Daniel Grosse über die 7 Fehler im Lokaljournalismus und sein eBook

Bettina Blaß

Von 

Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Daniel Grosse
Daniel Grosse

Daniel Grosse ist freier Journalist, Redakteur und Autor. Seit 2006 schreibt er über Recht, Beruf, Arbeit sowie Bauen und Wohnen, und das für Print- und Online-Magazine. Mit seinem hyperlokalen Blog Marbach direkt bereichert er außerdem die Marburger Medienlandschaft. Jetzt hat er ganz im Sinne des so genannten entrepreneurial journalism ein eBook über Lokaljournalismus gemacht. Unter entrepreneurial journalism versteht man, dass Journalisten wirtschaftlich denken und handeln, sich also als Unternehmer verstehen und beispielsweise unabhängig von Auftraggebern ihre Projekte verwirklichen, um damit Geld zu verdienen.

Warum hast du ein eBook über Lokaljournalismus geschrieben?

Daniel: Weil das die Form des Journalismus ist, die ich gelernt habe – damals als Praktikant und Pauschalist bei der Oberhessischen Presse in Marburg und später als Volontär bei der Hessische Niedersächsische Allgemeine in Nordhessen. Lokaljournalismus macht einfach Spaß: Er ist nah dran und greifbar. Wenn du an Redaktionskonferenzen teilnimmst, Zeitungsseiten baust, zu Terminen ums Eck gehst, dort fotografierst, bist du mitten drin. Du gestaltest, und du lernst. Das geht alles rasend schnell. Lokaljournalismus ist sehr lebendig, sowohl die Recherche als auch das Zeitungmachen an sich. Dies lässt sich wunderbar beschreiben, so wie ich es getan habe mit meinem kleinen Ratgeber „Mit Stift und Block – Schritt für Schritt zum Journalisten“.

Was ist das Besondere am Lokaljournalismus?

Die Themen liegen vor der Haustür. Die Geschichten, die den Lokaljournalismus ausmachen, spielen meist in unserer Nähe. Der Lokaljournalismus dient uns, die wir im Dorf oder einer Stadt leben und arbeiten, damit wir etwas erfahren über unsere Region und uns dort besser zurecht finden. Lokaljournalismus will seine Leser über lokale Machtstrukturen informieren. Er soll Missstände vor Ort aufdecken. Und Lokaljournalisten sind Anwälte der Leser. Genug der Theorie: Aus Sicht eines (freien) Lokaljournalisten ist dieser Journalismus bunt, selten langweilig – und keinesfalls vom Aussterben bedroht. Aber schlecht bezahlt. Unter anderem auch deshalb bin ich seit Jahren journalistisch überwiegend auf anderen Wegen unterwegs, schreibe häufig über und für Juristen.


Welches sind die drei größten Fehler, die ich als Neuling in einer Lokalredaktion machen kann?

Drei? Keine Chance. Sieben größte Fehler möchte ich nennen:

  1. Nicht neugierig zu sein,
  2. nicht beobachten zu wollen,
  3. keine Menschen zu mögen.
  4. Du gehörst nicht in eine Lokalredaktion, wenn du den Kampf um den Erhalt des Spielplatzes an der Ecke nicht genauso erwähnenswert findest wie die großen Skandale in der Bankenwelt.
  5. Auch feige darfst du im Lokalen nicht sein.
  6. Mut lohnt sich.
  7. Und trau dich auch, andere um Hilfe zu bitten. Egal, ob in der Redaktion, im Verlag oder draußen bei der Recherche.

Du bietest dein eBook auf mehreren Plattformen an. Warum hast du dich gerade für diese Plattformen entschieden? Und wie sind deine Erfahrungen?
Mehrere Plattformen zu bedienen, finde ich spannend, weil so die Streuung größer ist. So kann ich mehr Menschen erreichen und später die Plattformen miteinander vergleichen im Sinne von: Was kann oder konnte die eine besser als die andere? Lulu hat mir ein Bekannter empfohlen, mit dem ich volontiert habe. Und von der Plattform vonjournalisten.de habe ich im Journalist gelesen. Meine Erfahrungen mit den Plattformen? Mein eBook steht erst seit einigen Wochen online. Erfahrungen habe ich insofern noch keine nennenswerten. Allerdings ist es prima, dass „Mit Stift und Block“ bei den Treffern in Suchmaschinen recht weit oben erscheint. Frag mich in einem halben Jahr nochmals. Dann kann ich dir sicher mehr sagen.

