Barcamps: Auch für Journalisten einen Besuch wert

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Für viele ist der Gedanke des Barcamps zunächst ungewöhnlich: Es gibt kein festes Programm. Die Teilnehmer stellen ihre Ideen vor und jeder macht quasi, wozu er Lust hat. Und jeder macht mit, wenn er etwas interessant findet. Klingt nach Chaos, ist aber eine sehr spannende Veranstaltungsform, auf der Journalisten viele Anregungen finden können.

Barcamps gibt es seit einigen Jahren überall in Deutschland. Entweder als reines Barcamp ohne eine Spezialisierung, dann sind alle Themen möglich. Oder wie zum Beispiel das CommunityCamp mit einem Fokus auf Social Media. Doch auch bei den allgemein gehaltenen Barcamps sind die Themen recht internet-lastig. Kein Wunder, schließlich treffen hier in erster Linie Nerds und Nerdinnen auf Gleichgesinnte. Doch es handelt sich keineswegs um ein Treffen für Informatiker – jedes Thema ist möglich. Wer in einer „Session“, wie die Themenslots heißen, über Journalismus reden möchte, kann das genauso tun wie über die neuesten Entwicklungen im Rubyonrails-Framework. Jeder ist willkommen und kann das Barcamp durch seine Ideen bereichern. Hier noch eine Erläuterung des Barcamp-Gedankens.

Ich selbst war letztes Wochenende auf dem Barcamp in Düsseldorf. Es war mein erstes „echtes“ Barcamp und ich bin mit sehr vielen interessanten Einblicken wieder nach Hause gekommen.

So läuft ein Barcamp ab

Zu Beginn eines Barcamps stellen die Teilnehmer ihre Sessions vor. Es stellt sich also einer nach dem anderen auf die Bühne und sagt Sachen wie: „Ich möchte mit Euch diskutieren, ob es für hyperlokalen Journalismus in Düsseldorf Platz gibt“, „Ich möchte Euch zeigen, wie WhatsApp als News-Kanal für Medien funktioniert“, aber auch „Ich möchte Euch zeigen, wie man gut massiert“. Jeder stellt dabei seine Expertise zur Verfügung und lauscht oder diskutiert mit den anderen. Ja, es sind auch Menschen bei, die ihre eigenen Dienstleistungen bewerben wollen, meistens aus der Coaching-Ecke. Solange sie nicht aktiv und aufdringlich Akquise betreiben, wird das geduldet.
Nach jeder Vorstellung einer Session melden sich diejenigen, die Interesse haben. Anhand der Anzahl der Interessenten wird der Raum ausgewählt und in den Plan für den Tag irgendwo eingebaut.
Wenn der Plan steht, beginnen die Sessions, die im Idealfall 45 Minuten dauern, aber regelmäßig überzogen werden. Man führt den ganzen Tag interessante Gespräche und tauscht sich aus und fällt regelmäßig über das aufgebaute Buffet und die Kühlschränke her. Und fast das Wichtigste: Den ganzen Tag wird die Veranstaltung mit Tweets begleitet, man bekommt die Quintessenz aus den Sessions, die man nicht besucht, auch gut über die Timeline mit.

Die Sessions

Wie bereits erwähnt, haben die Themen der Sessions sehr oft etwas mit dem Internet zu tun. Social Media, Bloggen und diverse andere IT-Themen, aber eben auch der erwähnte Massage-Workshop finden ihren Platz neben einer Krankenhaus-Fragestunde (abgehalten von einem Anästhesie-Pfleger), Neurowissenschaften, BWL- und Gründerkram bis hin zu gemeinsamen Schauen von US-Serien. Es gab mehr als fünf Sessions, die unmittelbar mit Journalismus zu tun hatten und diverser weitere mit Anknüpfungspunkten. Noch dazu fand das Barcamp bei der Rheinischen Post statt.

Die Teilnehmer

Gefühlt waren die Teilnehmer zwischen 18 und 80, zu zwei Dritteln männlich und es waren nicht nur Nerds da, sondern auch viele, die sich einfach für den Barcamp-Gedanken begeistern. Die Mehrheit macht zwar schon beruflich irgendwas mit Internet, sprich bloggen, Social-Media-Beratung, Kommunikation, Journalismus – jedoch wird auch jeder ohne Expertenwissen willkommen geheißen und hätte sich jemand eine Session zu den absoluten Social-Media-Basics gewünscht, hätte sie bestimmt stattgefunden. Das Ergebnis des Barcamps für jeden Einzelnen hängt von seiner Beteiligung ab. Wer sich nur berieseln lassen möchte und zu den Themen der Sessions keinen Zugang findet, für den ist das Barcamp nichts. Wer dagegen auf offene, technikaffine bis technikverliebte Menschen treffen und in kurzer Zeit relativ viel Neues und Inspirierendes lernen möchte, ab zum nächsten Barcamp.

Und das Schönste: Man wird nicht schief angesehen, wenn man mitten in der Unterhaltung zum Smartphone greift und twittert 😉

Hier gibt es eine Übersicht über demnächst stattfindende Barcamps in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Weitere Zusammenfassungen anderer Teilnehmer:

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5 Kommentare zu “Barcamps: Auch für Journalisten einen Besuch wert

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