Raus aus dem Motivationsloch

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Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Kennt Ihr das? Ihr sitzt vor dem Computer und habt überhaupt keine Lust? Ein neuer Artikel, eine neue Recherche, schon wieder ein Interview. Und Ihr würdet alles lieber machen, nur nicht Eure Arbeit? Blumen gießen wäre toll, ein Kaffee, einige Stunden beim Sport? Was macht Ihr dann, um Eure Motivation wieder in Schwung zu bringen?

Ich denke, grundsätzlich muss man unterscheiden, ob man nur kurzfristig völlig lustlos ist, oder ob sich ein Dauerzustand breit macht. Bei kurzfristiger Lustlosigkeit gibt es einige Tricks:

Was tun, wenn die Motivation fehlt?
Was tun, wenn die Motivation fehlt?
  • Es sitzt dir kein Termindruck im Nacken? Dann geh’ doch tatsächlich einfach mal vom Schreibtisch weg. Vielleicht sieht die Welt morgen ganz anders aus. Als Freiberufler kannst du dir deine Arbeitszeit sowieso selbst einteilen. Vielleicht kannst du als Festangestellter Überstunden abbummeln oder spontan einen halben oder ganzen Tag Urlaub nehmen.
  • Du hast Termindruck oder kannst nicht einfach weglaufen? Dann arbeite einfach weiter. Denke erst gar nicht darüber nach, dass du keine Lust hast, verbiete dir diese Gedanken. Arbeite einfach. Oft ist nach kurzer Zeit das Tief überwunden. Und falls du doch zauderst, denke an die Rate oder Miete, die zum Monatsende oder -anfang überwiesen werden muss. Das kann beflügeln.
  • Falls du an einem neuen Thema sitzt, reicht es oft schon, sich damit zu beschäftigen. Denn häufig steckt in neuen Themen ein Reiz und viel Interessantes, was man noch nicht wusste. Das kann neue Motivation geben. Sitzt du an den immer gleichen Themen, solltest du in der Redaktionskonferenz ein Thema vorschlagen, dass dich wirklich interessiert. Arbeit macht mehr Spaß, wenn man sie mit seinen persönlichen Interessen füllen kann. Mir hat außerdem ein Unternehmensberater in einem Interview einmal gesagt:“Wer behauptet eigentlich, dass Arbeit Spaß machen muss? Sie soll Ihnen durch das verdiente Geld Ihren Lebensstandard sichern. Der Rest ist irrelevant!“ – harte These. Manchmal aber auch hilfreich.

Wenn der Zustand länger anhält

Deutlich schwieriger wird es, wenn der Zustand der Motivationslosigkeit sich über Tage und Wochen zieht, und man sich bei jeder neuen Aufgabe einen Tritt geben muss. Ich gebe zu, dass ich diesen Zustand in den 19 Jahren als hauptberufliche Journalistin schon häufiger erreicht hatte. Was mir dabei immer hilft, ist aus dem Alltag auszubrechen, nicht stunden- oder tageweise, sondern für einige Wochen. Zwei Wochen reichen nach meiner Erfahrung nicht aus, drei Wochen sind ok, vier Wochen äußerst hilfreich. Logisch, das muss man sich auch leisten können, zeitlich und finanziell. Wenn ich mir diese Auszeiten genommen habe, bin ich gereist: Vietnam, China, USA, Kuba, Indien, Argentinien. Je weiter ich weg bin, desto größer ist der Erholungsfaktor. Und mit deutlich mehr Lust gehe ich an den Schreibtisch zurück. Ein Zustand, der über Wochen, manchmal auch Monate anhält. Übrigens: ich checke im Urlaub meine Mails, ich lese Nachrichten, ich blogge und teste Apps. Denn grundsätzlich liebe ich meinen Beruf. Auch im Urlaub. Nur: Ich brauche neue Eindrücke. Eine meiner besten Erfahrungen war übrigens, meinen Job in einem komplett anderen Umfeld zu machen, als ehrenamtliche Reporterin bei der britischen NGO Village Africa in Tansania. Dort habe ich ohne Strom ein hyperlokales Blog geführt. Und danach kam ich mit völlig neuer Begeisterung an den Schreibtisch zurück. Ein Zustand, der mich lange beflügelt hat. Auch die Arbeit als Austauschdozentin an der University of Memphis hat mir viel neue Inspiration gegeben. Darum mein Tipp: Wer die Möglichkeit hat, im Ausland ein Praktikum zu machen, dort ehrenamtlich zu arbeiten oder auch bezahlt, der sollte das auf jeden Fall tun.

Ist keine Arbeit im Ausland möglich und auch keine längere Auszeit, dann ist Bloggen eine gute Möglichkeit, die Motivation zu steigern: Man bearbeitet die Themen, die man mag, setzt sie so um, wie man möchte, bekommt im besten Fall Anerkennung und Lob von Lesern oder Zuschauern – eventuell verdient man sogar Geld damit. Darum gehört Bloggen zu meinem Arbeitsalltag: Ich versuche, täglich zu bloggen, hier, auf Wirtschaft verstehen, oder Op jück.

Achtung, Motivationslosigkeit kann auch ein Anzeichen dafür sein, dass man sich über lange Zeit übernommen hat. Im schlimmsten Fall droht ein Burn out. In diesen Situationen ist es natürlich kontraproduktiv, um jeden Preis weiterzupowern. In diesen Fällen ist es dringend nötig, die Reißleine zu ziehen und sich Hilfe von außen zu holen. Wer also unter Motivationslosigkeit leidet, sollte in sich hineinhorchen und versuchen zu klären, woher die fehlende Lust an der Arbeit kommt.

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