Stellenanzeigen: Der geheime Code

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Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Möglichst jung sollte der Traumbewerber sein, aber auch berufserfahren, teamorientiert, belastbar, mit exzellenten Abschlussnoten. Zusätzlich: fließende Fremdsprachenkenntnisse in Englisch, Spanisch und Russisch, flexibel und motiviert. Kurz und gut: Es wird die eierlegende Wollmilchsau gesucht – denken sich potenzielle Bewerber.

Stellenanzeigen richtig interpretieren
Stellenanzeigen richtig interpretieren

Ganz stimmt das nicht: Um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, reicht es, zwei Drittel bis zu drei Viertel der Anforderungen im Stellenangebot zu erfüllen. Aber welche drei Viertel einer großen Anzeige sind das? Begriffe wie „Flexibilität“ schreibt beispielsweise jedes Unternehmen in eine Anzeige. Das Wort ist jedoch nicht mehr als eine leere Floskel. Genau so wie die Attribute „erfolgsorientiert“, „verantwortungsbewusst“, „zuverlässig“ und „charismatisch“. Wichtig sind absolute Aussagen und Superlative: Wird fließend Englisch verlangt, kommt kein Bewerber ohne diese Kenntnisse in die Nähe des Vorstellungsgesprächs. Ist eine Voraussetzung für den Job ausschlaggebend, erkennt man sie an diesen und ähnlichen Formulierungen: „unabdingbar ist“, „erforderlich ist“, „erwartet wird“, „Voraussetzung ist“ oder „Bedingung ist“. Außerdem gelten die drei ersten Kriterien bei den Anforderungen als ausschlaggebend. Hier verhält es sich wie im Journalismus: Das Wichtigste steht ganz oben.

Was wird da eigentlich verlangt?

Hat man das Wesentliche aus einer Anzeige herausgefiltert, stellt sich die Frage, was es bedeutet.

  • Sie kommunizieren gerne“: Man muss zuhören können und sich mit Ideen der anderen auseinandersetzen.
  • In enger Abstimmung mit der Geschäftsführung“ bedeutet, dass man häufig Rücksprache hält und die Geschäftsführung ihre Kontrollfunktion nutzt.
  • Selbstständiges Arbeiten“ heißt: Sie nerven, wenn Sie wegen allen Zwischenschritten Rücksprache mit dem Vorgesetzten halten. Sie haben Entscheidungsfreiheit – und sollten die nutzen.
  • Zwei bis drei Jahre Berufserfahrung“: Als Einsteiger sollte man sich darauf nur bewerben, wenn man nachweisen kann, dass man nebenher schon viel gemacht hat. Wer mehr Berufserfahrung hat, wird wahrscheinlich Gehaltseinbußen hinnehmen müssen.
  • Berufseinsteiger“ sind unter 30 Jahre – außer man hat seinen Doktor gemacht.
  • Im Team arbeiten“ heißt nicht „andere unterordnen“, sondern sich selbst unterordnen. Es bedeutet auch: sich selbst und neue Ideen einbringen.
  • Unternehmerisches Denken“: Sie müssen immer den Zeit- und den Kostenfaktor im Blick behalten.
  • Mobilitätsbereitschaft“ fordert mehr, als nur in ganz Deutschland unterwegs zu sein. Der Arbeitgeber kann dann auch verlangen, durch ganz Europa oder weltweit zu reisen.
  • Konfliktfähigkeit“ wird oft erwartet, wenn in internationalen Teams gearbeitet wird. Es bedeutet, man muss persönliche Sympathien und Antipathien aushalten können und mit Andersdenkenden klar kommen.

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