Presseausweis – was es mit der „magischen“ Plastikkarte auf sich hat

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Viele wollen ihn: den Presseausweis (Bild Timo Stoppacher)
Viele wollen ihn: den Presseausweis (Bild Timo Stoppacher)

Er ist immer wieder Grund für Diskussionen: der Presseausweis. Er verspricht exklusiven Zugang zu der Welt der Stars, satte Rabatte und natürlich Prestige – eine magische Zauberkarte also. Zumindest scheinen das viele zu denken, die keinen haben, sich aber verzweifelt bemühen, ihn zu bekommen. Wenn man ihn dann mal hat, ist man ernüchtert. Ich zumindest. Die großartigen Rabatte sind in den letzten Jahren ziemlich wenig geworden. Nur bei der Bahncard vermisse ich ihn, aber damit kann ich leben.

Wofür ich ihn regelmäßig brauche, sind die Messebesuche. Das ist praktisch und geht in der Regel problemlos, selbst wenn man sich erst vor Ort akkreditiert. Doch neulich war ich auf einer Messe, wo man zusätzlich noch ein Impressum mit meinem Namen sehen wollte, der Presseausweis war weniger interessant. Vielleicht weil es zu viele davon gibt? Oder weil sich die Pressestellen nicht mehr die Mühe machen wollen, zwischen den „echten“, den „gekauften“ und den Jugendpresseausweisen zu unterscheiden? Als „echte“ bezeichne ich übrigens die, die früher mal von der Innenministerkonferenz anerkannt waren. „Gekaufte“ sind die, für die bei Google geworben wird, wenn man Presseausweis eingibt (ich bete, dass unten jetzt nicht genau so eine Anzeige auftaucht).

Der ursprüngliche Zweck war ja mal ein ganz anderer: Man sollte sich mit dem Presseausweis als Journalist legitimieren können. Zum Beispiel wenn irgendwo etwas passiert ist und man hinter die Polizeiabsperrung wollte oder in einen Gerichtssaal. Die aktuelle Debatte um Blogger und die Akkreditierung im Bundestag zeigt, dass das schwierig geworden ist. Der Presseausweis darf offiziell nur für hauptberuflich tätige Journalisten ausgestellt werden. Da bahnt sich immer öfter ein Problem an. Hauptberuflich ist, wer mehr als die Hälfte seines Einkommens aus dem Journalismus generiert. Bei den zum Teil üblichen Honoraren wird es immer schwieriger, die Hauptberuflichkeit zu erhalten. Wenn dann das Haupteinkommen auf anderem Weg generiert wird, hat man ein Problem und bekommt eventuell keinen Presseausweis mehr.

Aber ist das überhaupt ein Problem? Ich persönlich kann gut auf ihn verzichten, ich muss nur ein Impressum mit meinem Namen vorlegen. Wer im Auftrag einer Redaktion arbeitet, kann sich darüber eine Bestätigung schreiben lassen – die Redaktionsassistenten wird die zusätzliche Arbeit bestimmt freuen. Schwierig ist es dann für Kollegen, die ohne festen Auftrag recherchieren und sich dafür akkreditieren müssen. Für die brauchen wir eine Lösung, wenn sie nicht ohne Weiteres ihre Hauptberuflichkeit nachweisen können.

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4 Kommentare zu “Presseausweis – was es mit der „magischen“ Plastikkarte auf sich hat

  1. Alle Presseausweise, die ‚gekauften‘ taugen sowieso nicht, sind in meinen Augen nur Mitgliedsausweise von Interessenverbänden die ein weiteres Prozenz von meinem Jahresbruttoumsatzes ‚abhobeln‘.

    Für die wirklich großen, wichtigen Events, z.B. im Motorsport, reicht auch i.d.R. der Ausweis alleine nicht aus. Und bei Terminen für die Lokalpresse habe ich noch nie einen gebraucht.

    Haupt- vs. Nebenberuflichkeit: Zumindest die Hauptberufluchen Bildjournalisten werden täglich weniger, wril die Medien nicht mehr willens sind angemessene Honorare zu zahlen. Daher generieren die meisten Fotografen neben ihrer journalistischen Tätigkeit inzwischen viel, manchmal deutluch über 50% ihrer Einnahmen durch ‚andere‘ Auftragsarbeiten. Das ist aber keine journalistische Tätigkeit, und ddamit wäre dann auch hier eine Ausstellung eines ‚anerkannten‘ PA nicht möglich.

