Warum ich kein Krautreporter-Mitglied bleibe – aber dafür Genosse werde

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

krautreporter-ja-neinDie Texte und Zusatzangebote der Krautreporter sind für Timo nichts, wofür er 60 Euro im Jahr zahlen will. Er wird lieber für 250 Euro Genosse und erklärt im Beitrag warum.

Ich bin Textjunkie

Ich lese alles, was mir zwischen die Finger kommt. Selbst die Anzeigenblättchen habe ich früher gelesen (ich bekam vier bis fünf pro Woche), aber das wurde mit irgendwann zu aufwändig mit der Entsorgung. Ich lese regelmäßig ein Dutzend Zeitschriften mit dem Lesezirkel, denn auch dabei ist das Entsorgungsproblem gelöst. Ins Altpapier wandert ausgelesen nur die FAS. Die liegt die ganze Woche auf dem Frühstückstisch und sieht danach entsprechend aus. Ein Schicksal, dass ich meinem iPad ersparen möchte, das ist am Tisch tabu. Auf dem iPad lese ich dann Nachrichtenportale, Twitter, Facebook, E-Mails, unzählige Artikel in meiner Pocket-Liste und ab und zu den Spiegel. Denn den lese ich hauptsächlich auf meinem Kindle, ohne die ganzen Bilder und Grafiken, einfach nur den puren Text. Parallel dazu Krimis und Thriller. Die auf langen Bahnfahrten und abends vorm Einschlafen. Denn der Kindle fällt mir nach dem Einschlafen meistens aus der Hand. Er hat schon die Nacht unter mir verbracht, der ist robust. Mit dem iPad würde ich mich das nicht trauen, weshalb das Tablet auch im Bett tabu ist.

Nein, an Information mangelt es mir nicht. Deshalb hat mein Krautreporter-Abo bzw. meine Mitgliedschaft kein Bedürfnis befriedigt, das ein anderes Medium offen gelassen hat. Ich will jetzt nicht an den bisherigen Artikeln rummeckern, aber der große Knaller war nicht dabei. Eine Handvoll Geschichten fand ich sehr interessant, und der tägliche Morgengruß aus New York war auch nett. Dabei möchte ich den Beiträgen auf keinen Fall ihr zum Teil sehr hohes journalistisches Niveau absprechen.

Außerdem habe ich für etwas bezahlt, was ich sogar kostenlos bekommen hätte, schließlich sind die Artikel kostenlos lesbar. Die speziellen Funktionen für Mitglieder, wie die Möglichkeit Kommentare schreiben zu können, habe ich nicht genutzt. Ich kommentiere sowieso kaum bei Medien, das war für mich kein Mehrwert. Die E-Books mit den Artikeln konnte ich mir auf den Kindle ziehen, das war praktisch, hat mich aber ebenfalls nicht nachhaltig überzeugt.

Meine Überzeugung

Ich bin letztes Jahr aus einer Überzeugung heraus kurz vor Ende der Kampagne Mitglied geworden. Denn wenn die Krautreporter gescheitert wären, hätte es vermutlich auf Jahre bei jedem neuen ähnlich gelagerten Projekt von Vornherein geheißen: „Das wird nicht funktionieren, bei den Krautreportern hat es schließlich auch nicht geklappt.“

Nun fragen die Krautreporter dieser Tage ihre Mitglieder, wer dabei bleibt und wer nicht. Ich bleibe kein Mitglied. Ich zahle nicht nochmal 60 Euro für etwas, was mir persönlich keinen Mehrwert bietet.
Gleichzeitig kündigen sie die Gründung einer Genossenschaft, die erneut Geld für Investitionen einsammelt. Denn die Million vom letzten Jahr ist nun weg. Das ist nachvollziehbar, schließlich wurde einiges investiert. Fürs nächste Jahr sollen mindestens 80.000 Euro gesammelt werden. Dafür sind 400 Genossen nötig, denn jeder Genosse muss mindestens 250 Euro zahlen. Alle Details hier: http://genossenschaft.krautreporter.de/

Aus diesen 5 Gründen werde ich Genosse

  1. Mein oben angeführter Grund gilt weiterhin: Wenn das Projekt scheitert, sehe ich auf lange Zeit schwarz für diese Art der Finanzierung zumindest in dem Umfang. Dass das bei kleineren Projekten sehr gut funktionieren kann, habe ich neulich hier schon mal aufgeschrieben: Meine persönliche Crowdfunding-Bilanz
  2. Als Mensch mit BWL-Kenntnissen ist mir bewusst, dass innerhalb eines Jahres kaum ein Unternehmen den Break-Even erreichen kann. Die Pläne und Argumente der Krautreporter klingen für mich plausibel und sind nachvollziehbar.
  3. Außerdem sehe ich das Ganze als Investition. Ich glaube daran, dass die Krautreporter zu einer festen Größe im deutschen Online-Journalismus heranwachsen werden. Sie werden sicher nicht das zweite Spiegel Online, aber das müssen sie gar nicht. Wenn es mal Gewinne geben sollte, können diese an die Mitglieder ausgeschüttet werden. In einer fernen Zukunft kann ich dann von meiner Gewinnausschüttung in der Südsee leben. 😉
  4. Sollte die Genossenschaft nicht irgendwann mal insolvent gehen, bekomme ich mein Geld zurück. Wobei „Die Kündigungsfrist beträgt 2 Jahre zum Ende des Geschäftsjahres“ schon arg lange ist, doch es wäre ja nicht hilfreich, wenn jeder jederzeit sein Geld abziehen könnte.
  5. Weil es ein leuchtendes Vorbild gibt: die taz, die ich zwar nicht regelmäßig lese, aber immer wieder mit tollen Artikel in meine Timelines gespült wird. Sowas wünsche ich mir von den Krautreporten und hier kommt mein Wunschzettel:
Da drin sind meine Beitrittsunterlagen für die Krautreporter-Genossenschaft.
Da drin sind meine Beitrittsunterlagen für die Krautreporter-Genossenschaft.

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