Schreibblockade: Keine Angst vor dem weißen Blatt Papier

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Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Vermutlich hat das jeder Journalist schon erlebt: Die Angst vor dem weißen Blatt Papier. Man soll etwas schreiben, und es geht einfach nicht. Eine Blockade im Kopf. Gleichzeitig sitzt einem der Redaktionsschluss oder Abgabetermin im Nacken. Was tun?

Die Angst vor dem weißen Blatt Papier ist kein Anfänger-Problem. Auch nach 17 Jahren als hauptberufliche Journalistin packt sie mich von Zeit zu Zeit. Ich habe festgestellt, dass sie mich gerne in zwei ganz bestimmten Situationen überkommt:

  • Ich arbeite für einen neuen, gutzahlenden Kunden. Und aus irgendwelchen Gründen denke ich, ich werde seinen Ansprüchen nicht gerecht.
  • Ich muss einen sehr langen Artikel ab etwa 9.000 Zeichen schreiben.

Was mache ich in diesen Situationen?

Weißes Blatt Papier
Weißes Blatt Papier

Absurderweise ist das einzige, was gegen die Angst vor dem weißen Blatt Papier hilft, das Schreiben. Also muss man sich selbst dazu bringen, genau dies zu tun. Zunächst versuche ich es meist trotzdem erst einmal mit einer Unterbrechung: Ich esse oder trinke etwas. Manchmal kann ich dann im zweiten Anlauf die Situation meistern. Manchmal aber auch nicht. Je mehr Zeit ich habe, den Text abzugeben, desto weiter schiebe ich ihn dann. Was wiederum zur Folge hat, dass der Druck täglich ein bisschen höher wird, die Schreibblockade also zunimmt.

Um nicht in unnötigen Zeitdruck zu kommen, überliste ich mich: Ich wechsle die Rolle vom schreibenden Schöngeist in die eines Handwerkers, vielleicht eines Bildhauers, der zunächst grob an seinem Material meißelt und feilt, und dann irgendwann den Feinschliff macht. Diese Technik hilft bei mir immer – und sie geht so:

Der Journalist als Bildhauer

Neben mir liegt ein mehr oder weniger hoher Berg an Material: Ausgedrucktes und meine handschriftlichen Notizen von den Telefoninterviews. Ich ordne diese nun nicht, schaue sie auch nicht noch einmal durch, sondern beginne einfach mit den Informationen, die oben liegen: Ich fasse schreibend zusammen, was dort steht und baue direkt meine Zitate ein. Allerdings beginne ich nicht am Anfang des Textes, sondern irgendwo. So arbeite ich mich durch den gesamten Stapel: Mal schreibe ich vor dem ersten Absatz etwas, mal dahinter, mal wird ein Absatz ergänzt. Dabei passe ich ständig die Übergänge an. Solange, bis am Ende ein runder Text herauskommt. Der bekommt im letzten Schritt seinen Feinschliff – et voilà.

Das Gute dabei: Während ich schreibe, konzentriere ich mich so stark auf den Inhalt, dass ich sämtliche Befürchtungen, den Text niemals oder nicht gut genug stemmen zu können, einfach vergesse. Das Resultat ist in aller Regel gut. Anders ist es, wenn ich mich in solchen Momenten zwinge, einen Text streng von oben nach unten zu schreiben: Der wird dann meist fad, grau und ohne jeglichen Fluss. Ihn zu überarbeiten dauert wesentlich länger, als die Bildhauermethode anzuwenden – ist zumindest meine Erfahrung.

Übrigens: Wer von der Angst vor dem weißen Blatt Papier gepackt wird, weil er nur unregelmäßig schreibt, und weil der letzte Artikel schon einige Wochen zurück liegt, der sollte bloggen. Regelmäßig einen Beitrag auf der eigenen Plattform zu veröffentlichen, schult und verbessert das Schreiben. Was macht Ihr gegen die Angst vor dem weißen Blatt Papier?

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7 Kommentare zu “Schreibblockade: Keine Angst vor dem weißen Blatt Papier

  1. Die weiße-Blatt-Phobie ist bei mir vor allem eine Erster-Satz-Phobie. Ich bewundere Kollegen, die mittendrin anfangen, den Text bis zum Ende durchschreiben und dann den Anfang formulieren. Das klappt bei mir nie, weil ich den ersten Satz brauche – und zwar einen guten, sonst grübelt ein Teil meines Hirns die ganze Zeit darüber nach, wie er besser wäre.

