Leserfrage: Wie fragt man einen Interviewpartner an – ohne einen konkreten Auftrag zu haben?

Bettina Blaß

Von 

Selbstständige Journalistin mit dem Fokus auf Verbraucher- und Internetthemen, Buchautorin, Dozentin. Mehr Infos: Wirtschaft verstehen!, Facebook, @kuechenzurufGoogle+

Immer gerade heraus
Immer gerade heraus

Stefanie hat uns geschrieben:

Ich möchte zum Thema XYZ einen Artikel schreiben. Ich möchte diesen vorab verfassen und dann diversen Zeitschriften anbieten. Nun wollte ich fragen, wie man für ein solches Vorhaben Interviewpartner gewinnt? Wie schreibe ich jemanden an, wenn ich ihm noch nicht konkret sagen kann, ob und wo der Artikel erscheinen wird?

Meine Antwort

Liebe Stefanie,

ehrlich währt am längsten! Wenn ich einen Artikel schreiben würde, ohne schon einen Kunden zu haben, der ihn veröffentlicht, würde ich meinen Gesprächspartnern sagen, dass es jetzt erst einmal eine Anrecherche ist. Wenn ich Anrecherchen hatte, hat das die Gesprächspartner in aller Regel nicht davon abgehalten, mir Informationen zu geben.

Viel wichtiger ist aus meiner Sicht die Frage, wie sinnvoll es ist, einen Artikel zu schreiben, ohne ihn irgendwo veröffentlichen zu können. Damit wäre ich sehr vorsichtig. Ich mache das grundsätzlich nur, wenn ich Deutsche im Ausland treffe, die ausgewandert sind. Und zwar vor dem Hintergrund, dass ich weiß, dass jede Lokalzeitung einen solchen Text mit Kusshand nimmt. Ansonsten finde ich, dass man sehr weit damit in Vorleistung geht.

Veröffentlichung auf dem eigenen Blog

Natürlich kann man auch versuchen, diesen Artikel über entsprechende Plattformen zu vertreiben, aber auch da wäre ich vorsichtig und würde nicht zu viel produzieren, sondern erst einmal sehen, ob sich dort überhaupt etwas verkauft. Plattformen wie dieRedaktion.de haben nicht grundlos nach kurzer Zeit wieder geschlossen.

Ganz anders sieht es aus, wenn du ein eigenes Blog hast. Dann kannst du deinen Gesprächspartnern sagen, dass die Geschichte dort veröffentlicht wird. Ich habe es nur ein einziges Mal gehabt, dass ein Verband meine Frage daraufhin einfach komplett ignoriert hat.

Besonders spannend an der Veröffentlichung im eigenen Blog ist, dass du beim Schreiben vielleicht einen Dreh findest, der den Text für genau den einen Kunden super-wichtig macht. Das ist mir schon mehrmals so mit meinem Blog Op jück gegangen. Viele Artikel, die ich dort veröffentlicht habe, haben also Geschichten bei meinem Kunden mit sich gebracht.

Besonders erfreulich war auch einmal, dass ich nach dem Versenden meines Newsletters von einem Kunden angesprochen wurde: Sein Kollege hat meinen Newsletter abonniert und ist so auf einen Artikel in meinem Blog Wirtschaft verstehen gestoßen, den er unbedingt für eine Veröffentlichung in seinem eigenen Unternehmen wollte. Perfekt.

Die eigene Homepage/das Blog hat außerdem den Vorteil, dass man dort bereits veröffentlichte Themen in Kundenmedien anreißen kann. Und erst vor einigen Tagen bekam ich daraufhin von einem Kunden eine Mail: Wir haben auf deiner Seite Wirtschaft verstehen gesehen, dass du das Thema X und das Thema Y für jemanden bearbeitet hast. Können wir bitte eine Zweitverwertung bekommen? Das ist schnell verdientes Geld. Und allemal besser, als einen Artikel im schlimmsten Fall für die Tonne produziert zu haben.

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