Wie sich lokale Blogs finanzieren: 3 Beispiele

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Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Wer bloggt, hat unter Umständen ein teures Hobby. Zwar gibt es Content Management Systeme wie WordPress größtenteils kostenfrei. Aber schon, wenn man spezielle Layouts oder Hilfsprogramme nutzen möchte, muss man oft Geld bezahlen. Hinzu kommen die Kosten für den Speicherplatz, ein vernünftiges Smartphone mit entsprechendem Datenvertrag, möglicherweise auch entsprechende Schnittprogramme für Audio und Video – und natürlich die eigene Arbeitszeit. Schließlich verdient man oft kein Geld, während man Inhalte fürs eigene Blog produziert.

Blogs finanzieren sich oft nicht von selbst

Das ist mit ein Grund, warum sich viele Blogger über Werbeanzeigen und Einladungen freuen. Damit können sie entweder ihre Kosten decken, oder zumindest ohne zusätzliche Ausgaben an tolle Inhalte für ihr Blog kommen. Natürlich müssen Werbeanzeigen auch entsprechend gekennzeichnet werden – auch aus ethischen Gründen. Von den Landesmedienanstalten gibt es dazu Hinweise.

Woher kommt das Geld?
Woher kommt das Geld?

So finanzieren sich diese drei Lokal-Blogs

Die Frage der Finanzierung stellt sich also allen Bloggern. Allerdings: Ob es noch ein Food-, Mode-, Beauty-, oder Reiseblog mehr oder weniger gibt, spielt für die Gesellschaft kaum eine Rolle. Anders sieht das bei den Kolleg*innen aus, die lokale, journalistische Berichterstattung auf eigene Kosten machen. Denn sie bereichern die lokale Medienbühne, die in vielen Städten und Regionen zunehmend ausdünnt. Darum also ist es besonders wichtig, dass dort die Finanzierung steht, denn diese Blogger leisten einen Beitrag zur Meinungsvielfalt und somit auch zur Demokratie. Ich habe bei drei Lokalbloggern nachgefragt, wie sie sich eigentlich finanzieren:

Limburg: HL-Journal

Screenshot HL-journal

Heike Lachnit, die wir in unserem Artikel über Blogger jenseits der 35 näher vorstellen, sagt: „Die Leser des HL-journals haben die Möglichkeit, mich über Steady für einen monatlichen Betrag zu abonnieren. Weiterhin biete ich Paypal an. Diese beiden Möglichkeiten werden ganz unterschiedlich von meinen Lesern genutzt. Auch Affiliate Links zu Amazon sind eingebaut, welche jedoch nicht so gut bei mir funktionieren. Als dritte Säule habe ich angefangen, Unternehmen und Geschäfte durch einen redaktionellen Artikel vorzustellen, den diese bezahlen müssen. Dies ist noch ganz neu und muss erst richtig anlaufen.“

Mit diesen Möglichkeiten arbeitet Heike nach eigenen Angaben kostendeckend. Allerdings will sie – verständlicherweise auch Gewinn erzielen. Darum hat sie sich Ziele für 2019 gesetzt: „Ich möchte den Bereich ‚Aus dem Geschäftsleben‘ weiter ausbauen. Den damit erzielten Gewinn möchte ich gerne in den Blog investieren. Ich möchte auch gerne ‚lauter‘ in meinem Auftreten werden und den Lesern zu verstehen geben, dass ich meine Zeit nicht umsonst verschenken kann.“

Münster: Die Wiedertäufer

Screenshot Die Wiedertäufer
Screenshot Die Wiedertäufer

Nils Dietrich bezeichnet das Lokal-Blog Die Wiedertäufer als „professionelles Non-Profit-Hobby-Projekt“. Heißt: „Wir haben nicht den Anspruch, Umsätze zu generieren. Das leiten wir aus der Erkenntnis ab, dass ein Blog wie dieses nicht kommerziell funktionieren würde“. Trotzdem gibt es die Möglichkeit, Die Wiedertäufer zu unterstützen: Nutzer können über Paypal spenden und: „Ein wenig Geld kommt über die Zweitverwertung von Texten rein“, schreibt Nils auf meine Anfrage per Mail. „Andere Finanzierungsmöglichkeiten wie Werbung erscheinen angesichts der Reichweiten nicht erfolgversprechend beziehungsweise würden sie Umsätze in einem nicht nennenswerten Umfang generieren, so dass die Aufwand-Nutzen-Relation nicht gewahrt wäre.“ Auch andere Kooperationen lehnen die Wiedertäufer ab: „Sie sind für uns mit unserem hohen journalistischen Anspruch und der damit erforderlichen Unabhängigkeit nicht denkbar“.

