Leipzig School of Media: Masterausbildung zu „Agenten des Wandels“

Bettina Blaß

Von 

Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

NMJ - New Media Journalism
NMJ – New Media Journalism

*Anzeige* Digitalisierung ist ein Prozess, der sich durch sämtliche Branchen zieht, weltweit. Auch vor Journalismus macht sie nicht halt: Abläufe, Darstellungsformen, Produktionsmöglichkeiten – es verändert sich viel, und das ständig. „Wir müssen unser Angebot in den Details ständig neu ausrichten“, sagt so auch Kai Voigtländer, Seminarleiter an der Akademie für Publizistik in Hamburg. Dort werden jährlich 1.000 Teilnehmer in Fachseminaren geschult, und rund 350 Volontäre bekommen hier eine journalistische Ausbildung. Hinzu kommen die Teilnehmer des Studiengangs New Media Journalism der Leipzig School of Media. Der Masterstudiengang ist berufsbegleitend, die Studenten treffen ihre Dozenten einmal im Monat von Donnerstag bis Samstag, und zwar an vier unterschiedlichen Standorten: in Leipzig, in Hamburg an der Akademie für Publizistik, in Salzburg und Luzern. Auf dem Stundenplan stehen die Themen Crossmediales Produzieren, Multimedia-Recht oder Internationale Online-Geschäftsmodelle. Zu „Agenten des Wandels“ sollen die Studierenden werden, sagt Voigtländer. Die Kosten: 3850 Euro pro Semester plus Prüfungsgebühr. Die Anreise zu den Präsenztagen sowie die Unterbringung und Verpflegung kommen dazu.

Die Leipzig School of Media
Die Leipzig School of Media (LSoM) ist eine Tochtergesellschaft der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig. Die vier Masterstudiengänge an der LSoM werden in Kooperation mit der Universität Leipzig und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig durchgeführt.

Für Jan Derrer hat sich der Preis gelohnt. Er war TV-Redaktor beim Schweizer Fernsehen, als er sich entschloss, den Master zu machen. Mit 40 Jahren war er damals der Älteste im ersten Jahrgang New Media Journalism. Nach seinem Abschluss begann er beim Tages-Anzeiger als VJ, also Videojournalist und Online-Redaktor zu arbeiten. Bei der konvergenten Neuaufstellung des Tages-Anzeiger strukturierte er die Bildredaktion um und bildete die Fotografen zum Thema Video weiter. Heute leitet er das Video- und Multimedia-Team und ist Projektleiter für multimediales Storytelling. „Das wäre ohne diese Zusatzausbildung nie möglich gewesen“, ist er sich sicher. „Wer die Digitalisierung meistern möchte“, so Derrer, „der muss sich weiterbilden. Ganz besonders dann, wenn ihm die Onlineerfahrung fehlt.“

Auswahl der passenden Fotos
Auswahl der passenden Fotos

Das sieht Christina Bürker genau so. Sie hat die 50 hinter sich gelassen, arbeitet als freiberufliche Redakteurin und Lektorin für Verlage und Unternehmen. Bis sie ihr Studium aufnahm, hatte sie kein Smartphone, jetzt muss, jetzt will sie sich damit auseinandersetzen. „Ich habe noch fast 20 Arbeitsjahre vor mir“, sagt sie. „Ich will mithalten können und mir durch das Studium auch langfristig neue Kunden erschließen.“ Ihre Kommilitoninnen Manuela Morgenthaler und Vera Gächter sind deutlich jünger, doch auch sie treibt die Entwicklung des Journalismus um: „Wer weiß, wie lange Fernsehen in seiner heutigen Form noch existiert?“, fragt Manuela Morgenthaler, die bei einem TV-Sender ihre Arbeitszeit reduziert hat, um den Master zu machen. Sie hat wie Vera Gächter und Christina Bürker sehr bewusst die Leipzig School of Media und den Studiengang New Media Journalism ausgesucht: „Der Studiengang wird in Kooperation mit der Universität Leipzig durchgeführt. Sie hat einen hervorragenden Ruf“, sagt Christina Bürker. „Man muss nicht lange erklären, was man warum macht. Außerdem schätze ich das internationale Umfeld: Wir sind Deutsche und Schweizer, in anderen Jahrgängen waren auch Österreicher dabei. Und wir lernen in drei Ländern unterschiedliche Medienstrategien und -systeme kennen.“

Zu Besuch beim 7. Jahrgang in Hamburg

Wir treffen Christina Bürker und ihre Kommilitonen an Christi Himmelfahrt in der Nähe der Alster in Hamburg. Crossmediales Produzieren steht auf dem Stundenplan, der Unterricht beginnt mit einer Abfrage: Wer hat welches Material zur Vorbereitung mitgebracht? Ein Team hat Videos mit der 5-Shot-Technik gedreht, Fotos und Audioaufnahmen bei Sportveranstaltungen gemacht. „Habt Ihr einen sauberen Ton?“, fragt Dozent Michael Hauri. Die Studierenden nicken. Ein anderes Team hat sich als Projektthema Promi-Gräber in Hamburg ausgesucht. Christina Bürker war auf dem Friedhof Weißensee bei Berlin und hat dort erste Bilder gemacht: Sie will sich mit der Geschichte des Friedhofs auseinandersetzen.

