Leserfrage: Wie ausführlich sollte ein Exposé sein?

Bettina Blaß

Von 

Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Leserfrage zu Themenexposé
Leserfrage zu Themenexposé

Tanja hat uns geschrieben: Ich musste leider schon mehrfach die Erfahrung machen, dass ich als Freie einer Redaktion ein Thema vorgeschlagen habe, man es ablehnte, aber dann einfach innerhalb des festen Redaktionsteams umgesetzt hat und veröffentlichte. Hier würde mich interessieren, wie man die Gratwanderung schafft, seine Themen entsprechend zu verkaufen, aber am Ende nichts als dummer, kostenloser Ideenlieferant leer ausgeht.

Meine Antwort: Diese Frage bekomme ich ziemlich oft gestellt. Ich möchte an diesem Punkt allerdings erst einmal eine Lanze für die Kollegen brechen: Themen liegen oft in der Luft. Mir selbst passiert es häufig, dass ich einem meiner Stammkunden ein Thema vorschlage und als Antwort bekomme: Stimmt, das ist ein gutes Thema. Darum haben wir es auch schon auf der Liste/setzt der Kollege gerade um/wird es nächste Woche schon erscheinen. Insofern ist es nicht immer Themenklau, wenn eine Redaktion ein Thema umsetzt, das man gerade vorgeschlagen hat. Allerdings würde ich mir von den Redaktionen wünschen, dass sie an diesem Punkt fair gegenüber den freien sind, und transparent machen, wenn sie das Thema schon selbst bearbeiten. Vielleicht haben sie auch gerade kein Budget für Freie, oder sie haben keine Lust, sich mit einem neuen Freien auseinanderzusetzen. Auch dann sollten sie das offen sagen.

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Je nachdem, wie viel Vorrecherche schon in dem Exposée steckt, wäre es außerdem toll, wenn der Freie ein Recherchehonorar bekäme, wenn sein Thema gemacht, er aber nicht beauftragt wird.

Ich selbst bin bei meinen Exposés immer ausgesprochen knapp: Schlagwort und drei Fragen, die ich in meinem Artikel beantworten möchte, eventuell schreibe ich noch dazu, wo ich nach einem Experten fragen werde. Mehr nicht. Allerdings arbeite ich mit vielen meiner Kunden schon so lange zusammen, dass es beim Themenvorschlag nicht mehr vieler Worte bedarf. Ich habe darum Paul Reifferscheid gefragt, einen geschätzten Kollegen, der unter anderem genau dieses Thema bei der Konrad-Adenauer-Stiftung mit jungen Kollegen bespricht. Seine Antwort:

Was Paul Reifferscheid dazu sagt

Paul Reifferscheid
Paul Reifferscheid

Bei der Einschätzung dieser Frage hilft ein simpler Perspektivenwechsel. Man stelle sich vor, man wäre ein Redakteur oder eine Redakteurin, die unter einer hohen Arbeitsbelastung leidet. Ein Themenvorschlag sollte dementsprechend kurz, präzise und informativ sein. Mehr als eine DIN A4 Seite verbietet sich, empfehlenswert ist eher die Hälfte. Wichtige Inhalte dabei sind:

  • Was ist das Thema?
  • Wie ist die Umsetzung?
  • Was biete ich an?
  • Bis zu welchem Termin könnte ich dies realisieren?

Ergänzbar wäre eventuell noch ein Hinweis, warum man das Thema gerade bei dieser Redaktion anbietet. Sofern man als Autor bislang gar nicht oder nur wenig bekannt ist, sollte man die eigene Person unter dem Blickwinkel der eigenen journalistischen Arbeit vorstellen.

Allerdings: Einen umfassenden und effektiven Schutz gegen Themenklau gibt es nicht. Aber man kann den Klau erschweren. Voraussetzung ist, dass man nicht die Idee, sondern den Zugang zum Thema oder die Machart exklusiv anbieten kann. Ein Beispiel: ich möchte eine Person oder eine Gruppe porträtieren, an der sich ein aktuelles Thema sehr gut illustrieren lässt. Den Zugang zu dieser Person/Gruppe findet die Redaktion im besten Fall nur über mich. Das heißt, ich gebe keine Kontaktinformationen weiter. In diesem Fall bin ich wesentlich besser geschützt, als wenn ich nur ein Thema anbiete. Grundsätzlich gilt: Redaktionen greifen dann auf freie Autoren zurück, wenn Sie ein Thema in einer bestimmten Form nicht selbst realisieren können. Ich muss es also der Redaktion schwermachen, an meinem Exposé vorbeizukommen.

Paul findet man auch bei Facebook.

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