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

„Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“. Diese Redeweise passt wunderbar zum freien Journalismus. Denn wenn ich als Freier einem Kunden Themen verkaufen möchte, dann ist es zwar super, wenn ich Spaß daran habe, sie zu recherchieren und zu schreiben. Viel wichtiger ist aber, dass sie zu meinem Kunden und zu seiner Zielgruppe passen. Zumindest, wenn ich Texte nicht einfach schreibe, weil es mir Spaß macht, sondern ich damit Geld verdienen möchte. Das gilt selbstverständlich auch, wenn ich als Blogger Gastartikel vorschlage.

Volltreffer. Themen zu finden, die dem Kunden passen, ist als freier Journalist nicht immer einfach.
Volltreffer

Wer mit einem potenziellen neuen Kunden in Kontakt kommen will, sollte nicht nur das passende Thema parat haben, sondern sich auch richtig vorstellen. Darüber habe ich neulich geschrieben – und nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Textes habe ich von einer jungen Bloggerin drei Themenvorschläge bekommen. Ich bin nicht sicher, ob es zwischen beiden Ereignissen tatsächlich einen Zusammenhang gab, oder ob es Zufall war. Auf jeden Fall schrieb mir eine junge Frau, dass sie gerne einen Gastartikel für mein Travelblog Op jück schreiben möchte. Und diese Mail ist Anlass für den Artikel, den Ihr jetzt lest:

Auf Op jück kann man beim Lesen von „Über mich“ herausfinden, dass der thematische Schwerpunkt des Blogs auf NRW und Köln liegt. Weiter unten auf der Seite steht, dass die meisten meiner Leser jenseits der 35 sind. Und schaut man sich die Navigation an, dann ist eigentlich auch ziemlich klar, worum es geht:

  • Um Städtetrips, die sich irgendwie von Köln aus machen lassen.
  • Um lange Reisen in ferne Länder, dann durchaus auch mal mit dem Mietwagen.
  • Und um Kreuzfahrten.

Was man auf meiner Seite nicht findet, das sind Kinder, Hunde, Abenteuer- oder Outdoorurlaub. Das lässt sich recht einfach feststellen, indem man die letzten zehn Artikel genauer durchliest.

Thema verfehlt

Ich weiß nicht, ob die junge Frau, die mir schrieb, überhaupt irgendetwas auf meinem Blog gelesen hat. Sie schlug mir auf jeden Fall drei Themen vor:

  • Trampen durch eine bestimmte Region.
  • Aktive Erholung als Familie
  • Fahrradausflug irgendwohin

Finde den Fehler.

Wie man Themen findet, die zur Zielgruppe passen

Wer möchte, dass die vorgeschlagenen Themen veröffentlicht werden, der muss die Zielgruppe des jeweiligen Mediums kennen. Und nicht nur das: Man muss auch wissen, was gerade erst gelaufen ist. Sinnvollerweise schaut man sich also auf der entsprechenden Homepage um. Vielleicht findet man in den Mediadaten Informationen zur Zielgruppe. Wie wichtig dieses Wissen ist, zeigen diese Beispiele:

  • Die Zielgruppe von Kunde A ist überwiegend männlich, technikbegeistert, angestellt, eher durchschnittliches Einkommen, eher schlechte Englischkenntnisse. Diesem Kunden muss ich also keine Themen anbieten, bei denen es um viel Geld geht. Das Thema Kreuzfahrt ist für ihn nur dann relevant, wenn ich Spartipps gebe. Möchte ich über Apps schreiben, ist es wichtig, dass sie komplett auf Deutsch verfügbar sind.
  • Die Zielgruppe von Kunde F ist überwiegend männlich, selbstständig, verdient sehr gut. Biete ich ihm Themen an, geht es oft um Eigentumswohnungen und deren Finanzierung. Beliebt sind dort auch Artikel, die sich an Vermieter wenden. Und wenn ich über Technik schreibe, darf es sich hier auch um technische Gadgets handeln, die es nicht beim Discounter gibt.
  • Beim Kunden L ist die Zielgruppe regional eingeschränkt. Über ein Angebot aus Bayern zu schreiben, wäre für diesen Kunden sinnlos, denn seine Zielgruppe sitzt tief im Westen der Republik.

Wie man Themen findet, die veröffentlicht werden

Kennt man die Zielgruppe, liest man weiter: Was ist wie in den vergangenen Tagen/Wochen geschrieben und veröffentlicht worden? Oder vielmehr: Was fehlt?

Hat man schließlich ein Thema gefunden, gibt man es ins Suchfenster der Internetseite ein:

  • Was gibt es dazu schon? Kann man einen aktuellen Aufhänger dazu liefern? Einen neuen Fokus?
  • Gibt es noch gar nichts zum Thema?
  • Oder müsste das, was es gibt, dringend aktualisiert werden?

Manchmal lohnt sich auch der Blick zur Konkurrenz: Wie haben die das Thema aufgenommen? Und wie könnte man es

  1. so machen, dass der Beitrag besser ist und
  2. zur entsprechenden Zielgruppe passt?

Das so identifizierte Thema schlägt man dann den Machern der Seite vor, auf der man veröffentlichen will. Natürlich gibt es nie eine Garantie dafür, dass das auch klappt. Aber zumindest verbaut man sich mit dieser Vorgehensweise nicht von Anfang an die Chance, die man immer hat.

Fazit

Für freie Journalisten hängt die eigene Existenz davon ab, die richtigen Themen vorzuschlagen. Denn je mehr passende Artikelvorschläge man macht, desto größer ist die Chance, sie auch zu verkaufen und dadurch mehr zu verdienen. Wenn ich es schaffe, ein Thema zu verkaufen, an dem ich selbst auch noch Spaß habe, ist die Situation perfekt. Darum lohnt es sich durchaus, ein bisschen Zeit in die Themenrecherche zu stecken. Ganz wichtig außerdem: „… und immer an den Leser denken!“

Du hast einen Fehler im Text gefunden? Dann sag uns doch bitte Bescheid. Einfach das Wort mit dem Fehler markieren und Strg+Enter drücken. Schon bekommen wir einen Hinweis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.