    Das sehen die Interessenverbände aber nicht so eng. Zum einen, weil es ja ihre Kernaufgabe wäre, die Honorare auf ein akzeptables Niveau zu halten, bzw. wieder dahin zu bringen, zum anderen, weil sonst kaum noch Mitglieder zu finden wären.

  2. Ich wirke seit über 50 Jahren im Tourismusbereich, jedoch immer ehrenamtlich und aber stets in Leitungsfunktionen. Immer wenn es personell eng wurde, arbeitete ich mich in diese,
    meist eine neue Funktion ein – immer nach dem Motte, was man nicht kann, muss man eben lernen. Das so etwas funktioniert, zeigen meine Aktivitäten. Inzwischen bin ich für die gesamte Medienarbeit eines Landesverbandes Wandern und Bergsteigen zuständig. Dazu auch noch der „Chef“ von einem der 57 Gebietsverbände des zentralen Deutschen Wanderverbandes.
    In diesen Funktionen arbeitet man natürlich eng mit dem Tourismus zusammen – das bundesweit und über die deutschen Grenzen hinaus. Die Palette der Auszeichnungen durch viele Gremien ist bei mir lang.
    Da gehört es einfach dazu, an Kongressen und großen Tourismusbörsen mindestens als Mediator teilzunehmen. Ich schreibe ja auch ganze Broschüren für tausende von Bürgern.

    Seltsamerweise stellt sich aber eine Institution hier absolut quer. Es sind die Verantwortlichen der Berliner ITB (Internationalen Tourismusbörse Berlin), wohl als eine der großen Ausnahmen im deutschen Lande. Dort begehrte ich im Vorjahr als Journalist Einlass, weil auf dem Gelände gleichzeitig eine zentrale Tagung stattfand, zu der ich direkt mit schriftlicher Bestätigung eingeladen war.
    Angeblich wusste man am Einlass nicht, dass auch Wandern zum Tourismus gehöre. Ich sollte einen Presseausweis und eigene Publikationen vorlegen. Es führte kein Weg (nur ca. 20 m durchs Messegelände) – auch nicht in Begleitung des Sicherheitspersonals – zu dem VIP-Raum der Tagung. Ersatzweise bot man mir an, den Ausstellertarif zwischen 52 und 75 Euro zu zahlen.
    Man könne ja nicht jeden ohne Legitimation durchlassen. Welche Veranstaltung da hinter dem Einlass und in welchen Räumen diese stattfinden, interessiere nicht, man müsse schließlich auf maximale Einnahmen von den Besucher achten. Ich habe darauf auf meinen Diskussionsbeitrag in der Tagung verzichtet und mich schriftlich bei der Ausstellungsleitung nachträglich beschwert. Auf die Antwort warte ich noch heute. Niemand lädt sich Gäste ein und verlangt gleich beim Einlass an der Wohnungstür kräftig einen Obolus.

    In diesem Jahr (2016) habe ich vorsichtshalber – auf Empfehlung der Bundesspitze des Wanderverbandes – einen gültigen internationalen Presseausweis. Dazu habe ich auch alle laut Akkreditierungsbedingungen benötigten Unterlagen rechtzeitig eingereicht (einschließlich Kopie des Presseausweises und der geforderten Impressen), damit solch eine Pleite wie im Vorjahr nicht wieder auftritt.

    Doch ich bekomme erneut keine sinnvolle Antwort. Lediglich schickte man mir ein neues Anmeldeformular für die Akkreditierung mit dem Hinweis, dass ich doch zusätzlich zunächst einmal nachweisen müsste, dass Wandern auch zum touristischen Bereich zähle und dazu die Nachfrage wie viele Leser ich mit meinen Schriften erreiche. Über soviel Engstirnigkeit kann man doch nur noch den Kopf schütteln. Ich habe ihnen nochmals alles per Internet hingeschickt. Aber eine Antwort bleibt aus.

    1. Es ist natürlich das Recht der Messeveranstalter sich auszusuchen, wen sie als Journalist rein lassen und wen nicht. Ansonsten verstehe ich nicht, warum Ihnen der Veranstalter der Tagung keine Karte besorgt hat.

      Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Messen in deutschen Städten hat man sich zwar für Presseausweis und Impressum interessiert, aber bislang nicht die Verbindung zwischen dem Medium und dem Thema in Frage gestellt.

  3. Kommentar

    „Presseausweis – was es mit der „magischen“ Plastikkarte auf sich hat“

    Für viele mag noch ein Hauch von Mythos an dieser Plastikkarte kleben. Vorstellungen von Rabatten und exklusiven Einladungen zu den Veranstaltungen der Reichen und Schönen, bevorzugte Behandlungen durch wuselnde Kellner in Restaurants und verklärte Träumereien, wie z.B.: „…lassen Sie mal gut sein, dass geht auf´s Haus…“
    Etwas Bond-Romantik, mit einer Mischung von Prominenz und rasantem Leben.

    Der Alltag sieht eher nüchtern aus.
    Bei der aufwendigen Reisereportage, gerade in umstrittene Staaten, empfiehlt es sich die jeweilige Botschaft oder das Generalkonsulat vorab zu konsultieren und sein Reportagekonzept vorzustellen.
    Schon aus Sicherheitsgründen ist dieser Schritt empfehlenswert, um spätere Probleme auszuräumen. Menschen verschwinden durchaus recht schnell und gehen verloren, was ich aus eigener Erfahrung und Nachfragen des Auswärtigen Amts öfters schon erlebt hatte.

    Ohnehin stellen die meisten Medienanstalten für ihre Mitarbeiter einen Hausausweis aus, der keine Fragen offen lässt.
    Bei öffentlichen Angelegenheiten (Demonstrationen, Unfällen, etc.) stellt man sich dem Einsatzleiter vor, dieser erklärt dann den Ablauf und weist einem den Pressebereich zu.

    Den Zugang zur Society muss man sich hart erarbeiten. Hier ist die individuell gestaltete Visitenkarte hilfreicher. Sie sollte unverwechselbar sein und sich in der Hand gut anfühlen.
    Veranstaltungen besuchen, Kontakte knüpfen und pflegen.“Networking“ auf die altmodische Art und Weise. Dies sind die Schlüsselworte dazu.
    Es ist weitaus besser, man definiert sich durch sich selbst, gesellschaftlichem Auftreten und seinen Kernkompetenzen.
    Das Outfit sollte dem Anlass entsprechend gewählt werden, sprich wenn erwünscht, sollte der Armani auch perfekt sitzen.
    Ansonsten ist Understatement meist die beste Wahl.
    Die Einladungen kommen dann von selbst und sind meist so zahlreich, dass man nicht in der Lage ist, sie alle wahrnehmen zu können.
    Gerade bei sog. Jetset, VIPs und CIPs ist Authentizität und Ehrlichkeit gefordert. Auf Menschen einlassen, zugehen, ehrliches Interesse bekunden. Die Story hinter der Story ist interessant.
    …Sie wollen ja wieder eingeladen werden.

    Um ehrlich zu sein, die Plastikkarte ist eher peinlich als nützlich. Ich persönlich mag es lieber, man kommt auf mich zu, weil man überzeugt ist von meiner Arbeit und meiner Persönlichkeit. Es ist der optimalere Weg.
    Was die berühmten Rabatte anbelangt, muss man sagen, die sind generell weniger geworden.
    Effizienter ist es, gerade in Bereichen wie Foto-Journalismus mit den Herstellern direkt Kontakt aufzunehmen.
    Canon stellt durchaus einmal die neueste Entwicklung zur Verfügung, als Testobjekt.
    Ich mag Werbung allgemein weniger, möchte an dieser Stelle dennoch erwähnen, dass PENTAX sehr zugänglich ist. Leider mag nicht jeder diesen Kameratyp.

    Journalismus bedeutet, man möchte etwas erfahren, was es wert ist, kommuniziert zu werden. Möchten Sie überall gleich herausposaunen, dass Sie von der Presse sind und ein verzerrtes Bild erhalten? Ich denke nicht. Meist bleibt man im Hintergrund, als stiller Beobachter.
    Die Quintessenz einer Dokumentation, eines Berichts oder Reportage würde sonst verloren gehen.
    Habe ich die Plastikkarte schon benötigt? Um ehrlich zu sein, nein. Sogar bei Bundesministerien ist der persönliche Kontakt hilfreicher und irgendwann kennt man sich dann auch… 😉

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