Cover "Mit Stift und Block"
Cover „Mit Stift und Block“

Welchen Zeitaufwand hast du in dein eBook gesteckt – das Schreiben des Textes nicht mit eingerechnet?

Wenn du damit meinst, wie lange es gedauert hat, bis ich mich angemeldet habe bei den Portalen, meine Vita, die Buchbeschreibung und andere Infos in die Portalmaske eingegeben habe, dann dauerte das vielleicht insgesamt einen halben Arbeitstag.

Warum hast du dich für das Format eBook entschieden?

Weil das mit keinerlei Kosten verbunden ist. Der Leser kann es außerdem überall mit hinnehmen. Und das Werk steht sehr schnell für den Kauf bereit. Es gibt keine Produktionsschritte wie Druck und so weiter. Ich habe ja auch keine eigene gedruckte Lokalzeitung gegründet, sondern mein Lokalblog vor einiger Zeit begonnen. Die Gründe, dies zu machen, sind vielleicht ähnlich, wie die, ein eBook anstelle eines gedruckten Buches zu veröffentlichen.

Hast du schon mehrere eBooks gemacht und vielleicht sogar neue in Planung?
„Mit Stift und Block“ ist mein erstes eBook. Ich überlege, ob ich mein Blog „Marbach direkt“ als eBook veröffentliche. Oder doch gedruckt? Wie auch immer. Lesen würden es dann wohl eher hundert statt tausend Menschen. Das Blog ist hyperlokal, ich berichte ausschließlich aus unserem Stadtteil Marburg-Marbach. Ich könnte mir aber auch ein weiteres eBook vorstellen. Schreiben möchte ich darin über den Wert von Kunst, insbesondere von Werken auf Leinwand und Papier. Und das eBook soll einen juristischen Schlenker machen. Denn spannend finde ich die Frage: Wann ist ein Kunstwerk als Auftragsprodukt falsch, schlecht oder nur nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Bestelle ich zehn Brötchen beim Bäcker, ist normalerweise das Produkt klar beschrieben. Aber bei einem Kunstwerk?

Daniel Grosse hat zwei Staatsexamen in Jura, er war Personaldisponent und Versicherungsjurist in einer Schadenabteilung, bevor er sich für den Journalismus entschied. Daniel ist Mitautor des Projekts “Das Schreibbuch – das Handbuch für alle, die professionell schreiben”.

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3 Kommentare zu “Daniel Grosse über die 7 Fehler im Lokaljournalismus und sein eBook

  1. Herr Grosse, ich bin sehr fasziniert von Ihnen! vielen Dank für dieses schöne, inspirierende Interview mit hoher praktischer Relevanz. Alles Gute!

  2. Was mich an Journalisten, insbesondre an den jungen Nachwuchsredakteuren, immer wieder fasziniert, ist der nonchalente Umgang mit dem Hauptwerkzeug eines Journalisten: Der deutschen Sprache. Dass nun ausgerechnet „Mut lohnt sich“ als ein Fehler im Lokaljournalismus angesehen wird, wundert mich ebenso, wie der Hinweis, dass der „Erhalt“ eines Spielplatzes von Interesse sein muss.
    Der größte Fehler eines Journalisten ist, dass er nicht ein „Krümelkacker“ ist, wenn es um die Verwendung der Sprache geht. Wer sie nicht beherrscht, hat im Journalismus nichts zu suchen. In meinem Volontariat wurden mir noch die Fehler gezeigt: „Sehr geehrter Herr Grosse, ich bestätige den Erhalt Ihres Schreibens, in dem Sie sich für die Erhaltung von Kinderspielplätzen engagieren.“
    Mit freundlichen Gruß

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