Arbeitssucht: Angst vor dem großen Knall

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Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Bis spät im Büro sitzen, mitten in der Nacht E-Mails beantworten, keinen Urlaub nehmen und falls doch die ganze Zeit telefonisch erreichbar sein, krank zur Arbeit gehen, am Wochenende präsent sein – ist es das, was sich Unternehmen von ihren Mitarbeitern oder Dienstleistern wünschen? Gerade im Journalismus könnte man das annehmen, denn Nachrichten werden auf dem Globus rund um die Uhr produziert. Allerdings: Wer darum als Journalist immer erreichbar sein will, tut sich und anderen keinen Gefallen.

Wer sich für unersetzlich für die Firma oder den Kunden hält, ist auf dem besten Weg, ein Workaholic zu werden. Das klingt zunächst gut – nach jemandem, der viel arbeiten kann und will, nach einem Leistungsträger in der Gesellschaft. Aber: Workaholismus ist eine Suchterkrankung. Die Arbeit gibt Befriedigung. Wer jedoch arbeitssüchtig ist, flieht oft vor der Realität, vor der Familie oder privaten Problemen.

Vorsicht Fehlerteufel

Zu wenig Entspannung führt jedoch häufig zu einer hohen Fehlerquote. Erste Zeichen sind beispielsweise zu viele Flüchtigkeitsfehler in E-Mails, sehr früh oder sehr spät versendete Nachrichten, ausbleibende Reaktionen auf Anfragen oder vergessene Termine. Je mehr Fehler ein Angestellter oder Freiberufler macht, desto schwieriger wird die Situation beim Arbeitgeber oder mit dem Kunden.

9 to 5 ist im Journalismus kaum möglich - aber rund um die Uhr zu arbeiten, ist auch keine Lösung.
9 to 5 ist im Journalismus kaum möglich – aber rund um die Uhr zu arbeiten, ist auch keine Lösung.

Häufig wird bei Workaholismus außerdem übersehen, dass die gesundheitlichen und finanziellen Schäden enorm sind. Denn durch Arbeitssucht kann es zu psychosozialen Erkrankungen kommen: Kopfschmerzen und Magenverstimmungen, Rücken- und Nackenbeschwerden. Aber auch Schlaganfall, Herzinfarkt, eine Depression oder auch ein Bandscheibenvorfall können Folgen von Arbeitssucht sein. Diese Krankheiten bringen oft langfristige Ausfälle von bis zu sechs Monaten mit sich. Die Kosten für einen solchen Ausfall schätzen Experten bei Arbeitnehmern auf bis zu 50.000 Euro. Freiberufler könnte es noch härter treffen: Wenn sie ein halbes Jahr ausfallen, sind unter Umständen die Kunden weg, und man beginnt wieder bei Null.

Wer nicht selbst die Arbeits-Bremse ziehen kann, braucht Hilfe von außen: Die Berufsgenossenschaften und viele Krankenkassen bieten Seminare zu den Themen Workaholismus, Burnout oder zu Entspannungstechniken an. Nutzen muss der Betroffene sie jedoch selbst. Arbeitgeber können direkt auf ihre Mitarbeiter zugehen, und ihnen entsprechende Seminare als Fortbildung anbieten. In vielen Städten bieten außerdem die Anonymen Arbeitssüchtigen (AAS) Gesprächsrunden an. Infos unter www.arbeitssucht.de.

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