Die neun Studierenden im 7. Jahrgang haben ganz unterschiedliche Vorkenntnisse: Einige kommen aus Fernsehredaktionen – „denen müssen wir nicht erklären, wie man ein Video macht“, sagt Hauri. „Mit ihnen unterhalten wir uns eher über 360-Grad-Videos oder Einsatzmöglichkeiten für Virtual Reality und News-Games“. Andere Studierende wie Christina Bürker kommen aus dem Printjournalismus: Für sie sind Videoaufnahmen mit dem Smartphone in guter Qualität Neuland. Hauri arbeitet seit fünf Jahren als Dozent im Modul New Media Journalism. Gemeinsam mit zwei Kollegen betreut er die Studierenden, wenn sie in Hamburg sind. Die größte Herausforderung: „Den Unterricht so gestalten, dass jeder sich weiterentwickeln kann und keiner sich langweilt.“ Darum hat jeder Student sein eigenes Projekt, man arbeitet maximal als Tandem zusammen. Bevor die praktische Arbeit an Christi Himmelfahrt beginnt, wird für jeden das Ziel des Präsenzmoduls individuell festgelegt. Dann verteilen sich die Kleinstgruppen auf die unterschiedlichen Räume. Die Dozenten gehen von Raum zu Raum, geben dort Unterstützung, wo sie nötig ist. Christina Bürker entwickelt gemeinsam mit einem Dozenten ein Konzept. Im nächsten Schritt bekommt sie eine Einführung in die Themen Video- und Tonaufnahmen mit dem Smartphone. Wenn sie ihre ersten Videos aufgenommen hat, wird sie sich mit dem Schnittprogramm auf dem Rechner auseinandersetzen. Bis Samstagmittag will sie die Werkzeuge so gut beherrschen, dass sie zurück in Berlin ihr Multimedia-Projekt fertigstellen kann.

Journalismusausbildung in Zeiten der Medienkrise

Kann man eigentlich mit gutem Gewissen einen Masterstudiengang in Journalismus anbieten, während es kaum Festanstellungen gibt und Freie immer schlechter bezahlt werden? „Das ist zwar in Deutschland so“, sagt Kai Voigtländer. Zumindest in der Schweiz sei die Situation jedoch sehr anders. Davon abgesehen: „Aufgeben gilt nicht!“, sagt der studierte Theologe und Kunsthistoriker, der viele Jahre frei fürs Fernsehen, für Print und Hörfunk gearbeitet hat. Jetzt ist er seit acht Jahren Seminarleiter an der Akademie für Publizistik, und er hat eine Mission: „Verlagshäuser sollten die Digitalisierung als Chance begreifen“, sagt er. „Ich will unsere Absolventen so fit machen, dass sie den digitalen Wandel in den Medien vorantreiben können.“

Kai Voigtländer über New Media Journalism

Auch sein Dozenten-Kollege Michael Hauri versteht die Digitalisierung als Chance. „Aber“, so sagt er, “wer weitermacht wie bisher, wird sich schwer tun.“ Wichtig sei es, flexibel zu bleiben. Er wünscht sich, dass Redaktionen mehr experimentieren, um zu sehen, wie sich neue Kanäle und Darstellungsformen im Journalismus einsetzen lassen. „Natürlich haben wir vor fünf Jahren auch schon Twitter und Facebook für unser Storytelling genutzt“, sagt er. „In der Zwischenzeit sind aber auch Instagram, Periscope und Snapchat dazugekommen. Welche Kanäle man für seine journalistischen Geschichten einsetzt, das hängt immer von der Zielgruppe ab.“ Was in fünf Jahren das nächste große Ding sein wird? „Keine Ahnung“, sagt Hauri. „Das ist heute aber auch egal. Ich will die Grundhaltung vermitteln, dass die Technologie unser Freund ist. Wer das verinnerlicht hat, muss die Zukunft nicht fürchten.“

Die Leipzig School of Media hat diesen Artikel bezahlt.

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