Gelesen: Digital Storytelling

Bettina Blaß

Von 

Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Digital Storytelling
Digital Storytelling

Es war einmal. Wahrscheinlich gibt es kaum einen Geschichtenanfang, der bekannter ist. Alle Menschen hören gerne Geschichten, egal ob alt oder jung, ob aus einem europäischen oder amerikanischen Land. Geschichten erzählen, das wird oft auch von Journalisten verlangt. Dabei ist „Geschichte“ nicht mit „Fabel“ gleichzusetzen: Die einzelnen Bestandteile der Geschichte müssen wahr und sauber recherchiert sein. Daran hat sich auch im digitalen Zeitalter nichts geändert. Allerdings haben sich die Möglichkeiten des Erzählens verändert.

In diesem Zusammenhang spannend ist die Wirkung von Fakten: Werden irgendwelche Pflanzenextrakte im Flugzeug transportiert – oder ist es im Wesentlichen der Mateextrakt? Wird in entlegenen Urwäldern Kakao angebaut, oder ganz konkret im Virunga Nationalpark im Ost-Kongo, und im Piura Flusstal in Peru? Ich erwähne diese Beispiele, weil sie mir in meiner journalistischen Arbeit erst neulich begegnet sind, und weil sie so typisch sind für das, was im Umgang mit PR-Kollegen so oft passiert: Wir bekommen leere und austauschbare Hülsen vorgelegt. Und fragen wir nach, heißt es: „Ihr wollt es aber genau wissen“. ja, wollen wir. Denn je genauer wir es wissen, je mehr Fakten wir haben, desto besser können wir unsere Geschichten erzählen.

“Innovativ“, „kompetent“ oder „proaktiv“ sind genau das Gegenteil von dem was wir brauchen. Es sind PR-Bullshit-Bingo-Wörter. Wer bisher in seinen Presseinformationen so schreibt, oder auf Presseanfragen damit antwortet, sollte dringend das Buch Digitales Storytelling von Dieter-Georg Herbst und Thomas-Heinrich Musiolik (Werbe-Link) lesen, das mir Literaturtest für diese Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Dort nämlich geht es zu Beginn genau um diese Frage: Wie wichtig sind Fakten für eine spannende Geschichte?

Was das digitale Storytelling ausmacht

Blick ins Buch
Blick ins Buch

Im Buch geht es aber nicht einfach um Storytelling, sondern es geht um digitale Geschichten. Sie bestehen aus Audio, Video, Text und Bild – zumindest in der besten aller Onlinegeschichten, und das nicht erst seit gestern. Meinen Studierenden versuche ich das schon seit Jahren zu vermitteln, ihr Interesse daran, das Medium auszureizen leider jedoch oft nur mäßig. Möglicherweise liegt es daran, dass ihnen die guten journalistischen Beispiele häufig fehlen, denn das Multimediale wird längst nicht überall umgesetzt. Digitales Storytelling ist aber auf jeden Fall multimedial. Herbst und Musiolik weisen allerdings auf den ersten 40 Seiten des Buches mindestens dreimal darauf hin, dass es vier ganz wesentliche andere Charakteristika für das Geschichtenerzählen in Digitalien gibt:

  1. Integration
  2. Verfügbarkeit
  3. Vernetzung und
  4. Interaktivität

Neben den multimedialen Modulen geht es außerdem noch um das non-lineare Erzählen, das über Links gesteuert wird. Dabei kann der Leser selbst entscheiden welche Links er klickt, und wie weit er sich in die Tiefe verästelt.

Meine Probleme mit dem Buch

Was dann folgt, sind große Beispiele: Der Sprung aus der Stratossphäre – das ewige Best Practice Beispiel für Red Bull beispielsweise. Oder Snow Fall. Mag alles toll sei. Aber: Mit Alltag hat das wenig zu tun. Dies sind eher die großen Momente des Storytelling, die ein Unternehmen oder auch ein Medium vielleicht einmal im Jahr oder auch seltener schafft. Zu selten, um immerwährend damit Erfolg zu haben. Zu aufwändig, um den Erfolg stetig zu wiederholen. Und möglicherweise auch zu langweilig, wenn man alle seine Geschichten so erzählen möchte.

Mir fehlt eine Handreichung dafür, digitales Storytellung jeden Tag aufs neue umzusetzen. Bei jeder Geschichte, die ich ins bringe. Eine Anleitung, die auch kleinen Agenturen oder Lokalzeitungen dabei hilft, ihren Weg in Digitalien zu finden, ohne dass die Arbeitslast für den Einzelnen zu viel wird.

Im Buch geht schließlich noch um die Rolle des Menschen für eine spannende Geschichte, und auch darum, dass Kanäle im Netz einzeln bedient werden müssen. Auch wenn beides richtig ist – wie letzteres geht, wird nicht verraten.

Alles in allem ist mir das Buch zu theoretisch – trotz der Hinweise auf viele gute Beispiele im Netz. Ich hätte mir gewünscht, dass ein solches Beispiel einmal analysiert wird: Wie sieht das Storyboard aus? Was wird warum wie und wann auf welchem Kanal publiziert? So bleibt das Buch eine Einführung – aber mehr will es nach eigenen Worten ja auch gar nicht sein.

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2 Kommentare zu “Gelesen: Digital Storytelling

  1. Danke für die Rezension. Kommt für mich leider zu spät, habe mir das Buch auch gekauft und hatte die selben Gedanken. Die Best Practice-Beispiele Snowfall und der Stratosphärensprung sind nicht alltagstauglich. Da hätte ich mir was „bodenständigeres“ gewünscht.

    Welche guten Bücher gibt es mit praktischen Beispielen in Sachen Storytelling? Bin für Empfehlungen dankbar.

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