Leserfrage: Einstieg ohne Volontariat?

Timo Stoppacher

Von 

Freier Journalist mit Schwerpunkt Technik, Sachbuchautor und Dozent. Nerd, Geek und vieles mehr. Homepage: www.timo-stoppacher.de Weitere Profile von mir: @CGNTimo, Facebook und Google+. E-Mail timo@stoppacher.de

Auch bei dieser Leserfrage geht es um den Quereinstieg in den Journalismus. Ich persönlich finde es ja schade, wenn Menschen rückblickend finden, dass sie eine falsche Entscheidung hinsichtlich des Studienfachs getroffen haben. Aber ich der festen Überzeugung, dass es nie zu spät ist nochmal neu anzufangen, gerade wenn man noch nicht in einer Karriere „festgefahren“ ist.

Sehr geehrter Herr Stoppacher,

über jahrelange Umwege bin ich vor einiger Zeit wieder auf meinen Wunsch, Journalistin zu werden, zurückgeworfen worden.
Mit 21 begann ich ein Studium der Anglistik und Philosophie, wechselte aber nach 4 Semestern in den Studiengang Soziale Arbeit, was ich zutiefst bereue.

Nun bin ich 29 Jahre alt und habe vor kurzem mein Masterstudium abgeschlossen. Nach Beendigung des Studiums explodierte der Wunsch, journalisisch tätig zu sein, wie ein Vulkan, da mein literarisches und künstlerisches Talent für mehrere Jahre unter einer Kruste weilten. Wie Geysire schossen diese Begabungen während des Studiums natürlich immer mal wieder hervor, wenn es um Hausarbeiten und Abschlussarbeiten ging, die ich regelmäßig auf eine philosophisch-ethische und sozialpolitische Ebene hob.
[…]

Ich habe mich bereits ein wenig informiert und herausgefunden, dass ein Volontariat obligatorisch ist, um in den Beruf des Journalisten zu kommen. Leider ist meistens eine der Voraussetzungen eigene journalistische Proben einzureichen und die Bescheinigung eines Praktikums in einer Redaktion. Beides habe ich leider nicht. Auch frage ich mich, ob ich mit 29 nicht schon zu alt bin und die Chancen deshalb nicht gut stehen und man mich nicht ernst nimmt, da ich Soziale Arbeit studiert habe und das wohl nur zu der Frage führen wird, in welcher Weise mich das für eine journalistische Laufbahn qualifiziert, auch wenn ich durch das Studium immer wieder mit gesellschaftspolitischen Dingen in Theorie und natürlich in der Praxis (z.B. Flüchtlingsarbeit, Armut, Bildungsungleichheit etc.) zu tun habe, was ja der Kern der Sozialen Arbeit ist.
Denken Sie, dass ich die fehlenden Anforderungen durch ein aussagekräftiges Motivationsschreiben ausgleichen könnte?
Gibt es noch andere Wege in den Journalismus?

Ich würde mich über Ihre Antwort sehr freuen!

Mit freundlichen Grüßen
Cecilia Z. (Name bekannt)

Meine Antwort:

Erst mal herzlichen Glückwunsch zum Master. Wenn man ein Studienfach erfolgreich abschließt, dessen Wahl man eigentlich bereut, ist das ja kein schlechtes Zeichen.

Natürlich haben viele erfolgreiche Journalisten ein Volontariat absolviert. Es gibt jedoch auch viele, die es ohne ein Volontariat geschafft haben. Wobei natürlich die Frage ist: was bedeutet geschafft?

Doch in der Tat sieht es mit quasi Null Vorerfahrung sehr schwierig aus, ein Volontariat zu bekommen. Aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten des Einstiegs. Wichtig wäre, dass Sie einfach mal in eine Redaktion rein schnuppern. Zum Beispiel mit einem Praktikum.
Dann lernen Sie mal den Alltag kennen. Idealerweise suchen Sie sich dann natürlich eine Redaktion aus, die einen ihrer Interessenschwerpunkte bearbeitet. Vielleicht ein Fachmagazin aus der Welt der sozialen Arbeit?

Es gibt auch Fernstudiengänge, bei denen sich nebenberuflich zur Journalistin weiterbilden können. Natürlich ist davon das meiste Theorie, aber so ein abgeschlossener Lehrgang zeigt zumindest, dass Sie nicht mehr bei null anfangen, wenn sich irgendwo in einer Redaktion vorstellen. Außerdem brauchen Sie Praxis. Schreiben Sie doch einfach mal 2-3 Artikel und veröffentlichen diese zum Beispiel in einem Blog. Quereinsteiger sind auch bei den jungen Redaktion großer Medien wie Bento gern gesehen, wenn sie einen völlig neuen Blick auf bekanntes mitbringen. D.h. Sie bewerben sich nicht als Person, sondern bewerben sich mit Themenvorschlägen.

Es ist gut, dass Sie mit Ihrem Master auch noch ein anderes Standbein haben, denn im Journalismus gibt es wenig sichere feste Jobs. Viele Arbeiten selbstständig. Das ist nicht das schlechteste, aber am Anfang sehr schwierig.

Viele Grüße

Timo Stoppacher

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