Personal Branding für Journalisten: Meine Erfahrungen als Marke

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Wer möchte Marke sein?
Wer möchte Marke sein?

Es ist oft die Rede davon, dass Journalisten zu Marken werden sollen, um im Markt bestehen zu können. Das predigen vor allem diejenigen, die das geschafft haben und als Marke gelten. Kollege Julian Heck stellt in seinem Blog einige davon vor. Es gibt jedoch genug Kollegen, die mit dem Markenbegriff und -dasein fremdeln. Vielleicht, weil man beim Wort „Marke“ an Coca-Cola, Tempo oder Apple denkt?

Was genau ist denn eigentlich eine Marke? Ich sehe in einer Marke in erster Linie ein Qualitätsversprechen. Ich weiß, dass ich ein Tempo ein paar Mal benutzen kann, bevor es reißt, während hingegen andere Papiertaschentücher wohl nicht so gut sind. Das ist jetzt keine Werbung für Tempo, denn ich benutze sowieso generell Stofftaschentücher. Der Konsument weiß also was er bei einer Marke für sein Geld bekommt. Und oft sind die Markenprodukte ja teurer als No-Name-Produkte.

Marken sind Qualitätsversprechen

Allein schon deshalb sollte jedem Journalisten daran gelegen sein, seine Marke aufzubauen und nicht „No-Name“ zu bleiben. Die Konsumenten bzw. unsere Auftraggeber sollen wissen, was sie von uns erwarten können. Welche Qualität verspreche ich als freier Journalist? Noch viel wichtiger: Welche Qualität liefere ich dann? Denn ich kann ja das Blaue vom Himmel versprechen, ich muss es einhalten. Von einer Marke erwarten die Konsumenten eben etwas und wenden sich enttäuscht ab, wenn das Versprechen nicht eingehalten wird.

Ich bin eine Marke, was nun?

Jetzt will ich Marke werden und habe mir dazu was ausgedacht. Und was nun? Ich muss natürlich meine Markenbotschaft kommunizieren, also Marketing betreiben. Auch wieder ein Punkt, mit dem viele Journalisten noch Berührungsängste haben. Klar, wer stellt sich schon irgendwo hin und brüllt „seht her, ich bin ein toller Journalist“?

Vielleicht hilft es einfach schon, die eigene Arbeit und die Ergebnisse klarer zu kommunizieren und vor allem auffindbar zu machen. Hier helfen eben die sozialen Netzwerke. Für Journalisten ist Twitter dabei meiner Meinung nach noch wichtiger als Facebook. Auch Journalistenportfolios können eine sinnvolle Ergänzung sein. Und selbstverständlich ist eine aussagekräftige Homepage Pflicht, gerne verbunden mit dem eigenen Blog (mehr dazu auch auf unserer Seite zum Markenaufbau).

Und lohnt sich der Aufwand?

Ich kann nicht für jeden einzelnen beurteilen, ob sich der Aufwand mit sozialen Netzwerken, Blogs usw. lohnt oder sich messbar in Aufträgen ausdrücken lässt. Aber mein persönliches Beispiel: Ich bin seit gut zwei Jahren selbstständig und habe mehr so nebenbei gebloggt und Facebook und Twitter am Anfang auch eher privat genutzt. Trotzdem war von meiner Arbeit so viel im Netz zu finden, dass ich einen sehr großen Auftrag (eigentlich schon einen Posten) durch Google bekommen habe. Wie das? Jemand hat nach „Journalist Smartphone“ gegoogelt und irgendwie hat Google mich da angezeigt. Ich selber konnte das nie reproduzieren. Jedenfalls habe ich wohl „genug“ zu diesem Themengebiet im Internet veröffentlicht, sodass der Auftraggeber direkt bei mir anrief und mich beauftragte.

Ich kann auch nicht beurteilen, ob sich das gemessen am meinem Aufwand wirklich gelohnt hat, so viel Zeit neben der eigentlichen Arbeit zu investieren. Aber ich weiß, ich werde als Journalist zu einem Themengebiet wahrgenommen. Ich verspreche kompetenten Journalismus. Ich bin zur Marke geworden.

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3 Kommentare zu “Personal Branding für Journalisten: Meine Erfahrungen als Marke

  1. Hallo Timo,

    einen wirklich sehr interessanten Beitrag hast du da geschrieben! Auch ich sage den Nachwuchsmoderatoren, die bei mir in der Ausbildung sind, dass sie sich selbst ganz gezielt positionieren sollen, und sich – genau wie du schreibst – als Marke verstehen sollen. Wenn sie sich hierüber Gedanken gemacht haben und sagen können: „Ich bin der Moderator, der…“, dann haben sie das Ziel erreicht!

    Viele Grüße

    Jan

  2. Lieber Timo,

    auch ich kann das bestätigen. Sich selbst zur Marke machen, hat für viele Kollegen etwas Verwerfliches. Aber man muss sich ja nicht mit einer Marke gemein machen, sondern eben mit sich selbst. Das hat auch viel mit einem Selbstbildnis zu tun und damit, wie viel Selbstbewusstsein man entwickelt. Ob ich bereits eine Marke bin, kann ich selbst nicht so genau sagen, allerdings werde ich über meine Schwerpunktthemen – und erst recht über meine Automobilbücher – inzwischen als Spezialist für bestimmte Sachverhalte wahrgenommen. Das registriere ich natürlich mit einer gewissen Genugtuung und forciere das auch, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Eigenlob stinkt nicht. Wenn auch etwas dahinter ist…;-)

    Gruß,

    Tobias

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