    Aber mit der Bildhauermethode könnte ich dieses Problem vielleicht überlisten, weil ich ja den Text nicht mittendrin anfange, dann aber stringent runter schreibe, sondern sozusagen ein Baukastensystem aufbaue. Vielen Dank für den Tipp. Ausprobieren werde ich das auf jeden Fall.

  2. Gute Idee, das mit dem Handwerker! Bei mir hilft tatsächlich der Druck gegen eine Schreibblockade. Wenn ich gar keine Zeit mehr habe, mache ich mir keine Gedanken darum, ob mein Text nun gut oder schlecht wird, sondern schreibe einfach. Meistens bleibt genügend Zeit, noch Korrektur zu lesen. Dann bin ich im Endeffekt zufrieden mit dem Text, erleichtert, dass ich ihn geschrieben habe, und manchmal ganz verblüfft, dass ich den Text tatsächlich geschrieben habe. Denn Schreibblockaden befallen mich in der Regel, wenn ich über ein Thema schreiben soll, das ich nicht kenne oder das mich nicht interessiert.

  3. Ich arbeite seit Jahren ganz genau so und kann den Erfolg der Methode nur bestätigen! Fällt mir nix ein, fange ich einfach mit irgendetwas an. Manchmal nicht einmal von meinem Material ausgehend, sondern von irgendeinem Gedanken, der mir zum Thema ganz spontan „erschienen“ ist. Es kann auch sein, dass ich das später für Unsinn halte und wieder lösche, aber dann bin ich bereits im Textfluss und kann weiter „handwerkern“. Aus anfänglichem Gedankenchaos sind schon oft richtig gute Artikel geworden, auf die ich auch nach Jahren noch stolz bin…

  4. Ich kenne ein paar Kollegen, die immer so arbeiten.
    Gegen Schreibblockade mag das helfen, nur besteht aus meiner Sicht die Gefahr, dass man zu viel in den Text reinpackt und vom Thema abweicht. Weil man vor dem Schreiben sich keinen roten Faden überlegt hat, nicht festgelegt hat, was will ich eigentlich sagen? Und weil man nicht sortiert hat, die zu vernachlässigbaren Infos von den wirklich relevanten.
    Das mit dem Bloggen habe ich selbst auch so erlebt.
    Ein anderer Tipp ist: Sich vorstellen wie man das Thema seiner Oma, Mutter, besten Freund etc. erklären würde, also mündlich. Und das dann in etwa genauso schreiben.
    Und bei wirklich komplizierten Texten bekomme ich die besten Einfälle beim Joggen und nicht am Schreibtisch.

  5. Hi,

    ich bin zwar keine professionelle Journalistin, sondern „nur“ Bloggerin – aber das Problem kenne ich genauso… Auch auf seinem Blog möchte man gute Texte produzieren und manchmal habe ich soviel Informationen in meinem Kopf, dass ich garnicht weiß, womit begonnen wird – ich habe dann einen leeren Bildschirm. Mir hilft es in solchen Fällen einfach mal das Schreiben auf einem Blatt Papier anzufangen – neues Medium und es flutscht.

    Aber die Bildhauermethode finde ich ebenfalls gut und werde sie gleich bei der nächsten Blockade ausprobieren.

    Grüße Heike

  6. Tatsächlich verhält es sich bei mir ganz ähnlich, wie bei dem ersten Kommentator. Gerade im Bereich des Musikjournalismus, in dem ich mich auf meinem Blog quasi ausschließlich bewege, brauche ich für einen Text einen guten „Aufreißer“. Irgendetwas, dass das Interesse weckt und einen Rahmen schafft, in dem man die gehörte Musik einordnen kann.

    Immer wieder scheitere ich daran diesen „Aufreißer“ vernünftig zu formulieren und komme so erst gar nicht dazu das eigentliche Thema zu bearbeiten, oder kann es dann nur um Nachgang relativ schluderig runterschreiben. Eventuell könnte die Handwerker-Methode da aber sogar helfen. Um auf das Wesentliche zu kommen und daraus, ganz nebenbei, einen guten Einstieg für den Text formen zu können.

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