Dementsprechend arbeiten Die Wiedertäufer auch nicht kostendeckend: „Ausgaben für Technik wie beispielsweise Webspace und Spesen, bezahle ich letztlich zu einem Großteil aus meiner Tasche“. Für 2019 hat sich Nils vorgenommen, sich Steady einmal genauer anzusehen: „Die Plattform ist grundsätzlich interessant. Aber im Endeffekt scheinen nennenswerte Einnahmen hierüber für uns nicht realistisch“, so Nils Dietrich.

Dortmund: Nordstadtblogger

Die Nordstadtblogger aus Dortmund gibt es seit sechs Jahren. „Die ersten fünf Jahre haben wir uns um die Finanzierung keine Gedanken gemacht“, sagt Alexander Völkel, den wir ebenfalls in unserem Beitrag über Ü35-Blogger näher vorstellen. „Doch über Förderprogramme für Langzeitarbeitslose arbeiten drei Hauptamtliche bei uns – und vielleicht werden es noch mehr. Da müssen wir über Geld nachdenken“. Bisher hat Alex nämlich das Büro und die anderen Kosten aus eigener Tasche bezahlt. „Allerdings hatten wir von der Medienstiftung eine einmalige Förderung für Arbeitsplätze und -mittel“, so Alex.

Screenshot Nordstadtblogger
Screenshot Nordstadtblogger

Weil Geld jetzt aber wichtiger geworden ist, findet man die Nordstadtblogger bei Steady. „Wir wollen auch dort grundsätzlich am Solidaritätsgedanken festhalten. Heißt: Wer kein Geld hat, soll trotzdem unsere Inhalte lesen können. Darum bieten wir neben drei verschiedenen Abos für Privatleute auch ein spezielles Abo für Firmen und Institutionen an“, sagt Alex. „Das kostet 840 Euro im Jahr – und wir haben bereits die ersten drei institutionellen Abonnenten. So lassen sich die monatlichen Kosten für die Infrastruktur decken“. Die Nordstadtblogger wollen aber noch mehr erreichen. So wollen sie beispielsweise die Printfunktion ihres Blogs künftig kostenpflichtig machen, weil sie wissen, dass diese speziell für professionelle Leser interessant ist. „Die technische Umsetzung macht eine Firma, die uns wohlgesonnen ist, für uns kostenlos, weil sie uns und die mediale Vielfalt damit unterstützen kann“, so Alex. Außerdem wollen die Nordstadtblogger Dossiers zu ihren Fokusthemen kostenpflichtig anbieten, und eventuell auch zu eBooks machen. „Grundsätzlich ist es aber schwierig mit den Zahlungsmodalitäten“, sagt Alex. „Denn weil wir kein Verein sind, können wir keine Spenden annehmen und dafür Spendenquittungen ausstellen. Würden wir einen Verein gründen, würde das zunächst Geld kosten – und außerdem wäre dann die kommerzielle Verwertbarkeit ein Problem“.

Alle an Nordstadtblogger beteiligten ehrenamtlichen Autoren bekommen immer wieder Honorare, indem sie Texte, Bilder oder Videos weiterverkaufen. „Nur PR kommt für uns nicht in Frage“, so Alex. „Wir machen Journalismus“.

Die Nordstadtblogger denken aber noch viel weiter: Sie wollen ihr 2017 erstmals erschienenes „Nord.Mag – Das Nordstadt-Magazin“ wieder aufleben lassen – und zwar in einer Auflage von 300.000 Stück – bisher waren es 85.000. „Dazu fehlt uns noch ein Anzeigenberater“, sagt Alex. Ziel der Nordstadtblogger ist es, zwar nicht viele, aber hochpreisige Anzeigen zu verkaufen, um dieses Produkt zu erstellen. „Mit solchen Anzeigen wäre natürlich auch eine Querfinanzierung möglich. Und man könnte spezielle Angebote für Print und Online machen“, so Alex. Eventuell müssten die Nordstadtblogger dazu eine haftungsbeschränkte Unternehmensgesellschaft gründen – möglicherweise wäre aber auch eine Anzeigenagentur für Gutmenschen der richtige Weg, verrät Alex. Das alles soll sich im Jahr 2019 klären.

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