Wie ich als freier Journalist an Aufträge komme: twago

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Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Noch ein Negativ-Beispiel in der Serietwago ist ein Freelancer-Portal, das sich in erster Linie an Programmierer und Grafiker richtet, aber für Journalisten bzw. Texter ist dort auch einiges dabei. Die Idee an sich ist nicht schlecht und ähnliche Portale findet man zuhauf, meistens jedoch auf Englisch.

twago dagegen ist europäisch ausgelegt und so auch auf Deutsch verfügbar. Die Sache hat nur einen Haken: Die Ausschreibungen für Texte schwanken in der Regel zwischen unseriös und Dumpingpreisen – oder beides in Kombination. Beispiel gefällig?

Eine typische Ausschreibung auf twago...
Eine typische Ausschreibung auf twago: 2 Cent pro Wort, macht 140 Euro pro Text…

So sehen viele Ausschreibungen aus und selbst wenn mal eine vernünftige dabei ist, kann man es sich dann doch sparen, dafür ein Angebot abzugeben. Denn der Inserent sieht das Angebot in der Regel nicht! twago möchte Geld verdienen. Zum einen kriegt das Unternehmen für jeden erfolgreich abgewickelten Auftrag eine Provision. Das ist ja ok, denn von irgendwas muss die Plattform ja betrieben werden. Zum anderen bekommt man ab dem Zeitpunkt der Registrierung Anrufe von netten Menschen, die einem die Plattform erklären und dabei natürlich das Premium-Konto verkaufen wollen. Normalerweise bin ich bei solchen Anrufen immun, aber das beste Argument des Verkäufers war dann:

„Wenn Sie ein Premium-Konto haben, werden Ihre Angebote bei den Auftraggebern ganz oben angezeigt.“

Der normale Kunde hat also eine verschwindend geringe Chance, sein Angebot dem potentiellen Auftraggeber zu präsentieren, egal wie gut die Referenzen und wie günstig das Angebot ist. Wie gesagt, das Argument hatte mich dann doch überzeugt und für 200 Euro netto habe ich den Premium-Account drei Monate nutzen können. Doch selbst mit der Präsentation meines Angebots ganz oben kam kein einziger Auftrag zustande, selbst wenn die Ausschreibung quasi 100 Prozent zu meinem Profil passte.

Bild: RainerSturm / pixelio.de
Das Auftragsbuch soll immer gut gefüllt bleiben. Bild: RainerSturm / pixelio.de

Noch ein „gutes“ Argument

Der nette Verkäufer tat im Telefonat dann abschließend noch sehr geheimnisvoll:

„Ich verrate Ihnen was, weil Sie so nett sind: Sie können die twago-Gebühr auch von der Steuer absetzen.“

Kein Kommentar.

Fragen und meckern

Zu jeder Ausschreibung können die Nutzer anonym Fragen stellen, wenn ein Punkt unklar ist. In der Regel wird diese Funktion aber zum Meckern benutzt. Aus dem obigen Beispiel stammen diese Kommentare:

2014-06-11 11_57_35-Verfassen von Ratgeber eBooks _ twago - Avant Browser
…und die typischen Reaktionen anderer twago-Nutzer auf solche Angebote.

Fazit

Für Texter und Journalisten scheint sich twago nur in absoluten Ausnahmefällen zu lohnen. Und auch ein befreundeter Webprogrammierer konnte bei twago noch keinen Treffer landen. Vom Premium-Dienst rate ich persönlich ab, das Geld kann genauso gut zum Fenster rausgeschmissen werden. Auftraggeber zahlen übrigens bei twago nichts.

Jeder weitere Erfahrungsbericht im Kommentar oder als Gastbeitrag ist willkommen.

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5 Kommentare zu “Wie ich als freier Journalist an Aufträge komme: twago

  1. Premium Account, 6 Monate zahlen, unzählige Angebote ohne Feedback, einige Anfragen an Usern – ohne Feedback. Gratisaccount wo der Dienstleistungssuchende sich sein Produkt anschauen, bzw. antesten kann – kein einziger Login lt. Logfile. Kein weiteres Kommentar nötig.

  2. Sehr interessante und vor allem relevante Ausführungen, danke dafür.

    Von meiner Seite kann ich noch dazu geben:
    Schaut euch mal die Bilanz/Umsätze von TWAGO an.
    Auf biz-q.com ‒ alternativ auf dem dem Oundesanzeiger Online ‒ gibt man dazu oben in der Maske „Team2Venture GmbH“ ein.

    Das Ergebnis ist: viel Rot. Es veranschaulicht sehr schön, dass sich das Geschäft mit den sogenannten C-Kunden (kleine, wenig zahlen wollende/könnende Auftraggeber von Text, Design, IT) als Aufttrags-Portal nicht recht lohnt. TWAGO schreibt Miese.

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