Warum Weiterbildung für Journalisten ein Muss ist

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Natürlich bin ich ein Verfechter von Weiterbildung. Nicht ganz ohne Eigeninteresse: Schließlich gebe ich als Dozent ca. zwei Dutzend Seminare im Jahr bei verschiedenen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für Journalisten. Aber nicht nur anhand des viel zitierten Medienwandels sehe ich die Notwendigkeit. In meinem Journalismus-Studium, das jetzt knapp zehn Jahre her ist, gab es noch kein Social Media. Fernsehen wurde auf DV-Kassetten gemacht und Radio mit MiniDisc. Heute kann ich vieles, was ich im Studium auf großen teuren Geräten gelernt habe, mit dem iPhone machen.

Es muss kein Seminar sein

Ich selber bilde mich gar nicht weiter. Halt, was hat er geschrieben? Ja richtig, ich bilde mich gar nicht weiter. Jedenfalls nicht, wenn man unter Weiterbildung etwas Institutionalisiertes wie ein Seminar, so wie ich sie gebe, versteht. Da besuche ich höchstens eins im Jahr und das dann eher für die Soft Skills.

Probieren geht über studieren – also einfach mal ein paar Testfilmchen mit dem Smartphone drehen, bis man den Dreh raus hat.

Ich arbeite und lerne lieber im eigenen Tempo. Für vieles, was mich interessiert, gibt es kein passendes Seminar. So muss ich zum Beispiel bei WordPress alles selbst ausprobieren und in Foren um Rat fragen, weil das für Ganz-fortgeschrittene-Seminar nirgendwo angeboten wird.

Trotzdem bilde ich natürlich weiter. Aber eben mehr aus intrinsischer Motivation (wenn man einen Fachbegriff nehmen möchte) oder ganz einfach: Ich folge meinem Spieltrieb.

Wenn es eine neue App oder ein neues Format gibt, das gerade gehypt wird und über das meine Twitter-Timeline ausufernd spricht, dann probiere ich das einfach aus. Ich schaue, was andere machen, experimentiere und entscheide mich dann, es weiter zu nutzen oder eben sein zu lassen. So eine Entscheidung muss ich manchmal revidieren. Als Snapchat das erste Mal irgendwo Erwähnung fand, habe ich es installiert, aber niemand anders, den ich kannte, nutzte es ebenfalls. Ergo war es stinklangweilig. Ein paar Monate später „bekannten“ sich immer mehr Kollegen zu Snapchat und siehe da, es war spannender geworden, einfach weil es mehr Menschen nutzten. Egal ob Snapchat nur ein kurzzeitiges Phänomen bleibt oder die Weltrevolution auslöst – ich kann sagen, dass ich von Anfang an dabei war und ich denke, ich könnte aus dem Stehgreif damit professionell arbeiten.

Ständig neue Werkzeuge

Bei diesem Koch geht die Liebe zum Beruf durch die Haut.

Unsere Werkzeuge ändern sich. Vor einiger Zeit sah ich einen Koch, der sich dieses Tattoo hat stechen lassen. Es zeigt Messer und Gabel. Bei einem Koch sind das für mich Werkzeuge, die zu seinem Beruf dazu gehören. Streng genommen hätte er sich vielleicht eine Pfanne oder ein Filetiermesser tätowieren lassen müssen, weil das Besteck nicht im ersten Schritt dem Kochen dient, sondern mehr dem Essen. Wenn ich nun als Journalist ein Tattoo haben möchte, dass zu meinem Beruf passt, welches Motiv soll ich wählen?

Einen Federkiel? Eine Zeitung? Das Twitter-Logo? Mir fällt auf Anhieb nicht ein, welches Symbol da passt. Vielleicht macht die kleine Aufzählung der Möglichkeiten schon deutlich, dass da eine gewisse Kontinuität wie beim Besteck fehlt. Wir nutzen alle paar Jahre neue Werkzeuge, um unser Produkt Journalismus herzustellen. Kaum eine Stellenanzeige für Redakteure, in der nicht mindestens Online-, meistens aber Social Media-Kenntnisse gefordert werden. Es ist wichtig, dass wir den Umgang damit lernen. Und zwar nicht nur die Jüngeren, denen ja per Generationendefinition alle Internetaufgaben übertragen werden – häufig ohne Anleitung, weil ja niemand in der Redaktion da ist, der es kann. Weiterbildung ist wichtig für alle Generationen in einer Redaktion. Es muss dafür kein Seminar besucht werden. Es reicht, überhaupt Interesse für das neue Werkzeug zu entwickeln und mal damit ein bisschen herumzuspielen.

Es braucht Freiräume und Verständnis

Dafür sind Freiräume nötig, das ist klar. Für Freie heißt das, mal weniger Aufträge annehmen, ergo weniger Umsatz machen, aber dabei vielleicht Spannendes entdecken. Für Feste heißt das oft, dass die Kollegen in der Redaktion mehr arbeiten müssen, wenn der Chef nicht einsichtig ist und für Ersatz sorgt. Dennoch sind diese Freiräume wichtig. Wir haben uns ja schließlich für einen kreativen Beruf entschieden und Kreativität und enge Regelkorsetts vertragen sich nun mal nicht.

Wie bildet Ihr Euch weiter? In Seminaren? Oder mit Learning-by-doing? Oder…? Wir freuen uns auf Eure Kommentare. Und falls jemand einen Tattoo-Vorschlag für Journalisten hat…

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