Leserfrage: Wie baut man eigentlich eine Sprecherkabine?

Bettina Blaß

Von 

Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Mit etwas Kreativität ist es nicht schwierig, eine Sprecherkabine zu bauen
Mit etwas Kreativität ist es nicht schwierig, eine Sprecherkabine zu bauen

Ab und zu passiert es, dass wir eine Leserfrage bekommen, die wir nicht beantworten können. Denn wir sind eben nicht die Alleswisser, sondern können am besten Fragen beantworten, die mit unserem beruflichen Alltag zusammenhängen. Jetzt hatte eine Kollegin gefragt, ob wir wüssten, wie man eine Sprecherkabine baut. Für Timo und mich bisher kein Thema: Wir machen beide kein Radio. Aber durchaus eine spannende Frage.

In solchen Fällen ist es gut, wenn man auf ein Netzwerk zurückgreifen kann. Ich habe über unsere Facebook-Seite und in meinem privaten Facebook-Profil nachgeforscht, und ziemlich schnell einige Links und Namen genannt bekommen. In den zugehörigen Artikeln wurden dann jeweils Kollegen erwähnt, die sich mit dem Thema bereits auseinandergesetzt haben. Doch in diesem Fall hat sich das persönliche Netzwerk wieder einmal am meisten gelohnt: Mein Ex-Kollege Jörg Stroisch war derjenige, der sich am schnellsten meldete und zu einem Gespräch bereit war.

Onliner und Radiomann

Jörg Stroisch
Jörg Stroisch

Jörg Stroisch kenne ich schon seit Anfang des Jahrtausends. Wir waren als Onliner bei der G+J WirtschaftsPresse Online. Wir sind heute beide Freiberufler, und Jörg hat sich Richtung Hörfunk weiterentwickelt: Er arbeitet schon einige Jahre für den Deutschlandfunk. Nachdem er immer mehr Radiobeiträge machen konnte, unterhielt er sich mit einem Tontechniker bei einer Sprecherfortbildung darüber, wie kompliziert es wohl sei, eine eigene Sprecherkabine zu bauen, ohne dafür ein Vermögen auszugeben.

Dann tat er sich mit seinem Vater zusammen und setzte die Idee um: Kern seiner Kabine ist das Mittelteil eines alten Schlafzimmerschranks, das 1,20 Meter breit ist. Klappt man die Türen auf, hat man im Prinzip einen Raum, den man lediglich an drei Seiten und der Decke verschließen muss. Dazu kann man Spannplatten benutzen, doch die müssen noch gedämmt werden und sie sind vom Gewicht sehr schwer. Deshalb brachte er an den Seiten und im Rücken als Dämmung beschichtete Styroporplatten an, die man eigentlich im Bad oder der Küche benutzt, um den Hintergrund für einen Fliesenspiegel plan zu bekommen. Sie sind 2,60 Meter hoch, 60 Zentimeter breit und 40 Millimeter dick, die Kosten lagen bei etwa 150 Euro.

Den Schall brechen

Weil so eine Sprecherkabine nicht ganz klein ist, dachte er zu Beginn, er würde sie zumindest zum Teil immer wieder auf- und abbauen. Darum hat er die Platten mit Winkeln angebracht. Jetzt steht die Kabine aber in einer Ecke seines externen Büros, da stört sie niemanden.

Alle Fotos: Jörg Stroisch

Um zusätzliche Stabilität zu bekommen, hat Jörg einen Balken angebracht, der einrastet und gleichzeitig die Aufteilung der Wand in zwei Elemente ermöglicht. Den Rand der Platten schützt er mit Klebeband. Alte Absorberplatten, die er schon früher gekauft hatte, nutzt er jetzt als Decke. Dann fehlte nur noch innen in der Kabine der Schallschutz. „Ihn findet man im Internet, wenn man bei Google nach ‚Schaumstoff und Hörfunk’ sucht“, sagt Jörg. Dann komme man schnell auf Begriffe wie „Akustik-Schaumstoff“ oder „Noppen-Schaumstoff“. „Es ist besser, Schall unregelmäßig zu brechen“, sagt er. Darum solle man diesen Schaumstoff möglichst versetzt ankleben. Inklusive Einkauf lag der Arbeitsaufwand bei etwa fünf Stunden, „die meiste Zeit hat das Ausmessen und Zurechtschneiden in Anspruch genommen“, sagt Jörg.

Die nötige Technik

Jörg hat sich außerdem ein Mischpult gekauft, einige Kabel, ein Mikro und Licht für die Kabine. Gesamtkosten seiner Sprecherkabine: 500 bis 700 Euro. „Die Tonqualität eines professionellen Hörfunk-Studios habe ich damit nicht“, sagt er. „Aber die Aufnahmequalität ist schon sehr gut.“

Sein Tipp: Wer mit Audio anfängt, kann sich auch in seinen gefüllten Kleiderschrank setzen. Dann sollte man aber tunlichst vermeiden, die Kleidungsstücke mit den Kleiderbügeln auf der Stange im Schrank zu bewegen, und vor allem das Mikrofon zu berühren. Denn dann hat man schnell störende Nebengeräusche. „Schafft man die Aufnahme ohne Nebengeräusche zu erzeugen, reicht diese Tonqualität in der Regel schon völlig für Hörfunkbeiträge“, sagt Jörg Stroisch.

Weiterführende Beiträge

Daniel Bouhs im Interview mit Journalisten-Tools über seine Sprecherkabine (Danke für den Hinweis, Midia)
Bau einer Gesangskabine (Danke für den Hinweis, Viola)
Wo Jörg sein Mikrofon gekauft hat (Danke für den Hinweis, Jörg)
DRadio Wissen Podcastfolge zum Thema (Danke für den Hinweis, Jan)

In eigener Sache

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