Warum klare Absprachen sinnvoll sind

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Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Im Journalismus geschieht viel auf Zuruf. Genaue Konditionen und Vertragsbedingungen sind oft Nebensache, weil ja immer alles schnell gehen muss. Neulich bekam ich einen Auftrag, der aus einer Dreizeiler-E-Mail bestand. Meine Freude über genau diesen Auftrag war groß, weil er

  1. spannend,
  2. gut bezahlt und
  3. für ein sehr renommiertes Medium war, für das ich schon immer gern mal schreiben wollte.

Im Nachhinein ärgere ich mich über mich selbst, dass ich mich vor lauter Freude nicht ein bisschen mehr über die Konditionen informiert habe: Es gab einen Abgabetermin, den ich eingehalten habe. Bis zur Veröffentlichung sollte es dann noch zwei Monate dauern, weil es sich um eine Anzeigensonderveröffentlichung handelte und ich wurde von Anfang an auf die Gefahr hingewiesen, dass sie ausfallen könnte. Ich sollte in diesem Fall 50 Prozent Ausfallhonorar bekommen, aber die Gefahr sei gering, hieß es.

Manchmal heißt es eben "Mensch ärgere Dich!" Bild: Bernd Kasper / pixelio.de
Manchmal heißt es eben „Mensch ärgere Dich!“ Bild: Bernd Kasper / pixelio.de

Nach dem Abgabetermin hörte ich erstmal nichts, außer dem Hinweis, dass der Text angekommen sei. Drei Wochen später fragte ich nach, ob der Artikel gefallen habe und wie die Abrechnung funktioniere. Ich wurde vom Redakteur gebeten, zwei weitere Wochen zu warten, bis die Entscheidung über die Veröffentlichung getroffen sei. Dann könne ich die Rechnung schicken. Da es ja einige Tage dauert, bis eine Rechnung bezahlt wird, werde dann ich von der Abgabe des Textes bis zum Zahlungseingang mindestens gute sechs Wochen gewartet haben. Und weil das ein großer Auftrag war, habe ich parallel dazu nicht viel anderes gemacht, was Geld eingebracht hätte. Heißt: Ich saß finanziell betrachtet auf dem Trockenen.

Ja, das ist alles normal und auch nicht gegen das Gesetz. Aber hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ein bisschen anders geplant. Das lehrt mich, zukünftig nicht nur nach der Höhe des Honorars zu fragen, sondern auch nach den Zahlungsmodalitäten. Dann weiß ich von Anfang an Bescheid, brauche mich nicht zu ärgern und kann meine Arbeit besser organisieren.

Update vom 1.9.2014

In dieser Sache gibt es aber auch etwas Erfreuliches zu berichten: Letzte Woche Dienstag wurde der Text abgenommen, ich habe am selben Tag die Rechnung per E-Mail geschickt und Donnerstag war das Geld auf dem Konto.

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3 Kommentare zu “Warum klare Absprachen sinnvoll sind

  1. Deutsche Medien brauchen meiner Erfahrung nach meist mindestens einen Monat von der Abgabe eines Beitrags bis zum Begleichen des Artikels. Bei einigen dauert es auch erheblich länger. In den USA und G.B. sieht es besser aus: meine dortigen Auftraggeber zahlen in der Regel innerhalb von etwa zwei Wochen.

    Freie Journalisten sollten darum meiner Meinung nach immer einen guten Blick über ihre „Pipeline“ haben. Ich habe mir dafür ein Spreadsheet angelegt: für jeden Eintrag erfasse ich das vereinbarte Honorar, das Einwerbedatum, Deadline, Status und den erwarteten Zahlungszeitraum. Mit ein paar Excel-Zaubereien kann man sich dann jederzeit anzeigen lassen, wie viel Geld vermutlich in den nächsten vier Wochen ankommt und entsprechend vorplanen.

    1. Hallo Peter,

      vielleicht bin ich einfach nur von meinen anderen Auftraggebern verwöhnt. Da gibt’s nach der Abnahme eine Rechnung und die wird innerhalb von zwei Wochen bezahlt. Viele Kunden sind sogar noch schneller.

  2. Zum Glück gehöre auch ich zu denjenigen, die von pünktlich zahlenden Auftraggebern verwöhnt sind. Bis auf einen Fall, indem es mir so ging wie Timo: Ich wollte ein Projekt unbedingt machen und habe den Auftrag auch bekommen. Das Problem: Mein Honorar teilt sich auf in eine fixe Zahlung und eine Umsatzbeteiligung, die vierteljährlich ausgeschüttet wird. Das sich der Auftraggeber mit der Auszahlung der Umsatzbeteiligung aber auch wirklich immer bis zum allerletzten Tag des jeweiligen Vierteljahres Zeit lässt, mag rechtlich okay sein, damit gerechnet habe ich aber nicht. Bei künftigen gemeinsamen Projekten werde ich verstärkt darauf achten.

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